Heute koch ich, morgen brau ich...

Ein Prost auf das Reinheitsgebot: Ochsengalle, Fichtenspäne und Bilsenkraut wurden früher dem Bier zugesetzt.

Altena - Trotz seiner langjährigen Erfahrung als Lehrer war Dieter Tischhäuser aufgeregt, als er am Freitagabend seine Premiere als Stadtführer hatte. „Branntwein, Bier und Kegelbahn“ war das Thema seiner ersten Führung. Und relativ schnell merkte er, dass auch die Teilnehmer zum guten Gelingen aktiv beitrugen.

Nach dem Start am Wasserrad gab es die erste „Bierpause“ bei Hardy, denn passend zum Thema sollten auch diverse Kaltgetränke verköstigt werden. Auf alten Fotos zeigte Tischhäuser, wie es früher ausgesehen hat am Markaner. Das „Haus zur Lenne“, der „Westfäische Hof“, „Bergfeld am Eck“, „Zur Stadt Iserlohn“ und „Haus Mageney“ waren Anlaufstellen der Arbeiter, die dort nach getaner Arbeit einkehrten, bevor sie mit Bus oder Straßenbahn oder auch zu Fuß nach Hause gingen. Tischhäuser berichtete von der Außenkegelbahn des „Westfäischen Hofes“, in dem auch Lichtspielvorführungen und Boxkämpfe stattfanden. Und auch Anekdoten, wie die über das Wirteehepaar Heckmann von „Bergfeld am Eck“, das bei Merz in der Bahnhofstraße wohnte und oft laut streitend und nicht mehr nüchtern nächtens über die Große Brücke heimwärts ging, wurden erzählt. Frühmorgens wurde Heckmann dann in der Backstube von Merz erwischt, wie er die Milch aus dem Kühlschrank trank.

Günther Topmann, Ex-Bürgermeister der Stadt, war seinerzeit als Kriminalbeamter, der die heimische Polizei bei einem Fall unterstützen sollte, im Gasthaus Nüter einquartiert. „Das war eine Wirtschaft mit gehobener Ausstattung“, wusste Tischhäuser zu berichten. Und er räumte mit einem Vorurteil auf: Früher war nicht alles einfacher und billiger. Die „Bedürfnislage“ musste geprüft werden, bevor eine Konzession erteilt wurde. Und für einen Schnaps musste um 1850 eine Stunde hart gearbeitet werden – heute hat man das benötigte Geld in sechs Minuten verdient.

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