Das Tätowieren ist eine individuelle Kunst

Nicole Schattling vom „Doncaster Ink“ sieht Totenköpfe als den Trend für 2016. Sie können gruselig und dunkel aussehen, aber auch lustig und romantisch. Foto: sanna

Altena - Sie hat auf Schweinehaut gestochen. Und auf Orangen und Bananen. „Das geht gut“, lacht Nicole Schattling. Irgendwann war es ihr Vater nämlich leid, dass sie ihre ersten Tattoos auf ihrem Bein probierte und eben dieses immer mehr anschwoll. Aber irgendwie muss man die Kunst ja lernen. Und das ist das Tätowieren tatsächlich: eine besondere Malerei.

Eine „individuelle Kunst“, – wie Max Cameo vom Hillside-Studio sagt – die natürlich Trends hat. „Wer heute ein Arschgeweih besitzt, der schämt sich meistens“, lacht die 26-jährige Nicole, die ihr eigenes Studio „Doncaster Ink“ an der Bahnhofstraße 11 hat. Mit ihr – und mit Max Cameo vom Hillside an der Lennestraße, sprach die Redaktion über neueste Techniken, Portraits, realistische Tattoos, Comics, Highlights für 2016 und absolute „No-go’s“.

Um es vorweg zu nehmen: Max und Nicole raten dringend von Infinity-Symbolen ab. Die Endlos-Schleifen mit Federn oder Herzchen waren im vergangenen Jahr immer wieder und immer wieder gefragt. „Das ist eine Modeerscheinung“, sagt Nicole Schattling, die von diesen Tattoos „echt genervt ist“ und es auch ablehnt, sie zu stechen. „Das ist nicht böse gemeint, aber ich versuche die Leute zu beraten“, sagt die Studio-Besitzerin. 

Max schlägt in die gleiche Kerbe: „Wir beraten unsere Kunden davon weg.“ Auch Tattoos auf der Innenseite der Finger empfiehlt er vor allem jungen Leutem nicht. „Die halten nicht lange. Wir empfehlen, etwas Zeitloses zu machen.“ Es werden alle gewünschten Körperstellen tätowiert. „Wenn einer etwas auf sein Hinterteil haben möchte, dann machen wir das auch“, lacht Max. Am geeignetsten seien vor allem die Arme. Beliebt sind auch Schriftzüge auf dem Rippenbogen. „Das ist eher eine schwierige Stelle, da die Haut in keiner Position richtig gespannt ist“, erklärt Max.

Ansonsten sind die beiden Altenaer Tätowierer auf unterschiedlichen Pfaden unterwegs: An Portraits, die Max mit Freude präsentiert, traut sich Nicole nicht dran. „Wenn man da einen Schatten falsch setzt, ist das Gesicht sofort verändert. Und ich mag auch eher den Comic-Bereich“, sagt die junge Frau, die gerade an einem 90er-Jahre-Bild mit Mario Kart und Donkey-Kong arbeitet – in quietschbunt natürlich. Das ist Nicoles Leidenschaft. Obwohl: Ihr Lieblingstattoo ist ein sehr trauriges mit Grabstein, einem Todesdatum und einem Engelchen, das sie ihrer besten Freundin gestochen hat, nachdem deren Mama verstorben war. „Eigentlich wollte ich niemals ein Sterbedatum tätowieren, etwas so Trauriges“, sagt Nicole Schattling, die jetzt froh ist, es doch getan zu haben. Als ewige Erinnerung. Das sind Tattoos eigentlich immer – auch die Totenschädel, die nach Ansicht von Nicole in 2016 wahrscheinlich eine Rolle spielen werden. Wobei es auch da sehr witzige und sogar romantische gibt.

Max hat sich in der Branche einen gewissen Respekt erarbeitet. „Wir haben häufig internationale Gäste.“ Bekannte Tatöwierer aus Amerika beispielsweise. Auf der „Tattoo Convention“ im Mai in Dortmund ist das Team vom Hillside wieder mit internationalen Gästen präsent. „Wir bieten eine breite Palette. Unsere Kunden legen Wert auf gute und seriöse Arbeit.“ Besonders Realistiktattoos sind im Hillside beliebt. „Ich nutze Fotoquellen als Vorlage“, so Max. „In der Berufsschule habe ich Grafikdesign gelernt, bevor ich vor drei Jahren professionell mit dem Tätowieren angefangen habe.“ Er stelle sich selbst mithilfe von Photoshop die Motive zusammen. „Wir arbeiten viel mit großen Tattoos.“ Bevorzugt werden häufig schwarz-graue Motive, wobei sie auch farbige Tattoos auf die Haut bringen. „Unsere Palette ist unendlich. Aber wir bleiben unserem Stil treu: künstlerisch arbeiten“, betont er.

Dass Tattoos längst gesellschaftsfähig sind, hat auch einen größeren Effekt auf die etwas Älteren. Nicht selten kommen auch die, die die 40 oder 50 überschritten haben, und „besser jetzt als nie“ sich ihr erstes Tattoo stechen lassen. „Wie meine Mutter. Sie hat mit 54 ihr erstes Tattoo bekommen. Dabei wollte sie es schon, seit sie 18 war“, erzählt Nicole Schattling.

Auch bei der Eröffnung des Hillside-Studios machte sich Skepsis bei den Altenaerns breit. „Aber inzwischen sind wir gut in die Stadt integriert.“ Das Studio werde gut angenommen.

„Wir machen zum Beispiel bei den Pop-up-Events mit oder haben auch die Flüchtlinge schon unterstützt“, erzählt Max Cameo.

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