Einmal zurück in die Fahrschule

Fahrlehrer Patrick Persicke von der Fahrschule Kreisel aus Altena neben AK-Volontär Emanuel Holz (am Steuer) beim Selbstversuch der Führerscheinwiederholung.

Altena - Ferienzeit ist Autozeit: Mal eben nach Holland, über den Brenner nach Italien oder zu Verwandten nach Hamburg? Für geübte Fahrer kein Problem, oft bleibt sogar noch Zeit sich über die anderen Verkehrsteilnehmer aufzuregen – auch ich tue das. Zurecht? Fahre ich wirklich so gut, wie ich denke? Zeit für einen Selbstversuch: Ich wiederhole meine Führerscheinprüfung!

„Die Theorie könnte ich mit ein bisschen Glück bestehen, die Praxis werde ich meistern“, sage ich mir vor meiner simulierten Prüfung bei der Fahrschule Kreisel. Ob ich damit richtig liege?

Bevor ich mein Können hinterm Steuer unter Beweis stellen darf, streckt mir Fahrlehrer Patrick Persicke erst einmal den Bogen zur Theorieprüfung entgegen – 30 Fragen. „Die Bögen aus Papier

benutzen wir nur noch bei den Theoriestunden. Die Prüfung findet vor dem Computer statt.“ Soso, Fahrschüler füllen keine Bögen mehr aus, sie lernen vor dem PC oder am Smartphone. Auf dem Papierbogen gibt’s sogar einen QR-Code. Einmal gescannt, läuft ein Video einer Gefahrensituation übers Smartphone – schöne neue Welt.

Zurück zur Theorie: Die ersten Fragen sind einfach: Gefahrensituationen erkennen, vorausschauend handeln – kein Problem. Danach kommen Fragen zur Verkehrssicherheit: Promillegrenze für Fahranfänger (0,0), Verhalten bei heranrauschenden Rettungsfahrzeugen (zur Not vorsichtig auf den Bürgersteig ausweichen) und richtiges Verhalten als Ersthelfer (zuerst Unfallstelle sichern!).

Läuft doch wie geschmiert, ein Kreuzchen hier, ein Kreuzchen da, und schwupp: 23 Fehler... In Worten: Dreiundzwanzig! „Das kann nicht sein. Wie kann das denn...hä?“, schießt es mir durch den Kopf. „Das würde den meisten passieren“, versichert Persicke, der seit dreieinhalb Jahren als Fahrlehrer arbeitet. Wenigstens die Fragen zur Vorfahrt habe ich alle richtig beantwortet – ein kleiner Trost.

Zu Beginn bloß nichts überstürzen

Die praktische Prüfung kann nur besser werden. Also Motor an und los? „Nix da, erstmal Spiegel, Lenkrad und Sitz einstellen“, mahnt mein Fahrlehrer, der heute die Rolle des Prüfers übernimmt. Sein Tipp: „In beiden Seitenspiegeln müssen Teile der Türen zu erkennen sein. Es bringt nichts, im Seitenspiegel die Landschaft zu bewundern“, sagt der 27-Jährige.

Knapp vorbei am Negativrekord

Dann geht’s los, Startpunkt Lenneuferstraße Richtung Markaner: Blick erst in den Innen-, dann in den Außenspiegel, Blinker links, Schulterblick. Langsam setze ich das Auto in Bewegung. Am Kreisel fahre ich die dritte Ausfahrt raus, Richtung Parkplatz Langer Kamp. Da kommt auch schon die erste Ermahnung: „Du fährst jetzt 38 in der 30er-Zone. Bei Tempo 40 wäre die Prüfung jetzt schon vorbei“ – ein flüchtiger Blick auf die Uhr: Ich fahre seit einer Minute. Das wäre wohl neuer Negativrekord geworden. Auf dem Parkplatz Langer Kamp soll ich rückwärts in die Parktasche: Das gelingt, auch dank der Rückfahrkamera, sehr gut. „Mit einer Hand einparken, das sehen die Prüfer nicht so gerne“ – Mein „Jaja“ bleibt unausgesprochen.

Von der Vollbremsung fast ausgebremst

Hoch zum Mühlendorf: Hier warten enge Straßen und unübersichtliche Kreuzungen. Rechts vor links, Blick in die Spiegel, Schulterblick, das ganze Programm. Und es klappt tadellos, obwohl ich die Strecken noch nie zuvor gefahren bin. Doch zu früh gefreut: Bei der ersten Gefahrenbremsung reißt meine Erfolgssträhne, denn ich trete zu sachte auf die Bremse: „Stell dir vor, da würden Verwandte vor dir auf der Straße stehen“, rät Persicke.

Gut, der ein oder andere würde vermutlich das Gaspedal durchtreten... Aber ich drücke das Bremspedal im zweiten Versuch voll durch und merke, wie das ABS greift. „Gut gemacht. Wenn die Bremsung im Zweitversuch nicht geklappt hätte, wärst du durchgefallen“. Schön, dass ich das jetzt auch weiß.

So langsam läuft’s bei mir

Die weiteren Hürden, rückwärts einparken, eine Baustelle in Nachrodt, der Bahnübergang in Helbecke und die Landstraßenfahrt auf der Hagener Straße nehme ich ohne Probleme. Nach 45 Minuten sagt Profi Persicke dann endlich: „Glückwunsch, bestanden!“

Zumindest das hat geklappt. Im Geiste krame ich nach meinen alten Fahrschulbögen. Die waren damals übrigens noch aus Papier...

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