35-Jähriger wegen Betrugs in mehreren Fällen und Urkundenfälschung angeklagt

Die vielfältige Welt der Zeitarbeit beschäftigt das Amtsgericht Altena

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Im September 2013 soll der Angeklagte mit der Altenaer Wohnungsgesellschaft (WoGe) den Mietvertrag über eine Wohnung an der Kolberger Straße abgeschlossen haben, obwohl er dazu nicht berechtigt gewesen sei.

Altena - Einen Einblick in die vielfältige Welt der Zeitarbeit gewährt ein Strafprozess, der jetzt vor dem Amtsgericht Altena begann: Die Staatsanwaltschaft wirft einem 35-jährigen Mann aus Recklinghausen Betrug in mehreren Fällen und Urkundenfälschung vor.

Im September 2013 soll er mit der Altenaer Wohnungsgesellschaft (WoGe) den Mietvertrag über eine Wohnung an der Kolberger Straße abgeschlossen haben, obwohl er dazu nicht berechtigt gewesen sei. Der WoGe entstand dadurch für den Oktober 2013 ein Schaden von 204,14 Euro. Es könne keine Rede davon sein, dass er die Wohnung in dieser Zeit für sich selber genutzt habe, erklärte der Angeklagte.

Er sei damals als Vermittler von Arbeitskräften für eine Arnsberger Zeitarbeitsfirma tätig gewesen und habe die Wohnung für vier polnische Zeitarbeiter anmieten wollen, die zuvor relativ teuer im Gasthof Spelsberg untergebracht gewesen waren. Wegen des günstigen Preis-Leistungs-Verhältnisses auf dem Altenaer Wohnungsmarkt hätten sich die Transportwege von Großendrescheid nach Arnsberg oder zur Veltins-Brauerei in Meschede, wo die Kräfte eingesetzt wurden, gerechnet. 

Zur Schlüsselübergabe erschien die Polizei

Zur Klärung der Frage, ob der Angeklagte zu einer solchen Anmietung berechtigt war, sagte seine damalige Vorgesetzte aus. Sie hatte die Eigenmächtigkeit ihres Mitarbeiters zum Anlass genommen, diesem fristlos zu kündigen. „Es war nicht seine Aufgabe, Wohnungen für solche Mitarbeiter anzumieten“, begründete sie vor Gericht ihr Vorgehen und die anschließende Strafanzeige. So erschien zur Schlüsselübergabe auch die Polizei – die Wohnung wurde nie bezogen. 

Die Beschäftigung polnischer Zeitarbeitskräfte konnte die Zeugin nicht ausschließen. Ein solche Anwerbungspraxis sei aber nicht die Regel: „Wir beschäftigen Mitarbeiter aus der Region – keine, die irgendwo hergeholt werden.“ Ein Dauerbrenner auf dem Konto des Angeklagten hatte zu weiteren Anklagen geführt: Sieben Mal war ihm Geld für ein Lackiergerät überwiesen worden, ohne dass er dieses geliefert hatte. Vorgelegte Buchungsbelege machten deutlich, dass er dieses Geld, jeweils gut 100 Euro, fünf Mal zurücküberwiesen hatte – zwei Rücküberweisungen waren laut Anklage ausgeblieben.

Weitere Zeugen sollen geladen werden

Den damit verbundenen Vorwurf wies der Angeklagte zurück: Er habe die Lackierpistolen weder über Ebay-Kleinanzeigen angeboten, noch irgendjemanden betrügen wollen. Und wer schaut schon ständig auf seine Kontoauszüge und überweist sämtliche rätselhaften Überweisungen sofort zurück? Die derzeitigen Einkünfte des Angeklagten als Vermittler von Zeitarbeitskraft-Kohorten ließen eine Betrugsabsicht nicht als naheliegend erscheinen. „60, 70, 80 Leute, die sofort gebraucht werden“ – die Lösung solcher Aufgaben sei Teil seiner Tätigkeit, erklärte der 35-Jährige zu Beginn des Verfahrens.

 Ein angeblich gefälschtes Arbeitszeugnis komplettierte den merkwürdigen Reigen angeblicher Straftaten. Weil sich diese noch nicht zufriedenstellend aufklären ließen, will Richter Dirk Reckschmidt zur Fortsetzung des Verfahrens weitere Zeugen laden.

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