Diskussion über Bierkonsum bei Schützenfesten

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Von Balver Seite war mit dem 16-jährigen Markus Köster der Vorsitzende der Balver Jungschützen beim Veltins-Stammtisch von Radio MK vertreten. Wolfram Schmitz aus Balve sprach als Bundegeschäftsführer des Sauerländer Schützenbundes.

Balve -   Schützenfest nur mit „Saufen“ zu verbinden, das wollten die Gäste beim Veltins-Stammtisch am Donnerstag nicht stehen lassen. „Das ist kein ursächliches Schützen-Problem“, fand der Bundesgeschäftsführer des Sauerländer Schützenbundes, Wolfram Schmitz. Vielmehr seien Schützenbruderschaften und -vereine ein Querschnitt der Gesellschaft, in der Einzelne auch aus dem Rahmen fielen.

Vor 18 Zuhörern fand die 90-minütige Diskussionsrunde in lockerer Atmosphäre statt, bei der Radio-MK-Moderator Mirko Heintz den roten Faden von der grundsätzlichen Bedeutung der Schützenbruderschaften- und vereine über das Leitmotiv „Glaube-Sitte-Heimat“ bis zum muslimischen Schützenkönig in einem Werler Vorort spannte.

Für Hans-Dieter Petereit, Oberst des Iserlohner-Bürger-Schützen-Vereins, war dies nie ein Thema gewesen. Sein Verein sei überkonfessionell aufgestellt, so dass sich kein Diskussionsbedarf ergeben hatte. Eine detailliertere Meinung hatte der Balver Bundesgeschäftsführer des Sauerländer Schützenbundes, dem 340 Vereine mit 170 000 Schützenbrüdern- und schwestern angehören: Dieser Vorfall sei von den Medien geprägt und populistisch aufgestellt worden. Seitens des ausrichtenden Werler Vereins, der dem Bund der Deutschen Historischen Schützen angehöre, müssten die Statuten eingehalten werden. Diese sehen vor, dass nur katholische Mitglieder schießen dürfen. Und der Sauerländer-Schützenbund als für die Region zuständiges Gremium sei mit seiner eigenen Satzung richtig aufgestellt.

Auch die Nachwuchsfrage kam auf – hier stellte Wolfram Schmitz dar, dass durchaus einige Vereine mit diesem Problem zu kämpfen hätten, der Sauerlände Schützenbund aber in den vergangenen zehn Jahren 12 000 neue Mitglieder aufgenommen hätte. Hierfür bedankte er sich bei den Jungschützenkompanien. Und für diese ergriff in dieser Stammtisch-Runde der Vorsitzende der Jungschützen der St. Sebastian-Bruderschaft aus Balve, Markus Köster, das Wort. Der 16-Jährige sei durch seinen Vater so geprägt worden, dass er so schnell wie möglich dieser Gemeinschaft angehören wolle. „Brauchtum ist nicht uncool“, sagte er. Zwar gehe die Meinung in diese Richtung, doch wer einmal dabei gewesen sei, der sähe die Schützen in einem anderen Licht: „Jungschützen bekommen Werte vermittelt – dadurch ist Schütze sein auch wieder voll cool.“

Abgerundet wurde die Reihe der Gäste durch Ulrich Biene, Pressesprecher der Veltins-Brauerei, für den Schützenfeste ein Vertriebsthema seien. Natürlich würde ohne diese Festveranstaltungen weniger Bier verkauft, wichtiger war dem Repräsentanten jedoch zu betonen, dass sein Arbeitgeber den Menschen verbunden sei. Er sieht die Brauerei in der Rolle, die Feste attraktiver zu machen, und zu helfen, Schützenhäuser oder aber auch Festabläufe zu optimieren: „Bier ist dabei ein Teil des Ganzen.“

Wie weit ein Fest akzeptiert werde, liege, so Michael Esken, an den Vereinen selbst. „Wer nicht mit der Zeit geht, der geht mit der Zeit“, brachte es Hemers Bürgermeister auf den Punkt. In einer guten Position sah der Radio-Moderator dabei die Balver Schützen, könnten sie doch die Höhle vorweisen. Etwas neidisch war darauf auch Hans-Dieter Petereit, der zwar mit Alexanderhöhe und Parkhalle gleich zwei Immobilien vorweisen kann, bei diesen aber dringenden Modernisierungsbedarf sah. In Balve hätte die Schützenbruderschaft – hier sprach Wolfram Schmitz als Beiratsmitglied in diesem Vorstand – über eine Million Euro in den vergangenen zehn Jahren investiert sowie die nicht gezählten Stunden ehrenamtlicher Arbeit. Dies sei von der Stadt Balve nicht zu stemmen gewesen.

Wenn von der Politik über die Stadt bis hin zu den Vereinen alle an einem Strang ziehen, dann kann, so das Fazit, könne das Schützenfest als traditionelles Festhighlight angesehen werden und nicht als sinnfreie Megaparty. So könnte auch im Jahr 2100 weiter gefeiert werden, wie es in der Abschlussrunde hieß.

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