Notfallseelsorge bei der Feuerwehr Altena

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Thomas Stuwe betreut seine Kollegen nach traumatischen Einsätzen.

Altena - Thomas Stuwe hat einen spannenden Beruf: Als Feuerwehrmann in Altena ist Abwechslung vorprogrammiert. Zu den Aufgaben des Hauptbrandmeisters gehört nicht nur das Löschen und Bergen: Stuwe steht seinen Kollegen nach belastenden Einsätzen als Seelsorger und Ansprechpartner zur Verfügung.

Psychosoziale Unterstützung, kurz PSU, heißt dieses Angebot offiziell. „Ich habe immer ein Auge darauf, wenn Kollegen von tragischen Einsätzen zurück zur Wache kommen“, sagt Stuwe. Nach solchen „Härtefällen“, beispielsweise der erfolglosen Reanimation eines Säuglings, gebe es fast immer Redebedarf unter den Kollegen, die vor Ort waren.

Offene Gesprächskultur 

„Wichtig ist, dass die Teammitglieder untereinander ein gutes Verhältnis haben“, sagt Stuwe, der eine offene Gesprächskultur als Grundlage für die Verarbeitung sieht. Ist das der Fall, ist sein Einsatz meistens nicht notwendig. Dennoch: „Ein- bis zweimal im Jahr kommen Kollegen“ zu ihm und bitten um ein Vier-Augen-Gespräch.

Quälende Erinnerungen

Meistens, weil die Erinnerung an einen Einsatz für den Einzelnen zur Qual geworden ist: „Meine Aufgabe ist es dann, dem Kollegen in strukturierten Gesprächen Hilfe aufzuzeigen. Eine langfristige Behandlung kann ich nicht bieten“, sagt Stuwe. Er vermittle dem Gesprächspartner mögliche Anlaufstellen. „Außerdem versuche ich meinem Gegenüber klarzumachen, dass er oder sie die entstandenen Bilder nicht mehr loswerden wird.“

"Schublade des Lebens"

Klingt schroff, doch erst wenn diese Erkenntnis eingesetzt habe, „können die Betroffenen die Bilder in einer Schublade im Kopf, ich nenne sie die ‘Schublade des Lebens’, einordnen.“ Stuwe kennt diese belastenden Situationen aus eigener Erfahrung. Suizide, Unfälle oder das Unglück beim Schützenumzug in Menden 2009, als 16 PSU-Helfer vor Ort waren.

Ventil für die Ereignisse

"Wichtig ist ein Ventil, um Druck abzubauen", sagt Thomas Stuwe.

Er hat gelernt, damit umzugehen – und rät seinen Kollegen: „Wichtig ist ein Ventil, um Druck abzubauen. Ich gehe zum Beispiel zum Sport, höre laut Musik oder suche das Gespräch mit Freunden.“ Vorbei also die Zeiten – Stuwe hat sie noch erlebt – als Feuerwehrmänner mit traumatischen Eindrücken vom Einsatz zurückkehrten und sagten: „Wer das nicht ab kann, hat den falschen Beruf gewählt.“ Einige hätten mit Alkoholproblemen zu kämpfen gehabt, auch „weil es solch ein Angebot damals nicht gab.“

PSU-Team Sauerland umfasst 50 Mitglieder

Stuwe absolvierte zwei Fortbildungen, jeweils über einen Zeitraum von zwei Wochen, um als PSU-Kraft arbeiten zu können. Seitdem gehört er dem „PSU-Team Sauerland“ an. Zirka 50 Mitglieder, unter anderem aus Gummersbach, Marienheide, Plettenberg und Werdohl sind darin vertreten: Theologen, Mitarbeiter von Feuerwehr, Polizei, Rettungskräften und Hilfsorganisationen sind darin organisiert.

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