Zwischen Revolution und Exotik: Balver erlebt Kuba hautnah

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Der Balver Student Jean-Paul Filip lebt zur auf Kuba. Seine Erlebnisse dort schildert er als „Bilder, wie aus einer anderen Zeit“. Zudem sei der Wandel auf Kuba besonders bei jüngeren Leuten deutlich spürbar.

Balve - Es sind Bilder wie aus einer anderen Zeit, die der Balver Jean-Paul Filip derzeit auf seinem Weg zur Universität sieht: Oldtimer aus den 1940er und 1950er-Jahren prägen das Straßenbild, gesäumt von einer zwischen Kolonialstil und Barock variierenden Architektur. Es sind faszinierende Bilder, die Filip aus Film und Fernsehen kannte, die er aber unbedingt mit eigenen Augen sehen wollte: Der Kölner Student der Volks- und Betriebswirtschaftslehre absolviert ein Auslandssemester auf Kuba – und zwar in Havanna an der „Universida de la Habana“ und der dortigen „Faculdad de Economia“.

Filip hat sich für diese exotische Wahl entschieden, weil er Kuba als „interessantes Land“ einschätzt und wissen will, „wie ein sozialistischer Staat funktioniert“. Die besondere Historie Kubas mit Portraits der Revolutionsführer Che Guevara und Fidel Castro ist an vielen Hauswänden sichtbar, für Filip reicht sie sogar bis in die Unterrichtsräume: Denn zu seinen Studienkollegen gehört auch der Enkel von Raúl Castro, dem aktuellen Präsidenten und Bruder Fidels.

„Die Revolution ist noch sehr präsent. Manch alter Kubaner schwärmt sogar noch von der Batistazeit vor der Revolution“, äußert Filip, der bei seinen Kollegen an der Uni aber eine durchaus kritische Haltung wahrgenommen hat: Die wirtschaftstheoretische Ausbildung mit starkem Fokus auf die ehemalige UdSSR und China wird nicht mehr bedingungslos akzeptiert.

Wandel auch in den Köpfen der Kubaner

„Die Studenten hinterfragen das System“, berichtet Filip von seinen Eindrücken aus den Wirtschaftskursen an der Universität. Mit der Lockerung des Embargos durch die USA im vergangenen Frühjahr und der damit einsetzenden Normalisierung in den Beziehungen zwischen beiden Staaten hat in Kuba insbesondere bei der jüngeren Bevölkerung nach den Darstellungen Filips ein Wandel eingesetzt.

Die Regierung hat inzwischen den Neuwagen-Import gestattet: Neben den gemütlich tuckernden Heckflossen-Cadillacs sind nun auch schon mal deutlich moderneres Autos zu sehen. Allerdings bedeutet dies noch die absolute Ausnahme, da sich nur wenige Kubaner einen Neuwagen leisten können.

Ohnehin ist das Land noch von vielen Gegensätzen geprägt: „Es gibt zwei Währungen“, äußert Filip und erläutert den Unterschied zwischen dem kubanischen Peso, der zur Bezahlung von staatlich subventionierten Waren und Dienstleistungen verwendet wird, sowie dem „Peso convertible“, der in der Regel für den Erwerb importierter Waren benutzt wird. Einiges werde in Kuba auch noch hinter vorgehaltener Hand geregelt, erzählt Filip, so auch das Vermieten von Wohnungen.

Auf einem solchen Wege hätte er nur etwa 50 Dollar für seine mit einer deutschen Studentin geteilte 50 Quadratmeter-Wohnung aufbringen müssen – allerdings hätte sich der Student der Gefahr der Exmatrikulation durch die Universität ausgesetzt. So zog Filip die Option der „legalen Wohnung“, wie er sagt, vor und berappt monatlich 500 Dollar. Noch bis Mitte Januar wird er im Herzen Havannas untergebracht sein, ehe er zu seiner kubanischen Freundin in ein anderes Viertel der Inselmetropole zieht.

Gesehen hat er neben Santa Maria, dem schönsten Strand Havannas, auch von der gesamten Insel schon eine ganze Menge: Seine Reisen führten Filip nicht nur zu den Naturschönheiten wie Vinales im westlichen Teil oder Sancti Spiritus in der Mitte des Inselstaates, sondern auch an historisch bedeutsame Orte wie Holguin, der ersten Landungsstätte von Columbus, Santa Clara mit dem Che-Monument, die Playa de Giron (Schweinebucht) oder Guantanamo.

Ein besonderes Erlebnis war das Weihnachtsfest, das er mit der Familie seiner Freundin im kubanischen Fischerdorf Las Tunas de Casas, einem der unberührtesten Teile des Landes, verbrachte. Zum Gitarrenspiel des Opas wurde gemeinsam gesungen – nicht nur für Filip das „richtige kubanische Leben“.

Rückkehr pünktlich zum Kölner Karneval

Noch einen Monat bleibt Filip auf der karibischen Insel und wird weiter daran arbeiten, sein Spanisch zu perfektionieren. Der sprachbegabte Balver – neben Spanisch spricht Filip fließend Englisch und Polnisch – freut sich auf den noch vor ihm liegenden Monat, der noch eine abschließende Prüfung an der Universität mit sich bringt, aber eben auch Gelegenheit zur Fiesta Cubana bietet.

Und die Feierlichkeiten setzen sich dann auch gleich bei seiner Rückkehr nach Deutschland direkt fort. Denn als Kölner Student kommt er pünktlich zum Karneval in die Domstadt am Rhein, bestimmt auch mit der ein oder anderen Cohiba, der legendären, weltweit bekannten kubanischen Zigarre, im Gepäck.

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