Altenaer sitzen auf der Nordsee-Insel Juist fest

Ein rutschiges Vergnügen? Eher nicht. Die Insel Juist ist komplett vereist. Altenaer Familien kommen nicht vom Fleck.

Altena - Sie wollten nur ein paar Tage Urlaub machen, Silvester feiern. Doch aus fröhlichen Stunden sind furchtbare Momente geworden: 26 Urlauber aus Altena sitzen auf der Nordsee-Insel Juist fest. Der Grund: Eisregen. Viele sind krank. Und die Nerven liegen blank. „Mein Mann liegt mit Fieber im Bett“, erzählt Andrea Strelow. Sie hustet ins Telefon. Die Situation ist mehr als angespannt – geradezu „schrecklich“ finden die Familien.

Das Jugenderholungsheim liegt inmitten einer sanften Dünenlandschaft im Naturschutzgebiet der Insel Juist. Ganz in der Nähe befindet sich der Inselflughafen. Vom Heim aus sind es zu Fuß nur wenige Minuten bis zum Sandstrand an der Nordseite der Insel. Aber das Haus ist auch einsam gelegen. Von dort, wo die 26 Männer, Frauen und Kinder untergebracht sind, sind es vier Kilometer bis zum Fährhafen. Vier Kilometer, die seit Tagen komplett vereist sind. „Drei Männer haben sich Nägel unter die Schuhe geschraubt, um das Nötigste zu holen. Gestern brauchte das jüngste Kind auch unbedingt Pampers“, sagt Andrea Strelow.

Gestreut wird nicht. Die Gruppe schafft es nicht, zum Hafen zu kommen. Der Kutschverkehr ist eingestellt. Und ein Streufahrzeug gibt es nicht auf der Insel.

„Dort wird alles mit Pferdekutschen gemacht. Selbst die Müllabfuhr. Nur der Arzt hat ein Fahrzeug, die Post und die Feuerwehr“, sagt Marlies Becker, Geschäftsführerin des Förderkreises Juist. Sie hat persönlich mit dem Bürgermeister der Insel telefoniert, von dem sich die Urlauber im Stich gelassen fühlen. „Was er machen konnte, hat er schon getan, aber natürlich ist die Situation für die Urlauber schwierig.“ Das sehen die Gestrandeten anders: „Das Haus gehört dem Altenaer Förderkreis. Das hat hier keine Priorität. Man kümmert sich nicht um uns.“ Fakt ist: Die Gruppe ist mehr oder weniger auf sich allein gestellt. Besonders schlimm ist, dass einem Herzpatienten die Medikamente ausgegangen sind. „Eigentlich wollten wir am 3. Januar nach Hause fahren. Und am Anfang haben wir auch noch gelacht, als das nicht klappte, aber jetzt ist es nicht mehr komisch“, sagt Andrea Strelow. Alle hoffen auf besseres Wetter.

Der Fährbetrieb läuft wieder. Auch die 650 Passagiere der „Frisia II“, die zwölf Stunden unfreiwillig im Watt festgesessen hatten, haben wieder festen Boden unter den Füßen. Starker Ostwind und Niedrigwasser hatten die Fähre auf Grund laufen lassen. Der Ostwind war und ist es auch, der auf der Insel selbst tobte – und den Eisregen mitbrachte. Für Donnerstag sind minus ein Grad und Schneefall vorhergesagt. Freitag soll es besser werden.

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