Traurige Gewissheit / Mitteilung der Lenne-Kliniken GmbH

Insolvenzantrag für Krankenhaus und Seniorenzentrum in Altena gestellt

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[Update, 17:45 Uhr] Altena - Die Geschäftsführung der Lenne-Kliniken GmbH hat gestern einen Insolvenzantrag für das St. Vinzenz Krankenhaus und das St. Vinzenz-Seniorenzentrum gestellt. Der Betrieb laufe aber zunächst einmal wie gewohnt weiter, betonte Geschäftsführer Michael Leisner am Abend auf Anfrage.

„Die Finanzlage hat uns zu diesem Schritt gezwungen“, heißt es in einer Presseerklärung des Unternehmens. Obwohl nachweislich noch offene Forderungen im sechsstelligen Bereich in den Büchern stünden, bestehe „keinerlei Spielraum mehr hinsichtlich der Zahlungsfähigkeit“. Der Gang zum Insolvenzgericht sei deshalb vor allem zum Schutze der Mitarbeiter erforderlich gewesen. Sie mussten bereits seit Monaten hinnehmen, dass Ihre Gehälter mit erheblicher Verzögerung und nur noch in Teilbeträgen ausgezahlt werden konnten.

Im Insolvenzverfahren sind Löhne und Gehälter abgesichert. Alle Planungen und Konzepte seien jetzt auf Eis gelegt, schreibt die Geschäftsführung weiter. Zu weiterführenden Angaben waren weder Leisner noch seine Mitgeschäftsführerin Andrea Arnold bereit. Sie verwiesen darauf, dass alle weiteren Entscheidungen mit einem Sachwalter abgesprochen werden müssten, den das Amtsgericht Hagen in den nächsten Tagen bestimmen werde und der sich dann einen Überblick darüber verschaffen werde, ob und wie der Betrieb fortgeführt werden könne.

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„Ob dies gelingen wird, können wir derzeit nicht beantworten“, schreibt die Geschäftsführung mit Hinweis auf ihre im Insolvenzverfahren deutlich eingeschränkte Handlungsfähigkeit. Um die wirtschaftliche Lage des Altenaer Krankenhauses ist es seit Jahren schlecht bestellt. Das führte 2010 zu ersten Schließungsplänen. 2011 verkaufte die katholische Kirche das Haus an die Deutsche Klinik-Union, die anschließend versuchte, es auch durch eine Ausweitung des medizinischen Spektrums aufzuwerten. 

So wurde eine Abteilung für Palliativmedizin eingerichtet, für die eine Reihe zusätzlicher Ärzte eingestellt werden musste, die sich aber nie trug. Im Juli 2015 meldete St. Vinzenz erstmals Insolvenz an. Im Dezember wurde der Verkauf an die neu gegründete Lenne-Kliniken GmbH beschlossen. Sie gehört einer Schweizer Holding. Die neuen Eigentümer setzten zunächst Michael Kaufmann als Geschäftsführer ein, der das Haus bereits bis 2009 geleitet hatte und wie damals eine enge Kooperation mit dem Plettenberger Krankenhaus anstrebte. Außerdem holte er seinen ehemaligen Weggefährten Dr. Rüdiger Balbach als ärztlichen Direktor mit ins Boot, mit dem es aber schnell zum Bruch kam. In der vergangenen Woche schied Kaufmann aus der Geschäftsführung aus. 

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In den nächsten Tagen wird das Amtsgericht Hagen einen Sachverwalter bestimmen, der sich dann einen eigenen Überblick über eine möglich positive Fortführungsprognose verschaffen wird. Ob dies gelingen wird, können wir derzeit nicht beantworten. Nicht weil wir es nicht wollen, sondern weil uns dies Hände derzeit gebunden sind", heißt es abschließend in der Mitteilung.

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