Dr. Giesel über Patientenverfügungen

+
Zahlreiche Gäste lauschten den Worten von Dr. Matthias Giesel zum Thema Patientenverfügungen.

Altena -    Michael Ellis DeBakey hatte maßgeblichen Anteil an der Entwicklung der Herz-Lungen-Maschine. Er selbst hatte jedoch verfügt, nicht daran angeschlossen zu werden. Als er im Alter von 90 Jahren an einer Aortendissektion erkrankte, entschied sich ein Ethikrat für lebensverlängernde Maßnahmen. DeBakey wurde gesund und hatte noch neun erfüllte Lebensjahre. Er war dankbar für die Missachtung seiner Patientenverfügung.

Das Beispiel DeBakeys war eines von vielen, die Dr. Matthias Giesel am Donnerstag im Gesundheitszentrum des St. Vinzenz Krankenhauses vorstellte. Auf Einladung der Kolpingsfamilie hatte er einen gleichermaßen gut verständlichen, wie auch komplexen Vortrag zum Thema Patientenverfügung vorbereitet. Die von ihm vorgestellten Szenarien sollten gesundheitsbewusste Bürger im Kopf durchgehen. „Auch, wenn das unbequem ist und schwerfallen mag.” Angehörigen und Ärzten fiele es im Ernstfall schließlich gleichermaßen schwer, den mutmaßlichen Patientenwillen herauszufinden. „Wissen wir Ärzte gar nichts, dann handeln wir.“ So kann auch ein Patient an einer Beatmungsmaschine landen, wenn er verfügt hat, das nicht zu wollen. „Den Schritt kann man aber auch wieder rückgängig machen. Wir leisten keine Sterbehilfe, wenn wir dem Patientenwunsch entsprechen und die Maschine abstellen.”

Gut sei, wenn ein Bürger „regelmäßig seinen Willen bekunde“. „Bei einer 20 Jahre alten Verfügung tun sich alle schwer. Lebensumstände können sich geändert haben und der medizinische Fortschritt auch. Wer seine Wünsche beibehalten will, sollte die Verfügung jährlich mit Datum neu unterschreiben.”

Schwammige Formulierungen stellen Personal ebenfalls vor große Schwierigkeiten. „Es gibt Fälle, in denen kurzzeitige Beatmung, eine Blutwäsche oder Sondenernährung nur ein Behandlungsschritte zur Genesung sind. Was aber sollen wir tun, wenn all diese Schritte in der Verfügung ausgeschlossen wurden?”

Patienten, die ihren Willen im Krankenhaus selbst klar ausdrücken können, werden nach ihrer Willensbekundung gefragt. „Das ist der Idealfall.”

Haben Angehörige per Vorsorgevollmacht zu entscheiden, kann es zu Entscheidungen kommen, die der Patient womöglich selbst für sich ausgeschlossen hat. „Kommunizieren sie deshalb ihre genauen Vorstellungen.“

Vorgedruckte Patientenverfügungen, die viele Fallbeispiele schildern, können eine gute Entscheidungshilfe sein. Bürger können hier sowohl mit ja oder nein ankreuzen, wie auch eigene Anmerkungen machen. „Den Wunsch nach aktiver Sterbehilfe können Sie jedoch nicht darin äußern. Zumindest wird ihm kein Arzt nachkommen.”

In vorsorgebevollmächtigte Angehörige sollte ein großes Vertrauen bestehen, damit der erklärte Wille auch umgesetzt wird. „Es gibt Fälle, in denen sich Angehörige um lebensverlängernde Maßnahmen streiten. Das sollte vermieden werden, indem klar kommuniziert wird, wer entscheiden soll. Andernfalls müsse ein Betreuer von Amtswegen eingeschaltet werden. „Der kennt den Patienten aber gar nicht.”

Dr. Matthias Giesel fand während seines Vortrags auch viele beruhigende und tröstende Worte. „Auf unserer Palliativstation haben wir es bislang noch nicht mit schlimmen Konflikten zu tun gehabt.” Ziel sei, Lebensqualität in Form von Schmerz- und Angstfreiheit zu schaffen - auch in den letzten Tagen des Lebens. -  Von Ina Hornemann

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare