Gertrud Caspari-Bild ist ein wertvoller Schatz

Blick in den so genannten Kindersaal des Johanniter-Krankenhauses. Es wurde 1909 gebaut und ging 1939 in städtischen Besitz über. Das Gertrud-Caspari-Bild „Der Geburtstagskuchen“ hängt rechts hinten an der Wand. Foto: Archiv Ulrich Biroth

Altena - Den scheidenden Altenaer Kinderarzt Markus Bock hat das Bild „Der Geburtstagskuchen“, gemalt von Gertrud Caspari, sein ganzes Berufsleben am Ort begleitet. Seit 2001 praktizierte der Mediziner am Ort, zieht sich aus Altersgründen zum 31. März aus der Burgstadt zurück (Das AK berichtete).

Kinderarzt Markus Bock hat dieses Bild seit 2001 in seiner Praxis in Ehren gehalten. Zuvor hatten es weitere Altenaer Kinderärzte ebenfalls in ihren Praxisen aufgehängt.

Dann wird auch das Bild, das erstmals 1946 in einer Kinderarztpraxis am Ort hing, verschwinden. Dabei hat es in Altena nicht nur seit 70 Jahren, sondern bereits seit 1909 einen festen Platz gehabt. Kreisarchivar Ulrich Biroth besitzt eine Postkarte des Bildes in seiner Privatsammlung. Die gewährt einen Blick in den so genannten Kindersaal des Johanniter-Krankenhauses, das 1909 gebaut wurde und 1939 in städtischen Besitz überging. Das farbenfrohe Werk wird wohl hunderte von kleinen Schreihälsen auf ihren ersten Lebensschritten stumm begleitet haben. Biroth fand zwar keine Datierung auf dem Foto vor, geht aber davon aus, dass die Aufnahme „um 1930 entstand“. In einem Album über das Krankenhaus, das sich im Stadtarchiv befindet, ist es ebenfalls als Foto vorhanden.

Gertrud Caspari, die 1873 in Chemnitz geboren wurde und 1948 in Klotzsche starb, war eine der bedeutendsten deutschen Kinderbuch-Illustratorinnen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Weil sie in der Zeit des dritten Reiches auch Illustrationen für pädagogische Werke anfertigte, sah sie sich nach dem Krieg mit dem Vorwurf der Kollaboration mit dem NS-Regime ausgesetzt.

Gleichwohl gilt: Caspari gilt als Schöpferin eines modernen Kleinkindstils, der in die Kunstwelt als „Caspari-Stil“ eingegangen ist. Auch das jetzt noch vorhandene Bild ist geprägt von ihrer so typischen Malweise einer großen Fläche mit einfarbigem Hintergrund, einfacher Perspektive, scharfen Konturen aber schlichten Figuren und einer leuchtend-warmen Farbgebung. Caspari-Bücher und -Bilder erzielen heute im Antiquariat Höchspreise. Der Nachlass und die Rechte ihrer Werke werden durch die Gertrud-Caspari-Familienstiftung verwaltet.

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