Balve wird Zentrum der Kunst

Tony Mori aus Japan und Manfred Evertz aus Norwegen gehören zur internationalen Gruppe PSI Art und sind derzeit im Balver Atelier von Gerd Jörgens, um dort gemeinsam zu arbeiten. - Foto: Kolossa

Balve - Es kommt in großem Maße etwas auf Balve zu: Eine internationale Gruppe von Künstlern hat die Stadt zu einem Zentrum ihres Wirkens erkoren. Und die Werke der Akteure, die in verschiedenen Kunstrichtungen zuhause sind, haben es wahrlich in sich.

Der heimische Künstler Gerd Jörgens hat seit Mittwoch die ersten der zehn Mitglieder der internationalen Gruppe PSI Art in seinem Atelier im Gesundheitscampus zu Gast. Die ersten Schritte setzte Koordinator und Mitbegründer Manfred Evertz in den weitläufigen Raum, wo sich einst die Krankenhaus-Küche befand, und war sofort begeistert. „Hier in Balve kann sich die ganze Welt treffen“, sagte er über die vielen Möglichkeiten, die sich dort jedem Kunstschaffenden bieten.

Jörgens weiß das, schließlich hat er gerade deshalb sein Atelier beTonKunst dorthin verlegt. Gerne hört der Garbecker diese Worte von Evertz. Über Facebook kam der Kontakt mit dem in Brevik (Norwegen) arbeitenden Aktionskünstler zustande.

„Die Säulen der Gesellschaft“ mit zusammengefügten Abfallprodukten ist eines von Evertz’ Werken. Alte Flaschen und Dosen finden sich in diesem großflächigen Epos ebenso wieder wie Spielzeug und Hühnerknochen. Auch seine gemalten Werke, in denen der Künstler seine Empfindungen beim Entstehen von Masken und Gesichtern ausdrückt, sind keine leichte Kost. „Dies sind Aussagen des menschlichen Wesens“, beschreibt er sie.

Und in diesem Zusammenhang sieht sich die Künstlergruppe, die einen Lyriker, Philosophen, Maler, Objektkünstler, experimentelle Künstler, Fotografen und mit Jörgens jetzt auch einen Bildhauer in ihren Reihen weiß.

Künstler verlangen viel vom Betrachter

„Nicht der Wunsch steht im Raum, sondern vielmehr die Realität“, erklärt Evertz die Exponate. Ihm und den anderen sei bewusst, dass diese nur von wenigen ins Wohnzimmer gehängt oder aufgestellt werden, denn: „Wir verlangen dem Betrachter sehr viel ab.“

Gearbeitet wird psycho-symbolisch, denn alles hat eine Bedeutung. So auch die Werke von Tony Mori aus Japan – ein ehemaliger Schüler von Evertz –, dessen große Bilder stets schwarz und mit organischen Strukturen gehalten sind. Durchbrochen wird die Tristesse stets von heller Farbe. All dies entsteht bei ihm in einem Arbeitsprozess mit Feuer und Chemikalien.

Therapeutisches Werkzeug

Die PSI-Künstler sehen sich selbst als postmodernistisch mit einem Zugang zur Psychologie. Dabei arbeiten sie mit dem Hamburger Diplom-Psychologen Rainer Müller zusammen, der Kunst als therapeutisches Werkzeug einsetzt.

„Unsere Kunst nimmt keine Rücksicht auf das Befinden des Betrachters“, betont Evertz erneut. „Das Arbeiten ist für uns als Künstler eine ganz eigene Entwicklung.“ In diesem Sinne sei jeder Akteur ein Selbstoffenbarer, wobei Jörgens die Frage im Raum stehen lässt: „Auf was sollen wir Rücksicht nehmen?“

Eine Vernissage aller Künstler soll noch zu einem späteren Zeitpunkt stattfinden, derzeit befinde sich das Ganze jedoch noch in der Vorbereitung. Fest stehe aber schon jetzt, dass Balve für PSI Art eine große Rolle spielen soll. Evertz: „Balve liegt mitten in Deutschland und mitten in Europa.“

Während den Künstlern in Brevik nur eine kleine Werkstatt und Galerie zur Verfügung stehe, könnten sie sich in Balve frei entfalten. Vorgesehen sind außerdem der Aufbau einer Galerie in Berlin und Ausstellungen im Ruhrgebiet.

Jörgens sieht all dem erwartungsvoll entgegen: „Jeder ist autonom, aber trotzdem arbeiten wir alle zusammen.“ Und mit Blick auf den Kontakt mit PSI Art sagte er: „Wir haben uns nicht gesucht, sind aber trotzdem alle aufeinander zugekommen.“

Ein Bild von den Werken der Künstler kann sich jeder Interessierte selbst machen. Das Atelier ist dienstags und donnerstags von 15 bis 18 Uhr im Erdgeschoss geöffnet und kann nach Absprache unter Tel. 0 23 75 / 58 35 besucht werden.

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