So viel Stollen wie immer: Konditor Merz macht auch 2017 weiter

+
In der Weihnachtsbäckerei: Rainer Merz und sein Team haben vor Weihnachten wieder alle Hände voll zu tun.

Altena - Kürzer treten – das hatte sich Rainer Merz vorgenommen, als er im Juli in seine Backstube zurückkehrte. „Mit Sicherheit“ werde er zum Beispiel nicht solche Mengen Stollen backen wie früher, sagte er im Sommer.

Jetzt steht Weihnachten vor der Tür und in der Backstube geht es rund wie eh und je. Von „weniger“ ist keine Rede mehr, Merz und ein kleines Team von Aushilfen haben alle Hände voll zu tun, um die Bestellungen auswärtiger Kunden abzuarbeiten und auch für den Laden genügend Stollen-Nachschub zu produzieren. Apropos Laden: Der und das Café haben tatsächlich nur nachmittags geöffnet. An diesen Vorsatz haben sich die Inhaber gehalten. Aber nicht mehr so viele verschiedene Torten in der Theke? 

Das ging dann wohl doch gegen die Konditorenehre – Käsekuchen, Schwarzwälder, gedeckter Apfel – es ist täglich außer montags alles da, natürlich auch die selbst gemachten Trüffel und das feine Gebäck. „Das Geschäft läuft gut“, sagt Merz. Das freut ihn natürlich. Aber noch wichtiger ist für ihn „die Welle von Sympathie und Wertschätzung“, die er und seine Frau erfahren, seit sie vor fünf Monaten in ihren Laden zurückkehrten. Damals hatte bekanntlich die Pächterin gekündigt, Doris und Rainer Merz wollten keinen Leerstand und kümmerten sich wieder selber um das Traditionsgeschäft. Mit Kritik an der Vorgängerin, die gleichzeitig auch seine Nachfolgerin war, hält Merz sich zurück. 

"Jetzt geht's in die Verlängerung"

Er habe da einige Veränderungen wieder rückgängig gemacht, sagt er immerhin – Zitronensaft kommt jetzt wieder aus der Zitrone und nicht aus dem Tetrapack. „Der Verstand sagt natürlich, dass irgendwann Schluss ist“, weiß der Konditor. Sein Plan war eigentlich, bis zum Jahreswechsel weiterzumachen – „jetzt geht’s in die Verlängerung“, scherzt er. Grund: Alle Bemühungen waren vergebens, er fand weder einen Nachfolger noch einen Käufer für sein Wohn- und Geschäftshaus an der Bahnhofstraße. Jetzt feilen er und seine Ehefrau Doris an einer neuen Idee, wie es vielleicht mit reduziertem Einsatz weitergehen kann.

 „Ungewöhnlich, aber kein Einzelfall“ – so beurteilt die Handwerkskammer die Situation des Altenaer Konditormeisters. Gerade in der Lebensmittelbranche seien Nachfolgeregelungen häufig schwierig. Trotzdem oder vielleicht auch gerade deswegen interessieren sich auch überregionale Medien für die Geschichte von Doris und Reiner Merz. Neulich erst war der WDR zu Gast, drehte vier Stunden lang in der Backstube – der Beitrag soll am kommenden Dienstag in der Aktuellen Stunde gezeigt werden.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare