Mitmachendes Beispiel geben

Sorgen gemeinsam für die Betreuung von 15 syrischen Flüchtlingskindern im evangelischen Gemeindezentrum Mühlendorf: Kämmerer Stefan Kemper, Pfarrerin Merle Vokkert, Heike Müller-Gerlach (ev. Jugendreferat), Erich Reinke (Leiter ev. Jugendreferat), Peter Krey (Kirchmeister und Presbyter) und Wolfgang Wilbers (Schulleiter der Grundschule Altena im Mühlendorf). (v.l.) Foto: Bonnekoh

Altena -  „Wir möchten uns nicht in den Vordergrund spielen. Aber wir möchten ein mitmachendes Beispiel geben – deshalb gehen wir an die Öffentlichkeit!“ So leitete gestern der Leiter des evangelischen Jugendreferates Iserlohn, Erich Reinke, eine Information über ein besonderes Betreuungsangebot ein.

Bereits seit dem 1. Dezember werden täglich 15 syrische Grundschulkinder im evangelischen Gemeindezentrum Mühlendorf intensiv betreut. Eingebunden in die so genannte „zeitsichere Grundschule“ werden die Jungen und Mädchen in der Regel im Anschluss an die vierte Unterrichtsstunde (sie endet täglich um 11.35 Uhr) bis gegen 13.20 Uhr von einer ausgebildeten Erzieherin betreut. Das Besondere an dieser Kraft, die die Kirche eingestellt hat und deren Honorar die Stadt Altena übernimmt: Die Frau spricht fließend arabisch.

An der Grundschule Altena, Standort Mühlendorf, sind zurzeit 60 Kinder in der Betreuung des Offenen Ganztags. Jetzt kommen 15 Flüchtlingskinder hinzu. Sie gehören zu einer Gruppe von 30 Flüchtlingskindern, die im Mühlendorf insgesamt unterrichtet werden.

„Die Eltern können in der Zeit, in der ihre Kinder hausaufgabentechnisch betreut werden, in aller Ruhe einen Deutsch-Kurs besuchen“, erläutert Erich Reinke die Intention. Obwohl nur Geldmittel bis Ende Februar 2016 zur Verfügung stehen, wird die „evangelische Kirche das Angebot auf jeden Fall bis zum Sommer weiterführen“, verspricht der Leiter des Jugendreferates.

Stefan Kemper, Stadtkämmerer, aber auch Kirchmeister Peter Krey und Pfarrerin Merle Vokkert, sind froh, „das wir zusammen alles ganz schnell und sehr unbürokratisch gelöst haben.“ Es könne nicht angehen, dass ein Kind als Übersetzer bei Kindern fungieren müsse. „Deshalb haben wir uns für eine Fachkraft entschieden, die arabisch spricht.“ Kinder benötigten für ihre Sorgen und Nöte Ansprechpartner. Und Eltern, sollten sie Alltagsprobleme mit ihren Kindern haben, „sollten auch verstehen, um was es geht“, so Wilbers, „wenn wir Kontakt aufnehmen“. Denn, so fügt der Rektor an: „Es geht in erster Linie um die Kinder. Das ist uns allen sehr wichtig.“

Der Raum im ev. Gemeindezentrum ist extra für dieses Betreuungsangebot über die Woche „freigezogen von allen anderen Aktivitäten. Wenn hier gebastelt wird, darf alles liegen bleiben“, erläutert Pfarrerin Merle Vokkert. Natürlich sei es erstes Ziel, die 15 Kinder aus Syrien zu integrieren. „Wir wollen nicht separieren“, so Wilbers. Deshalb werden alle 60 zu betreuenden Kinder plus die Syrer „rotieren, damit sich alle aneinander gewöhnen.“ Den Kindern bescheinigt der Pädagogen ein hohes und sehr schnelles Lerntempo. „Alle bekommen bei uns an der Schule Paten, die sie in den Pausen und auch sonst - wie gewünscht - unterstützen. Ich staune immer wieder, wie das mit den Kindern ohne Sprachkenntnise funktioniert. Aber es geht.“

Erich Reinke: „Das ganze ist für alle Beteiligten Neuland. Wir gehen es voller Zuversicht an.“ Stefan Kemper: „Alles ist in Bewegung. Niemand weiß heute, was in einem halben Jahr ist.“

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