Abordnung des Rates besucht Festspielverein

„Kultur ist nicht das Wichtigste für Balve“

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Eine Delegation des Balver Rates hat am Montag den Festspielverein Balver Höhle besucht.

Balve - „Warum bekommen wir nur einen geringen Förderbetrag von der Stadt?“ Diese Frage stellte Uta Baumeister, die Vorsitzende des Festspielvereins Balver Höhle, am Montag den Kommunalpolitikern. Die Verantwortlichen des Vereins hatten die Ratsvertreter und Bürgermeister Hubertus Mühling in die Höhle eingeladen, um die Arbeit der Ehrenamtler vorzustellen.

Zum Hintergrund: Der Festspielverein hatte 5000 Euro für den Spielbetrieb bei der Stadt als jährlichen Zuschuss beantragt. Im nicht-öffentlichen Teil der vergangenen Ratssitzung beschlossen die Kommunalpolitiker, in den nächsten fünf Jahren jährlich nur 2000 Euro zur Verfügung zu stellen – und zwar zweckgebunden. Mit dem Zuschuss soll der seit 1997/98 bestehende Schuldenberg in Höhe von jetzt noch 9000 Euro abgezahlt werden.

Die Wertschätzung für die Arbeit des Vereins stünde außer Frage, betonte Mühlng, räumte aber sofort ein: „Wir müssen abwägen, was bezahlbar ist.“ Er blickte zurück: In der Saison 1997/ 98 habe die Stadt den Kulturbetrieb auf den Festspielverein unter der damaligen Führung von Werner Traud und Josef Jost übertragen. Damals habe die Stadt dem Verein eine Anschubfinanzierung in Höhe von circa 25 000 Euro für das Jazz- und Bluesfestival gezahlt. Wenig später habe der neue Vorsitzende, Winfried Hagen, dieses Festival gestrichen und das Irish-Folk-Festival initiiert. Das sei eine einseitige Vertragsverletzung gewesen, sagte Mühling. Es sei zu finanziellen Probleme gekommen, deren Lasten der Vorstand noch heute trage.

Durchschnittlich bezuschusse die Stadt den Verein ohnehin mit jährlich 5200 Euro in Form von Sach- und Arbeitsleistungen, erklärte Mühling. Enthalten seien darin die kostenfrei Nutzung der Aula in der Realschule und der Grundschule für die Proben, Arbeiten des Bauhofs und der von der Stadt vorgenommene Kauf von Eintrittskarten. Entsprechend würde dieser Verein weit mehr als jeder andere Verein in der Stadt unterstützt, stellte der Bürgermeister fest. Die vom Rat bewilligten 2000 Euro seien mit Blick auf die finanzielle Lage des Vereins erfolgt, der mit dem neuen Vorstand auf dem richtigen Weg sei, die Schulden zurückzuzahlen.

Kulturarbeit zähle aber nicht zu den Aufgaben der Stadt, erklärte er. Zwar trage die Stadt Balve in einem bescheidenen Rahmen dazu bei, doch sei angesichts des defizitären Haushaltes „Kultur nicht das Wichtigste für Balve.“ Mühling machte deutlich: Wenn der Sparkommissar aus Düsseldorf oder Arnsberg ins Rathaus komme, setze dieser den Rotstift sofort bei der Kultur an.

Damit wollte sich die Opposition nicht abfinden. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Cay Schmidt wies auf die aus seiner Sicht zu geringe Kulturförderung in Balve hin. Die Sozialdemokraten würden deshalb für 2017 einen Antrag auf einen Kultur-Fördertopf stellen, der mit 50 000 Euro gefüllt sein soll. Das Geld solle für bestimmte Projekte fließen, aber nicht nach dem Gießkannenprinzip verteilt werden.

Heinrich Stüeken, UWG, sah die Stadt in dem Sinne verpflichtet, wie sie sich als „Kulturstadt Balve“ auf den Schildern in der Stadt selbst gerne sehe. Der Festspielverein müsse gefördert werden, denn ohne seine Arbeit bleibe die Höhle neben dem alljährlichen Schützenfest nur ein prähistorisches Loch.

„Wir können uns nichts leisten“, verdeutlichte Hermann Becker, Kassenwart des 250 Mitglieder zählenden Vereins, darunter 120 Schauspieler, die finanzielle Lage. „Für unsere Aktiven ist nicht mehr drin als ein Kasten Sprudel.“ Jeder Euro gehe für die Anschubfinanzierung drauf.

Uta Baumeister zog nach fast einer Stunde folgende Bilanz: „Ich bin zufrieden, denn das Bemühen der Politik für eine Lösung ist da.“ In den Fraktionen werde dieses Thema weiter beraten.

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