"Fachkräftemangel" ist Thema der 4. Balver Begegnung

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Verschiedene Unternehmen nahmen die 4. Balver Begegnungen zum Anlass, um sich über das Thema Fachkräftemangel auszutauschen. Es werde beispielsweise für Mittelständler immer schwieriger, geeignete Auszubildende zu finden.

Balve - Das Thema "Fachkräftemangel" stand am Montag im Mittelpunkt der 4. Balver Begegnung.

Dass den Jugendlichen ein Überangebot an Ausbildungsstellen gegenübersteht und diese sich das Beste heraussuchen oder aber nach der Devise handeln: „Nach der Schule ist vor der Schule“, ist den Betrieben in unserer Region bekannt. Obwohl teilweise in ihrer Branche marktführend haben sie es doch als Mittelständler schwer, geeignete Auszubildende zu finden. Dies nahmen die 4. Balver Begegnungen am Montag zum Anlass, neue Denkanstöße zu geben. 

Dass erwerbsfähige Flüchtlinge für die Unternehmen durchaus eine Rolle spielen können und dass die Schulabgänger mehr für die gewerblichen Ausbildungsberufe besonders im Handwerk begeistert werden müssen, waren für die 35 Teilnehmer keine neuen Argumente. Vielmehr gehen sie selbst schon diese Wege, um Nachwuchs für ihr Unternehmen zu gewinnen. So ist Tobias Müller mit seinem Garbecker Betrieb Paul Müller auf vielen Messen vertreten und bietet Praktikumsplätze an. Seine Erfahrung: „Wir haben keine Probleme für den kaufmännischen Bereich – da können wir aus einer Vielzahl von Bewerbern auswählen. Das Problem ist aber, Leute für den gewerblichen Bereich zu finden.“ 

Tobias Müller saß neben Bürgermeister Hubertus Mühling und Nina Fröhling, Rektorin der Realschule, auf dem Podium und stellte sich den Fragen von Stephanie Kißmer. Die Stadtmarketing-Geschäftsführerin hatte zusammen mit dem CDU-Stadtverbandsvorsitzenden Guido Grote zu diesen Begegnungen eingeladen. Der Diskussion vorausgegangen waren Vorträge von Matthias Thelen, ESO Education Group, und Özgür Gökce, ESO Group Geschäftsführung, die den Handlungsbedarf für mittelständische Unternehmen darstellten. Während die großen Unternehmen die besten Bewerber mit hohen Prämien gewinnen, hätten die anderen Betriebe es schwer. Bei 18 000 Studiengängen in 180 Fachrichtungen, so Matthias Thelen, müsse eine gute Auswahl und eine rechtzeitige Bindung durch Praktika oder Verbundstudiengänge getroffen werden.

 „Der demographische Wandel ist hier schon längst angekommen“, stellte Özgür Gökce fest. Die Unternehmen des Mittelstandes müssen geeignete Konzepte finden, um weiterhin zukunftsfähig bleiben zu können. Die Brisanz stellte Jörg Schumacher, Bundesagentur für Arbeit, anhand von Zahlen für die Entwicklung des Märkischen Kreises bis 2030 dar: Es gibt dann 18 weniger Einwohner und 23 Prozent weniger Erwerbsfähige. 

Da lag es nahe, auf die Flüchtlinge als potentielle Arbeitnehmer zu sprechen zu kommen. „Sprache, Sprache, Sprache ist der Schlüssel zu allem“, sagte dazu Hubertus Mühling. Er wünsche sich schnelleren Zugang für Integrationskurse und auch einen schnelleren Ablauf des Anerkennungsverfahrens. Die Befürchtungen, das Flüchtlinge Arbeitsplätze wegnehmen würden, zerstreute Gudrun Schmitz-Raphael, Arbeitgeberservice der Bundesagentur für Arbeit. Vielmehr sei es so, dass jeder in Arbeit kommende Flüchtling mit geeigneten Abschlüssen und Fähigkeiten wichtig für alle sei. 

Nun waren die Schüler der weiterbildenden Schulen das Thema des Abends, denn wenn schon jetzt über 50 Prozent der jetzigen 9. Klassen der Realschule wissen, dass sie nach ihrem Abschluss zum Gymnasium oder zur Fachschule gehen wollen, dann zeigt sich hier ein gravierender negativer Faktor. Aber hier machte Nina Fröhling neuen Mut, als sie die Entwicklung der Zahlen für Schüler darstellte, die sich ausbilden lassen. In diesem Jahr waren es 29 Prozent des Entlassjahrgangs, vor drei Jahren nur zwölf Prozent. Gesunken seien die Qualifikationsvermerke auf den Zeugnissen in diesem Zeitraum von 62 auf 54 Prozent. Die Realschule halte an ihrer Aufgabe fest, betonte sie, die Schüler für die Ausbildung mit verschiedenen Maßnahmen ab Klasse 8 fit zu machen.

Um die heimischen Betriebe bekannter zu machen, schlug Tobias Müller die Wiedereinführung vom „Tag der Gewerbegebiete“ vor. Durchgeführt wurde dieser von 2006 bis 2008 vom Stadtmarketing Balve seinerzeit in der Glärbach, im Rötloh und Braukessiepen. Stephanie Kißmer wird dies in ihre Überlegungen für die Jahresplanung 2017 aufnehmen.

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