Kunst kennt keine Denkverbote

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Die Künstlerin in ihrem Atelier.

Altena - Eilike Schlenkhoff ist mutig. Als junge Frau lässt sie es seit dem 1. Januar 2009 zu, die Umwelt in ihr Morgenbett schauen zu lassen. Das Projekt, mit dem sie bereits viele Ausstellungen bestückt hat und sich des Publikumsinteresses sicher sein konnte, hat sie mit „Wake ups“ überschrieben.

„Seit sechs Jahren mache ich jeden Morgen unmittelbar nach dem Erwachen ein Selbstportrait von mir. Nicht mit irgendeiner todsicheren Do-it-yourself-Kamera, ich benutze eine analoge Yashica T 3 Kleinbildkamera.“

In Zeiten von Internet & Co., wo ein sanfter Fingerdruck auf dem Handybildschirm genügt um gestochen scharfe Fotos zu schießen, ist es für die diplomierte Künstlerin eben etwas anderes, Foto für Foto nach altem, handwerklichem Qualitätsstandard anzufertigen.

Gut, zersauste Haare, ein müder Blick, ein letztes Räkeln, Blinzeln und auch mal ein gequältes Lächeln, Eilike Schlenkhoff beschäftigt sich unter den Augen der Öffentlichkeit „mit dem Einfluss und der Macht von Zeitlichkeit, dem Bewusstsein über das Künstlerdasein und dem radikalen Bruch von Intims- phäre.“

Die Fotos sprechen für sich: Sie zeigen sowohl die Art und Beschaffenheit des Schlafplatzes der 31-Jährigen in der vergangenen Nacht, als auch „meiner Selbst an dem jeweiligen Morgen“, wie sie erläuternd anfügt.

Der Stipendiatin 2015/2016 der Werkstatt Altena geht es „um Veränderungen, Verfall, Routine“. Im Laufe der Jahre kann so jeder Betrachter der Bilder durchaus den Wechsel der Jahreszeiten, aber auch der physischen und psychischen Verfassung am Bild ablesen. Eilike Schlenkhoff: „Vergänglichkeit von äußeren sowie inneren Umständen rücken in das Bewusstsein des Betrachters.“

Warum hat sich die gebürtige Wuppertalerin, Meisterschülerin von Professor Cornelius Völker, Kunstakademie Münster, gerade auf „Wake ups“ eingelassen? Diese Form der künstlerischen Betätigung ist für die junge Frau nicht das Wesentliche ihrer durch und durch kreativen Beschäftigung. Und doch: „Überwindet man als Betrachter den ersten beobachtenden, diagnostizierenden und vielleicht voyeuristischen Moment, geht es in der Arbeit vor allen Dingen um Kernfragen, die sich jeder Künstler stellt: Wann fängt mein Tag als ,Kunstschaffender’ an? Was gebe ich dafür auf? Was und wie viel bin ich bereit zu investieren? Zu welchem Zeitpunkt bin ich mir meiner Pflichten bewusst? Zu welchem Zeitpunkt eben nicht? Was sind meine Pflichten? Und wann beginnt eigentlich mein ,regulärer Arbeitstag?’“

Eilike Schlenkhoff arbeitet seit August 2015 in Altena. Sie hat noch immer den Kopf voller Ideen, hat endlich Zeit und Raum an der Gartenstraße 40 „in Ruhe zu arbeiten“. Vor Ort hat sie ihren Schwerpunkt auf die Ölmalerei gelegt, hat sie doch an den Kunstakademien Münster und später zusätzlich Essen Malerei und Fotografie studiert. Die Künstlerin malt konzeptionell, abstrakt und gegenständlich. „Ich beginne ein Werk und lasse es dann entstehen“, sagt sie oder, wie bei der ,Augentäuschung’, eines ihrer Spezialgebiete auf Leinwand, komme erst das durchdachte Konzept, „bevor ich den ersten Pinselstrich mache“.

In Altena hat Eilike Schlenkhoff endlich auch den Platz, mehrere Bilder gleichzeitig zu malen, sie wirken zu lassen und sie nach und nach zu verändern. Kunst kennt für die junge Frau keine Denkverbote. „Fertig ist ein Werk erst dann, wenn es mir gefällt.“

Wie war das noch mal mit den Wake ups? „Künstler brauchen vor allen Dingen zähes Durchhaltevermögen, wenn sie ihre Arbeit dem Publikum zugänglich machen wollen“, sagt Schlenkhoff. Deshalb sei ein Ende dieser Reihe nicht geplant. Im Gegenteil. „Die Arbeit wird doch mit jedem Tag stärker.“

www.eilike.de

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