Peter Prange stellt seinen persönlichsten Roman vor

Peter Prange gelingt es mit Witz und Charme immer wieder, seine Zuhörer zu packen. Vor jeder Lesung wird erstmal ein Plausch gehalten, das hebt die Stimmung im Saal enorm.

Altena - Die Bahnhofsunterführung stinkt immer noch nach Urin? Peter Prange behauptet das eingangs seiner Lesung in der Burg Holtzbrinck und beweist damit, dass nicht alles, was er über die Burgstadt zu sagen hat, auch richtig ist.

Das ist eine durchaus wichtige Erkenntnis. Der in Tübingen lebende, aber in Altena geborene und aufgewachsene Erfolgsschriftsteller hat schließlich mit „Unsere wunderbaren Jahre“ einen Roman geschrieben, der in Altena spielt und in dem dem Altenaer Publikum viele Charaktere begegnen, die es (wie den Friseur Lau oder den Einzelhändler Hollstein) tatsächlich gegeben hat. Daraus abzuleiten, dass es sich um eine Art Biographie handele, wäre ein fataler Fehler, der vor allem einem Unrecht täte: Es gibt deutliche Paralellen zwischen dem ehemaligen Arbeitgeberpräsidenten Fritz Berg und Pranges Romanfigur Walter Böcker, der der Autor in seiner Geschichte die Rolle des Bösen zuweist. Daraus abzuleiten, dass Berg ein ähnlich zweifelhafter Zeitgenosse gewesen wäre, wäre schlichtweg falsch.

Dass Prange seine Bücher in Altena vorstellt und dass das hiesige Publikum diese Lesungen stets sehr gut annimmt, das ist guter Brauch. Die Resonanz auf „Unsere wunderbaren Jahre“ brach allerdings alle Rekorde. Gleich zweimal las Prange am Montagabend in der beide Male ausverkauften Bürgerburg aus seinem Werk.

Der Autor beschränkte sich dabei auf den Prolog und die ersten 100 Seiten, aus denen er einzelne Passagen zitierte, um das Publikum mit einigen der handelnden Personen bekannt zu machen. Neben Böcker lernen die Zuhörer auch den lebenslustigen Tommy Weidner, die Unternehmerfamilie Wolf und den Bürgermeister Arno Vielhaber kennen.

Mehr aber auch nicht: Was die gemacht haben aus den 40 D-Mark, die am 20. Juni 1948 jedem Bewohner von „Trizonesien“ ausgezahlt wurden, lässt Prange offen. Schließlich will er sein Buch verkaufen, was bestens gelingt: In den Pausen haben Gerhild Gütting und andere Mitarbeiter der Buchhandlung Katerlöh gut zu tun.

Die Lesung ist das eine. Das andere ist Entertainment. Prange ist erkennbar keiner, der im Elfenbeinturm sitzt und aus diesem heraus den lesenden Teil der Menschheit beglückt. Mit Witz und Charme gelingt es ihm im Nu, mit seinen Zuhörern in Kontakt zu kommen, indem er erstmal „lange quatscht“, wie er selber sagt. Er spricht über Tübingen, wo er seit Jahrzehnten lebt und trotzdem noch immer Zugereister ist. „Zuhause, das ist Altena. Hier bin ich weltberühmt“, scherzt er und nimmt das wenig später ein Stück weit zurück – nach wie vor gebe es Altenaer, für die sei er eher „der Sohn von Betten Prange“ als ein berühmter Schriftsteller, weiß er und berichtet, wie es damals war, als er seinen Vater bei Auslieferungen begleitete und dadurch freien Zutritt zu unzähligen Altenaer Schlafzimmern hatte – Stätten, an denen mehr mehr (und anderes) erfahre als in anderen Räumen einer Wohnung, erklärt er.

Prange brachte übrigens jemanden mit, den er in Tübingen eher zufällig wiedergefunden hat. Wie er kommt Carola Dewor aus Altena, wie er ist sie Künstlerin, wie er lebt sie seit Jahrzehnten nicht mehr in der Burgstadt, ohne sie je ganz vergessen zu haben. Deshalb stattete sie ihr erst vor einigen Monaten einen Besuch ab, bei dem viele Fotografien entstanden. Sie wurden inzwischen zu ausdrucksstarken Ölbildern, die beispielsweise den Kölschen Joe oder gestapelte Drahtrollen in Firmenhinterhöfen zeigen – „solche Schmuddelecken gehören zu Altena“, sagte Dr. Andreas Hollstein in seinen einführenden Worten. Die sprach er in seiner Funktion als Vorsitzender des Kulturrings, durfte sich aber auch als Bürgermeister freuen: Prange spendet das Honorar seiner beiden Lesungen, es wird zur Finanzierung des Stadtjubiläums im kommenden Jahr beitragen. Das mag auch daran liegen, dass der Schriftsteller den Juristen als „Glücksfall für die Stadt Altena“ ansieht, wie er am Ende des Buches bei den Danksagungen schreibt. Hollstein habe schon während des Entstehens des Buches seine Arbeit mit wertvollen Hinweisen zur Stadtgeschichte unterstützt.

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