Unaufgeklärte Verbrechen in Altena

Zwei Brände, ein Tötungsdelikt: Die Kripo tappt im Dunkeln

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Dreimal durchkämmten Polizisten intensiv das Gelände unterhalb der Burg Altena im Fall Recep.

Altena - Ein toter junger Mann, ein Brand in der Kirche, ein weiterer in einem Wohnhaus, in dem Flüchtlinge untergebracht waren: Gleich drei unaufgeklärte Verbrechen gibt es aktuell in Altena. Die Polizei tappt im Dunkeln.

Wann werden die Brandstifter von Altena geschnappt? Wann gibt es die Gewissheit, wer den 20-jährigen Recep B. getötet hat? Dreimal durchkämmten Einsatzkräfte der Polizei intensiv das Gelände unterhalb der Burg Altena. Dreimal fanden sie nichts. Und es gibt ein weiteres unaufgeklärtes Verbrechen in der Burgstadt.

Am 2. Juli 1997 starb ein junges Mädchen einen grausamen Tod. Gewürgt und missbraucht von einem nahen Verwandten, wurde sie nackt mit Benzin übergossen und bei lebendigem Leib im Wald angezündet. Die Tat geschah zwischen Hemecker Weg und Bergfeld. Ein Motorradfahrer fand die bis zur Unkenntlichkeit verbrannte Leiche. Bis heute ist die Identität der jungen Frau nicht geklärt, obwohl schottische Experten ihr Gesicht für eine Öffentlichkeitsfahnung rekonstruierten.

Akten werden nicht geschlossen

Ungeklärt. Akten geschlossen? „Sie werden niemals geschlossen“, sagt Polizeipressesprecher Dietmar Boronowski. Chancen auf Aufklärung gebe es immer. Auch nach vielen Jahren – durch Lebensbeichten beispielsweise, manchmal auch durch Zufälle. Wenn man den Statistiken Glauben schenkt, haben die Täter, die den Brand in der Lutherkirche gelegt haben, und auch die, die vorsätzlich ein Feuer im Wohnhaus an der Brandstraße entzündeten, eine große Chance, ungestraft davon zu kommen.

Aufklärungsquote bei 25 Prozent

Denn die Aufklärungsquote bei gelegten Bränden liegt weit fern von 100 Prozent – genauer: sie liegt bei gerade einmal 25 Prozent. Und: Nur etwa ein Fünftel aller Straftaten gegen Flüchtlingsunterkünfte wird aufgeklärt. „Aufgrund der Brisanz an der Brandstraße hat dies der Staatsschutz übernommen“, sagt Dietmar Boronowski, der ebenfalls vermutet, dass der Täter aus dem Umfeld kommt. „Aus Frankfurt kommt niemand her, um eine Wohnung mit Flüchtlingen anzustecken.“ Die heiße Spur fehlt allerdings.

Spurensuche nach Leichenfund an der Burg Altena

Lutherkirche: Keinen Tatverdächtigen

Und: „Aktuell gibt es auch keinen Tatverdächtigen für den Brand an der Lutherkirche“, sagt Dietmar Boronowski. Die Zeugenaussagen würden nach fünf Jahren gelöscht, die Fingerabdrücke aber immer wieder abgeglichen. „Die Tat bleibt bestehen, und wenn ein Hinweis kommt, wird dem nachgegangen.“

Kein Grund zur Sorge

Trotz der aktuellen Angst wegen der tragischen Ereignisse in diesem Jahr müsse man sich in Altena wahrlich nicht sorgen. „Altena ist nicht die Stadt, in der es hoch hergeht. Im vergangenen Jahr gab es 1170 Straftaten. Das ist nicht viel“, findet Dietmar Boronowski. Unter den Vorfällen finden sich zwölf Sexualdelikte (91 Prozent aufgeklärt) und 30 schwere Körperverletzungen (100 Prozent aufgeklärt). Im „Fall Recep B.“ werden aktuell sämtliche Kontakte ausgewertet. „Das dauert. Es ist nicht wie im Film, in dem man ‘zack’ den Täter hat“, so Boronowski. Die Tatwaffe wurde nicht gefunden, ein Suizid ist auszuschließen.

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