Als Stipendiat frei und ohne Kompromisse leben

Lutz Bernsau war einer der ersten Stipendiaten der Werkstatt Altena.

Altena - „Die Gründung der Werkstatt war revolutionär. Das gab es so sonst nicht.“ Vor 40 Jahren wurde die Werkstatt Altena als Förderverein zur Unterstützung von jungen Künstlern gegründet. Am Donnerstag fand nun der erste Teil der diesen Anlass kommemorierenden Ausstellung „Dek.: 4 – Vier Dekaden Kunst in Altena“ in der Stadtgalerie statt.

„Ich kenne keinen Kunstverein, der mit so einem Engagement arbeitet wie die Werkstatt Altena“, sagte Lutz Bernsau, einer der ersten Stipendiaten des Fördervereins, in seiner Ansprache vor zahlreichen Besuchern. Es sei bemerkenswert, dass ein bürgerlicher Verein, der nur durch Mitgliedsbeiträge und Spenden finanziert wird, so lange und so gut funktioniere. „Das ganze System in sich ist so gesund, dass man sich keine Sorgen machen muss“, fügte Bernsau hinzu und lobte auch das aktive Verhalten der Mitglieder: „Die Nähe der Mitglieder zu den Stipendiaten ist toll und macht die ganze Sache auch unheimlich charmant.“ Für jeden Stipendiaten habe es finanzielle Unterstützung sowie eine kleine Wohnung und ein Atelier mitten in der Innenstadt Altenas gegeben, damit die Mitglieder den jeweiligen Stipendiaten auch regelmäßig besuchen konnten. „Für mich als Altenaer war das natürlich nicht so spektakulär. Ich hatte auch eine Heimschlaferlaubnis“, erzählte Bernsau. Er habe Glück gehabt, nicht wie andere Kunsthochschulabsolventen nach dem Abschluss in ein Loch zu fallen: „Ich hatte ein Dach über dem Kopf und konnte frei und ohne Kompromisse leben.“ Das Jahr als Stipendiat sei wichtig und gut gewesen.

Auch Helmut Büchter, wie Bernsau einer der ersten Stipendiaten in den siebziger Jahren, war anwesend und stellte einige seiner Werke aus. „Ich war zwei Jahre hier und habe die Zeit sehr genossen. Ich war damals noch Bildhauer. Der Vorstand war der Meinung, dass ein Bildhauer mehr Zeit bräuchte, um sich zu entwickeln, daher durfte ich noch das zweite Jahr Stipendiat bleiben“, erinnerte sich Büchter. In Altena habe sich seitdem einiges verändert. „Die kleinen Häuschen neben den Kirchen zum Beispiel waren wunderbar. Ich bin ein bisschen traurig, dass die weggekommen sind.“

In 40 Jahren veränderte sich auch bei der Werkstatt einiges. Unter anderem sei laut Kassierer Roland Balkenhol die Bewerberzahl für ein Stipendium auffallend gestiegen. „Früher waren es zwischen sechs und zehn Bewerbern. Heute haben wir im Schnitt sechzig.“ Lutz Bernsau sah als Grund dieser Entwicklung unter anderem die Öffnung der Mauer. „Es kamen viele Leute aus Ostdeutschland. Aber man muss auch sagen, dass die Botschaft bei den Hochschulen angekommen ist. Wenn ich in Unis unterwegs bin, höre ich oft den Satz, da gibt es doch diese Werkstatt in Altena’.“

Auch die digitale Revolution tue ihr übriges und sorge durch das Internet für eine Plattform, die von wesentlich mehr Menschen wahrgenommen würde. „Ich weiß nicht, ob die digitale Revolution gut oder schlecht für die Kunst ist. Heute kann jeder als Produzent oder Regisseur arbeiten. Aber wie steht es in 20 Jahren um die Malerei und Bildhauerei? Ich denke, dass man auch dann noch ein gewisses Talent benötigt, um aus einem Holzklotz ein Kunstwerk zu machen“, sagte Bernsau.

Werke der Stipendiaten der ersten Dekade konnten am Donnerstag in der Galerie betrachtet werden. „Es ist eine wachsende Ausstellung. Jede Woche kommt die nächste Dekade dazu“, erklärte Matthias Rüth, Vorsitzender der Werkstatt. Jeweils donnerstags kann bis zum 17. November ab 19 Uhr das Wachsen der Werkstatt über die Jahrzehnte verfolgt werden. „Am Ende hängen die Wände voller Bilder“, sagte Rüth.

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