Systempreis trifft vor allem Mieter

Altena - Stadtwerkechef Marc Bunse freut sich über eine Punktlandung bei der Reform des Wasserpreises: Nachdem 80 Prozent der Stadtwerkekunden die im Oktober verschickten Fragebögen ausgefüllt haben, ergab die Kalkulation fast genau jene Werte, die Bunse bei der Vorstellung des Preissystems als Schätzwerte genannt hatte.

Bisher zahlen Stadtwerke- kunden einen relativ geringen Grundpreis („Zählermiete“) und einen vergleichsweise hohen Arbeitspreis für jeden Kubikmeter Wasser. Realität ist aber, dass die Kostenrechnung des Wasserwerkes zu etwa 80 Prozent von Fixkosten beeinflusst wird. Nicht nur der Stadtwerkeaufsichtsrat, sondern auch die Kartellbehörde vertritt die Auffassung, dass darauf bei der Preisgestaltung mehr Rücksicht genommen werden sollte.

Deswegen heißt der Arbeitspreis ab dem 1. Januar Mengenpreis. Bisher kostet ein Kubikmeter Wasser 2,36 Euro. Dieser Preis sinkt ab 2016 auf 2,09 Euro. Im Gegenzug wird aus dem bisherigen Grundpreis der so genannte Systempreis. Bisher liegt der Grundpreis für jedes Wohngebäude bei etwas über 200 Euro, völlig unabhängig von dessen Größe. Ab Januar hängt es davon ab, wie viele Wohnungen ein Haus hat: Für ein Einfamilienhaus wird ein Systempreis von 242 Euro erhoben, das klassische Baugesellschaftshaus mit sechs Wohnungen kostet dann 433,32 Euro.

Wie sich diese Veränderungen auf die Gesamtrechnung auswirken, hängt stark von den Verbräuchen ab. Beispiel Einfamilienhaus: Wer dort lebt und 100 Kubikmeter Wasser pro Jahr verbraucht, zahlt dafür ab 2016 rund 451 Euro und damit zwölf Euro mehr als bisher. Beträgt der Verbrauch 200 Kubikmeter, kassieren die Stadtwerke hingegen rund 15 Euro weniger pro Jahr.

Für Mieter der Baugesellschaft gilt bei der Abrechnung der Wasserkosten in der Regel der Flächenmaßstab. In einem Sechsfamiliehaus mit einem Gesamtverbrauch von 300 Kubikmetern zahlt der Mieter bisher etwa 3,25 Euro pro Jahr und Quadratmeter fürs Wasser. Dieser Betrag steigt auf rund 3,75 Euro. Für eine 50 Quadratmeter-Wohnung ergibt das Mehrkosten von 26 Euro pro Jahr.

Auswirkungen auf Unternehmen

Auch für Handel, Handwerk und Industrie gelten ab 2016 neue Regelungen zum Wasserpreis. Von ihnen wird statt des bisherigen Grundpreises ein Systempreis erhoben, der vom Jahresverbrauch des Unternehmens abhängt. Wer weniger als 100 Kubikmeter verbraucht, zahlt netto 226,24 Euro. Betrieben mit einem Jahresverbrauch zwischen 3500 und 7999 Kubikmetern werden 1595 Euro berechnet. Sondervertragskunden gibt es beim Wasser nicht, die Firmen zahlen wie die privaten Kunden 2,09 Euro pro Kubikmeter (1,95 Euro netto).

„Verlierer“ der Neuregelungen sind Unternehmen mit eher geringem Wasserverbrauch. Ein Handwerksbertrieb, der 50 Kubikmeter pro Jahr abnimmt, wird ab 2016 mit 323 Euro netto zur Kasse gebeten. Bisher zahlt er nur 300 Euro.

Bei größeren Betrieben hängt die Rechnung davon ab, welche Dimension der Wasserzähler hat. Das hat bisher noch Einfluss auf den Grundpreis, ab 2016 ist das nicht mehr so. Wer 2000 Kubikmeter pro Jahr verbrauchte, zahlte bisher je nach eingebautem Zähler zwischen 4850 und 5144 Euro, erläutert Hendrik Siebecke vom Kundenservice der Stadtwerke. Zukünftig werden es 4861 Euro sein – und zwar ausnahmslos für alle.

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