Feuerwehrübung: Grundwasser in Gefahr

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1000 Liter Gefahrstoff mussten mittels Pumpe vom beschädigten Container aus in Fässer umgepumpt werden.

Altena - 1000 Liter Gefahrstoff und ein undichter Container. Die Flüssigkeit ergießt sich auf die Bahnhofstraße, fließt in die Kanalisation, Anwohner beobachten den Unfall aus offenen Fenstern und lassen so giftige Dämpfe in ihre Wohnzimmer.

Ein schlimmes Szenario, aber eins, das die Altenaer Feuerwehr gut im Griff hat, wie sie bei der ABC-Großübung auf dem Aldi-Parkplatz unter Beweis stellte. Zwei Fahrer haben mit dem Tank einen Unfall gebaut. Um sie – einer ist schon bewusstlos – sorgen sich die Einsatzkräfte zuerst und bringen sie ins Krankenhaus. Handelte es sich im Tank um echtes Gefahrgut, dann würden Lautsprecher die Anwohner erreichen mit der Bitte, Fenster und Türen geschlossen zu halten.

Fenster und Türen schließen

Nach dem Einsatz am Gefahrstoff müssen die Feuerwehrleute in der Dekontaminierungsstation unter die Dusche.

 ,,Auch den Zugverkehr hätte ich gestoppt in so einem Fall”, erklärt ABC-Zugleiter Franco Cali, der mit seinem Stellvertreter Sebastian Buchen den Einsatz beobachtet. Die Entscheidungsgewalt haben beide diesmal ihrem Kollegen Michael Koch überlassen. Der lotst souverän die Einsatzkräfte an den Gefahrstofftank. In Atemschutzmontur und dicken Schutzanzügen gehen sie zu dritt an das beschädigte Gefäß und pumpen die Flüssigkeit in Aluminiumfässer um. Den Kanal haben sie flott abgedichtet., damit nicht noch mehr schädliche Flüssigkeit ins Grundwasser gerät. Im Ernstfall wären jetzt auch Ordnungsamt und untere Wasserbehörde längst alarmiert. ,Außerdem hätten wir uns Verstärkung holen müssen”, erklärt Franco Cali. Die Altenaer Feuerwehr verfügt über sechs Schutzanzüge, die bedingt durch die Atemschutzvorschriften jeweils 20 Minuten eingesetzt werden können. Dass keiner mangels Sauerstoff erstickt, überwacht Uwe Kober. Ist die Zeit um, geht’s in die Dekontaminierungsstation.

Dekontaminierungsstation

ABC-Zugleiter Franco Cali gab nützliche Hinweise.

 Nicht nur abgeduscht, sondern auch abgeschrubbt werden Anzüge und Schuhe der Einsatzkräfte. Erst dann werden sie aus den unbequemen und unförmigen Kleidungsstücken rausgepellt. Hinter der mobilen Duschkabine und der Schrubbwanne steht ein sauberes Paar Schuhe bereit, auch Wechselkleidung steht zur Verfügung. 30 Kilo zusätzlichen Ballast sind die Helfer nach ihrem Einsatz los, danach sind sie auch bei kühlen Temperaturen für einen Schluck Mineralwasser dankbar. Viel Flüssigkeit ist abzutransportieren, denn nicht nur der Gefahrstoff selbst, sondern auch das Wasser aus der Dekontaminierungsstation muss abgeschöpft und Firma Lobbe übergeben werden – zur fachgerechten Entsorgung. Auch die Schutzanzüge müssen zur Reinigung Spezialkräften überlassen werden. Bei solchen Einsätzen ist viel zu beachten: Fehlt der elektrischen Pumpe zum Beispiel die Erdung, die rasch an der Leitplanke installiert wurde, könnte Funkenflug die Chemikalien entzünden. Wird die Pumpe zudem nicht entnommen nach dem Umfüllen, fließt das das Gefahrgut wieder ins beschädigte Behältnis zurück. Weil eben so viel zu beachten ist, rückt der ABC-Zug drei Mal im Jahr zu solchen Großübungen aus, und zwar in jedem Löschzug der Stadt. Die jeweiligen Führungskräfte denken sich eigene Szenarien aus. ,Das Training lohnt sich”, erklärt Franco Cali.

Komlexes Szenario

Auch ein komplexes Szenario wie das von Sonntag beherrschen die Einsatzkräfte gut. 50 Frauen und Männer waren im Einsatz, alle haben die Situation hervorragend im Griff gehabt, stellt sich bei der Nachbesprechung heraus. Anschließend wird abgebaut, zur Belohnung gibt’s abschließend ein Grillwürstchen. Inklusive Auf- und Abbau war das Team fast einen ganzen Arbeitstag unterwegs. Alles im Dienst zum Wohle der Stadt.

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