Altenaer Familie hält besonderes Haustier / Tierärztin lehnt Wohnungshaltung ab

Mini-Schwein Kai-Uwe geht an der Leine „Gassi“

Dana, Dennis, Baby Diana und Mini-Schwein Kai-Uwe. Das Trio fällt mit dem kleilnen Mini-Schwein in der Stadt auf. Es wohnt seit vier Monaten bei der Altenaer Familie. Neben der Wohnung tollt es auch im Garten herum. Foto: Bonnekoh

Altena -   Dana, Dennis und Baby Diana fallen im Stadtbild auf. Das liegt nicht so sehr an ihnen selbst, mehr aber an der grünen Hundeleine und dem zappeligen kleinen Etwas, was daran zieht und ruckt: Das Trio führt ein Mini-Schwein Gassi.

„Egal, wo wir auftauchen. Oft dauert es nur wenige Augenblicke, dann werden schon die ersten Handys gezückt und Fotos geschossen“, sagt Dana. Die junge Frau nimmt das ganz gelassen. „Sollen Sie doch, die Leute. Uns macht das wirklich nichts aus und unserem Kai-Uwe auch nicht.“

Kai-Uwe: Das ist der Name eines kleinen Mini-Schweins, das vor knapp vier Monaten seinen Weg zur Familie gefunden hat. Heute ist es sechs Monate alt und nach Auskunft von Dana „voll und ganz sozialisiert.“ Kai-Uwe mache aufs Katzenklo und wohne in der Wohnung. „Natürlich haben wir auch einen Garten. Ihn nur in den eigenen vier Wänden zu halten, das wollten wir nicht.“ Nach Angaben von Dana kam das Mini-Schwein als Geschenk zur Familie nach Altena. „Wir wussten nicht so recht, was wir Papa zum Geburtstag schenken sollten. Dann haben wir etwas gelesen und gesagt: Ein Hund oder eine Katze, nein, kommt nicht in Frage. Schon wegen möglicher Allergien. Aber ein Mini-Schwein...“

Papa habe es begeistert aufgenommen, so wie die ganze Familie. Und Kai-Uwe fühle sich wohl, kuschele, spiele, höre auf Kommandos und sei ein ganz und gar friedlicher Geselle.

Das merkt man auch, wenn dem putzmunteren Vieh plötzlich Hunde in der Stadt begegnen oder gegenüberstehen. Kai-Uwe zeigt keine Berührungsängste, eher ziehen Hunde den Schwanz ein, als das das kleine Schwein im Wortsinne klein beigibt.

„Wir haben das Tier impfen lassen, stellen es regelmäßig einem Tierarzt vor“, sagt Dana. Und auch im Ordnungsamt habe man Bescheid gegeben, „dort haben wir eine Marke gekriegt. Steuern müssen wir aber für Kai-Uwe nicht zahlen.“ Die Marke trägt das Tier im Ohr.

Gefüttert wird der Familienzuwachs zurzeit noch mit Babynahrung und „ganz viel Obst. Das Tier ist ganz verrückt danach.“ Dass Kai-Uwe einmal auf dem Grill landet, das ist für die Drei „unvorstellbar. Auch wenn Papa von Beruf Metzger ist“. In einschlägiger Literatur haben sie sich kundig gemacht, wie so ein Mini-Schwein zu halten ist, wohl wissend, dass es bis zu 20 Jahre alt und zwischen 12 bis sogar 70 Kilogramm schwer werden kann.

Offiziell fällt es unter die Nutztierhaltungs-Verordnung. Und das ist kein Spaß. Das wissen aber Dana, Dennis und ihre Familie nach eigener Aussage.

Dr. Andrea Schick, Tierärztin aus Altena mit eigener Kleintierpraxis, hält im Grunde nichts vom Halten von Mini-Schweinen in privaten Händen. Auch sie verweist auf die Vorgaben der Nutztierhaltungsverordnung hin. Schweine seien nichts für die Wohnung und sie begrüße, dass die Welle, man könnte auch sagen der Modetrend, den es in dieser Sache einmal gab, abgeklungen sei. Wer einen Hof habe, wo so ein Schwein viel Auslauf im Grünen oder Garten habe, sich auch mal suhlen könne, dann ginge das vielleicht. Aber nur in Zimmern, das sei absolut nicht artgerecht und werde dem Tier nicht gerecht.

Natürlich seien Mini-schweine sehr, sehr anhänglich und zutraulich und akzeptierten schnell ihre Menschenfamilie. Aber ob man ihnen damit einen Gefallen tue, bezweifele sie stark. „Ich bin dafür einfach nicht zu haben“, meinte die Ärztin ernst.

Im Internet gibt es viele Quellen, die sich mit Mini-Schweinen und ihrer Haltung befassen. Auf „Minischwein.de“ sind Für und Wider dieser Art von Haustierhaltung sehr detailliert wiedergegeben, werden auch die Kritikansätze von Dr. Andrea Schick maßgeblich unterstützt. Kai-Uwe wird von alledem nicht viel mitbekommen. Ganz egal, ob er viel Futter erhält oder nicht: Er wird wachsen, zunehmen und zunehmen und seiner Familie erhalten bleiben. Bis zu 20 Jahre und am Ende möglicherweise mit bis zu 70 Kilogramm durch die Wohnung laufen. Dann hoffentlich noch immer als fröhliche Sau...

von Johannes Bonnekoh

Stichwort Mini-Schwein

Schweine begleiten uns Menschen seit Jahrtausenden. Als Mini-Schweine in der westlichen Welt jedoch erst seit ein bis zwei Jahrzehnten. Nach der Versuchstierzucht (Göttinger Minischwein, Münchner Miniaturschwein) haben sich vor etwa 15 Jahren erstmals Züchter bemüht Mini-Schweine privat zu vermehren. Schweine haben Borsten. Milben, deren Kot Asthma und Hautausschläge auslösen, ernähren sich nicht von Borsten. Bei Schweinen haben daher allergieauslösende Milben keine Chance. Deshalb halten immer mehr Menschen, die gegen Tierhaare allergisch sind, ein Minischwein. Als Faustregel gilt, dass sie 12 bis 70 Kilogramm schwer werden und eine Lebenserwartung von fünf bis 20 Jahren haben. Quelle: u.a. www.minischweine.de

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