Ursula Klüppel sammelt Himmelsboten

Ursula Klüppel aus Dahle sammelt seit mehr als 50 Jahren Engel. Diese zugfahrende Gruppe ist in der Durchreiche von Wohn- zu Esszimmer dekoriert. Die evangelische Christin ist überzeugt: „Hinter jedem von uns steht ein Schutzengel.“ Foto: Bonnekoh

Altena - Die fröhliche Gemeinschaft im Treppenhaus an der Mondhahnstraße in Dahle begrüßt jeden Besucher schon zwei, drei Schritte hinter der Haustür. Ursula Klüppel sammelt Engel aller Größen, Formen, Farben und Materialien. Sie sitzen auf der Fensterbank, stehen auf Tischen und Regalen oder wippen fröhlich auf einer Schaukel sitzend im Fensterkreuz.

„Ja, dieser hier war der erste, den ich vor 53 Jahren von meinem Mann geschenkt bekommen habe“, erzählt Klüppel. „Damals hatte ich so eine mächtige Erkältung. Dafür steht der rote Schal, den der Engel um den Hals trägt. Mein Mann und ich waren so verliebt...“. Das Geschenk habe geholfen, sie sei schnell wieder fit gewesen. Seit dieser Zeit sammelt Klüppel die Himmelsboten und hat bisher wohl einige hundert Stück, bevorzugt der Marken Goebel, Singer und aus Rotkeramik, zusammen getragen. Es reizt sie immer wieder, neue Darstellungen zu suchen, „denn kein Engel gleicht dem anderen.“ Nein, es sind nicht nur putzige, bunte oder pausbäckige Keramiken, Geistwesen mit den oft so typischen Flügeln und lieblichen Gesichtern: Der Betrachter, der beim Gang durch die Wohnung zwangsläufig an den im Advent überall dekorierten Engeln vorbeigehen muss, ist sofort gefangen. Gefangen und fasziniert von der Vielfalt der Darstellungen dieser mythologischen Geisteswesen.

Ursula Klüppels spezielles Interesse für Engel und ihre sich anschließende Sammelleidenschaft wurden durch zahlreiche Bücher und Gespräche im Familien- und Freundeskreis sowie persönliche Erlebnisse geweckt. Natürlich kennt sie Werke von Pater Anselm Grün, etwa sein „50 Engel für das Jahr“. Für Klüppel sind Engel so etwas wie das Gute in der Welt. Beispiel: „Neulich, in einem Geschäft. Da ist mir etwas Wertvolles heruntergefallen. Ein junger Mann, Punker, unkonventionell gekleidet, jemand, von dem ich es nicht erwartet hätte, hat mir geholfen. Spontan, sofort, ohne zu fackeln. Er war mein Engel an diesem Tag.“ Dass Engel heute wieder „ankommen“, auch in der Öffentlichkeit nicht nur verniedlicht oder belächelt werden, deutet für sie auf eine neue Sensibilität und Offenheit für die alte Wahrheit der Religionen hin: das Leben eben „mehr“ ist, dass es auf anderes verweist. Engel sind für Ulla Klüppel mithin Bilder zu einer tiefen, bleibenden Sehnsucht nach Hilfe und Heilung. Engel seien aber auch Ausdruck von Hoffnung, dass unser Leben nicht ins Leere laufe, dass es glücken könne. „Wissen Sie eigentlich, wie Engel aussehen?“ – diese Frage habe ihr noch niemand konkret vorgelegt und sie könne sie auch nicht so ohne weiteres beantworten. Eines aber hat sich Ulla Klüppel vorgenommen: Weiter Engel zu sammeln und sie als Beschützer und Helfer in Notsituationen anzunehmen.

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