Liebeserklärung am Weltklassik-Klavier

+
Kenner waren sich einig: „Ein gesamtes Orchester“ ersetzte das Ehepaar, das zurzeit als Duo in der Soloklasse von Professor Goetzke an der Hochschule für Musik, Theater und Medien in Hannover studiert.

Altena - Berühmte Liebespaare aus Mythologie und Weltliteratur beflügelten die Fantasie vieler großer Komponisten. Tschaikowsky widmete der tragischen Liebesgeschichte von Romeo und Julia sein erstes bedeutendes Meisterwerk. Christoph Willibald Gluck ließ die Nachwelt am Liebesglück und Liebesleid von Orpheus und Eurydike teilhaben.

Die Legende von Tristan und Isolde, die aus dem keltischen Sagenkreis stammt, war Richard Wagner eine Oper wert. „Zwei, die sich blind verstehen“, so Karsten Wolfewicz in seiner Begrüßung, entführten Klassikfans am Sonntag in der Burg Holtzbrinck bei der „Weltklassik am Klassik“ in die Welt der Liebenden.

Zu Gast mit einem ungewöhnlichen Programm im Zeichen von „Romeo & Julia!“ war das Ehepaar Chie Tsuyuki und Michael Rosenboom, das als Duo Tsuyuki & Rosenboom in der Klavierduoszene einen hervorragenden Namen besitzt. Auf dem „flammneu überarbeiteten“ Flügel der Burg Holtzbrinck fesselten und faszinierten die beiden Könner mit einem spätromantisch-impressionistischen Programm. Beim hochemotionalen Klavierspiel zu vier Händen brachten sie verschwenderische Klangfarbenpracht in den Konzertsaal.

Ein gesamtes Orchester ersetzte das Ehepaar, das zurzeit als Duo in der Soloklasse von Professor Goetzke an der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover studiert, bei seinem virtuosen Parforceritt über die schwarz-weißen Tasten. Das begeisterte Publikum dankte mit anhaltendem Applaus. Um nach dem tieftraurigen „Liebestod“ aus Wagners „Tristan und Isolde“ wieder in heitere Gefilde zurückzukehren, gönnte das Duo seinen Zuhörern mit dem „Ungarischen Tanz“ von Brahms als Zugabe einen feurigen, rassigen Saitentanz. Alle Facetten der Liebe und großer Gefühle erfassten die beiden Interpreten in ihrem mitreißenden Spiel.

Vereint in vollkommener Harmonie, malten sie wilde Leidenschaft und Begierde, zärtliches Sehnen, Hingabe, Schmerz und Erschütterung aus. Berührende Dramen mit oft tragischem Ende spielten sich im Kopf beim Hören dieser Stücke – eigentlich Orchesterwerke und bevorzugt Opern entnommen – ab. Gleich dreimal beehrten Chie Tsuyuki und Michael Rosenboom dabei Wagner und seine dramatische Tonsprache. Eine geheimnisvolle Gralsaura umgab die „Lohengrin“-Ouvertüre. Mit dem berühmten „Walkürenritt“ zog die Apokalypse herauf. Isolde sank beim „Liebestod“ bildhaft über der Leiche ihres geliebten Tristan dahin.

Höhepunkte des Programms waren Tschaikowskys farbenreiche Fantasie-Ouvertüre „Romeo und Julia“, die dem Programm seinen Namen gab, und Camille Saint-Saens’ „Bacchanale aus „Samson und Dalila“ – wild, zügellos und verführerisch, mit orientalischer Einfärbung und von bezwingender Sogkraft. Verständlich, dass Samson da nicht widerstand und blind vor Liebe ins Verderben lief!

Stilsicher, unter Auskostung aller nur denkbaren technischen Finessen, knüpfte das Duo zwischen der Vorklassik (Christoph Willibald Gluck) und dem Impressionismus (Claude Debussy) ein festes, unverbrüchliches Liebesband.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare