Thema Flüchtlinge: Armin Laschet vermittelt Informationsaustausch

Navid Kermani besucht Altenas Bürgermeister

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Eine Widmung schrieb der mit vielen Preisen ausgezeichnete Publizist Professor Dr. Navid Kermani nicht in das Goldene Buch der Stadt. Armin Laschet hatte sich bereits 2006 als Minister verewigt, wie Bürgermeister Dr. Andreas Hollstein feststellte.

Altena - Beim Autofahren hörte Navid Kermani im Deutschlandfunk ein viele Minuten langes Interview mit Altenas Bürgermeister Dr. Andreas Hollstein zum Thema Flüchtlinge. „Ich war sofort gepackt“, sagte der deutsch-iranische Schriftsteller, Publizist und Orientalist am Donnerstag, 14. April,  im Rathaus. „Den Mann möchtest du kennen lernen“, sei ihm durch den Kopf gegangen.

Er schrieb deshalb seinem langjährigen Vertrauten und Freund Armin Laschet, Vize-Chef der Bundes-CDU und Staatsminister a.D., eine entsprechende SMS und schon nahmen die Dinge ihren Lauf.

Eine einfache SMS

Armin Laschet stützt den Flüchtlingskurs der Kanzlerin.

Laschet kannte sowohl Hollstein als auch Altena noch aus seiner Zeit als Integrations- und Generationen-Minister im NRW-Kabinett von Jürgen Rüttgers. „Ich war schon mal hier – zuletzt glaube ich 2006“, erinnerte er sich bei Gebäck, Mineralwasser und Kaffee gestern im Bürgermeisterzimmer. „Ich fühle mich geehrt“, meinte Hollstein, der sich offen outete, schon ein wenig nervös geworden zu sein, als sich seine Gäste gestern ein wenig verspäteten. Zwar gingen Minister, Bürgermeister, Unternehmer und Ministerialbeamte durchaus in Altena ein und aus, aber einmal Professor Doktor Navid Kermani, den Friedenspreisträger des Deutschen Buchhandels des Jahres 2015 kennenzulernen, das sei auch für ihn etwas Besonderes. Mitgebracht hatte der bereits im Alter von 49 Jahren mit vielen nationalen und internationalen Preisen ausgezeichnete Publizist Hollstein zwei neue Bücher aus seiner Feder als Gastgeschenk.

Bücher als Gastgeschenk

„Wir sind auf Sauerland-Tour“, erklärte zuvor Laschet. Denn Kermani war von Schülern eines Attendorner Gymnasiums eingeladen worden, die seine viel beachtete Rede zum 65. Geburtstag des Grundgesetzes im Unterricht behandelt hatten. Das Gespräch, die Begegnung mit den jungen Leuten, habe ihm Freude bereitet, sagte er. Noch am Abend hatte er zudem im Hochsauerland einen weiteren Termin. Bereits vor Jahren hatte er versprochen, zu einer Buchlesung nach Meschede zu kommen.

Komplimente für die Altenaer

Navid Kermani auf Sauerland-Tour: Erst vor Schülern in Attendorn, dann am Abend auf einer Buchlesung in Meschede.

Flüchtlinge und Altena – dieses Thema besprachen dann die beiden Gäste mit Hollstein in seinem Amtszimmer und vergaßen dabei fast die Zeit. Mehr als zwei Stunden gingen ins Land und Hollstein hörte viele Komplimente. Von Herzblut, von Engagement, vom Bewegen im Kleinen, vom Erarbeiten eines Fundamentes vor Ort, war da die Rede. Er danke dafür, sagte der Verwaltungschef und bezog stets sein Rathaus-Team und „viele, viele, viele Altenaer mit ein. Nur dadurch funktioniert es. Ein Bürgermeister allein steht da ziemlich allein. Dafür habe ich den Altenaern sehr zu danken.“ Immer wieder stand gestern Angela Merkels Satz im Raum: „Wir schaffen das!“ Armin Laschet bekannte frei und offen, er stehe hundertprozentig hinter der Kanzlerin und dieser Aussage. Der Bürgermeister erinnerte in diesem Zusammenhang an den Brandbrief nordrheinwestfälischer Bürgermeister und seine Weigerung, sich anzuschließen. Kermani, der Beobachter, der Analyst, der Kritiker, der Intellektuelle und Vordenker in vielen Bereichen, brachte sich immer wieder ein und verblüffte dann doch Hollstein mit der Frage, ob er sich bei seinem Flüchtlingskurs sicher sein könne, noch einmal ins Bürgermeisteramt gewählt zu werden? Er wisse heute noch nicht, ob er 2020 noch einmal antrete. „Aber sollte das der Fall sein, werden mir die Altenaer schon sagen, ob sie mich noch wollen“ so Hollstein. Schaffen wir das? – Erst kürzlich gab Kermani großen Magazinen und Zeitungen zu genau dieser Überschrift Interviews und wurde auch in Talkshows dazu befragt.

Sorge über Zustand der EU

Fritz Berg hat als Unternehmer in Altena viel bewegt. Vor seinem Bild als Bürgermeister verweilten Gäste und Verwaltungschef

Dabei verhehlte er nicht, ebenso wie gestern im Gespräch, seine Sorge, über den derzeitigen Zustand der Europäischen Union, die nicht angemessen auf die inneren und äußeren Herausforderungen reagieren könne, weil man sich in grundlegenden Fragen uneinig sei. Europa habe sich ausgedehnt und zugleich seine Institutionen geschwächt – das habe nicht gutgehen können. Gestern brachte er einmal mehr eine Art „Kerneuropa“ ins Spiel und schlug auch den Bogen zum Euro. Hier vermisse er fast täglich eine gemeinsame Wirtschaftspolitik. Armin Laschet hörte zu, kommentierte, ergänzte und lenkte das Gespräch abschließend auf das Thema Arbeit und Flüchtlinge. „Wer in Arbeit ist, wird am schnellsten integriert.“ Mit der jetzt beschlossenen Abschaffung der Vorrangprüfung der Agentur für Arbeit werde in diese Richtung viel Bürokratie abgebaut. Noch einmal fiel zum Ende der Merkel-Satz: „Wir schaffen das!“ – Navid Kermani hatte im Spiegel-Online-Interview am 23. Januar darauf formuliert: „Keine Ahnung. Aber versuchen wir es doch wenigstens.“ – Dazu stand er auch am Donnerstag, 14. April 2016.

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