Zusätzliche Räume für Flüchtlingskinder in Altena

Die beiden haben richtig Spaß mit der Kinderküche. Während sie sich im Spielzimmer vergnügen, lernen nebenan die Mütter Deutsch

Altena - 111 Geschenke für Kinder und Jugendliche hat Anette Wesemann dieser Tage eingekauft – so viele minderjährige Flüchtlinge leben zurzeit in Altena.

Ihre Betreuung soll jetzt nach und nach verbessert werden. Dazu arbeiten die Ehrenamtlichen des Stellwerks mit Profis zusammen – zum Beispiel mit Inga Nierhoff von der katholischen Erwachsenen- und Familienbildungsstätte für das Kreisdekanat Altena/Lüdenscheid. Sie bietet seit letzter Woche den „Elternstart“ für Flüchtlingsfamilien mit Kleinkindern an.

Elternstart ist ein Programm des Familienministeriums. In Altena gehe es konkret darum, durch eine Kinderbetreuung Flüchtlingsfrauen die Möglichkeit zu geben, an den Sprachkursen teilzunehmen, erklärt Marion van den Boogaard, die beim Stellwerk die Deutschkurse koordiniert. Darüberhinaus sieht Nierhoff in ihrer Arbeit aber auch eine Vorbereitung auf den Kindergarten.

Das Problem: Im Stellwerk selbst ist überhaupt kein Platz für solche Aktivitäten. Das städtische Immobilienmanagement wusste Rat. Über den von der Musikschule genutzten Räumen im Bauamt stand eine Wohnung leer. Die musste zwar renoviert werden – aber das war kein Problem, engagierte Flüchtlinge griffen zu Pinsel und Farbe und richteten die Räume her. Vor ein paar Tagen war der Einzug.

Ein Zimmer wird jetzt für die Kinderbetreuung genutzt. Es wurde mit kindgerechten Möbeln aus dem ehemalige n Kindergarten Nettenscheid ausgestattet, Kuschelecke, Playmobilburg, eine Kinderküche und viele weitere Spielsachen stammen aus Spenden und sorgen dafür, dass sich die Kinder wohlfühlen, wenn ihre Eltern nebenan Deutsch lernen.

Gute Strukturen seien in Altena geschaffen worden, lobt Nierhoff: „Es macht Spaß, sich hier anzudocken“. Die Familienbildungsstätte würde gerne weitere Aufgaben in Altena übernehmen, versichert sie.

Zu den guten Strukturen gehören auch und gerade die Sprachkurse, die das Stellwerk mit Hilfe ehrenamtlicher Lehrer organisiert. Neu im Team sind Sophia Cramer und Kira Bastian – zwei junge Frauen, die den Kurs für die jungen Mütter gemeinsam leiten.

15 Kurse laufen im Schnitt in der Regie des Stellwerks, zweimal die Woche wird unterrichtet. Dabei geht es manchmal nicht nur um die Sprache, sondern auch um die Schrift – Flüchtlinge aus dem arabischsprachigen Raum müssen die lateinischen Buchstaben natürlich oft erst lernen. Zwischen 70 und 100 Teilnehmer hätten die Kurse insgesamt, berichtet van den Boogaard. Das bedeute aber nicht, dass nur ein Bruchteil der Flüchtlinge Deutsch lerne. Neben dem Stellwerk bietet nämlich auch die VHS Sprachkurse an. Sie darf allerdings nur Flüchtlinge mit „Bleibeperspektive“ unterrichten – Flüchtlinge aus Afghanistan zum Beispiel dürfen da nicht hin. Kinder und Jugendliche im schulpflichtigen Alter lernen die Sprache am Burggymnasium und in der Grundschule Mühlendorf.

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