Stolpersteine erinnern an ermorderte Juden

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Zwei Schicksale von zehn, die jetzt in Altena als Stolpersteine aufgearbeitet wurden.

Altena - „Geschichte wird überall geschrieben. In den großen Städten der Welt ebenso wie in unserem kleinen Altena“. Das sagte  Stephanie Ingenpaß am Donnerstag im Beisein von Ulrich Weispfennig zur Vorstellung von zwei Stolpersteinen vor dem Eingang zum Burgaufzug.

Jahrelang hatte das Duo die Geschichte von Altenaer Juden, die von den Nazi gequält und ermordet wurden, recherchiert und rekonstruiert. Nach dem einhelligen Ja des Stadtrates war dann der Weg frei, insgesamt zehn Stolpersteine in der Stadt zu verlegen, die an das Schicksal dieser ehemaligen Mitbürger dauerhaft erinnern (das AK berichtete mehrfach). Dank vieler Spenden war das möglich und so wurde damit der Künstler Gunter Demnig beauftragt.

Ingenpaß und Weispfennig unterstrichen am Donnerstag, dass für sie beide stets im Vordergrund gestanden habe, die Erinnerung an diese Menschen, die Opfer des NS-Regimes wurden, aufrecht zu erhalten und das Wissen auch an die eigenen Kinder weiterzugeben. Noch einmal betonte Ingenpaß in einer schlichten Ansprache im Beisein von Ratsmitgliedern, Bürgermeister, Sponsoren der Aktion, MdL Michael Scheffler (SPD) und Pfarrer Jürgen Ruck: „Geschichte wird überall geschrieben. Und Geschichte wird von jedem geschrieben!“

Hinschauen oder Wegsehen; Tun oder Lassen – alles habe Konsequenzen. „Und wir müssen die Verantwortung dafür übernehmen“, sagte Ingenpaß. Die Stolpersteine sollten ermahnen, hinzuschauen. Es sei ein weiteres Ziel, die Menschen zu bewegen, sich mit einzelnen Schicksalen zu befassen. „Mit den Stolpersteinen bekommen Menschen, die zu einer bloßen Nummer degradiert wurden, ihren Namen zurück. Und das namenlose, unvorstellbare Grauen des NS-Regimes wird begreifbar für uns und für kommenden Generationen.“

Der evangelische Pfarrer Jürgen Ruck erinnerte kurz an die Rolle der bekennenden Kirche im NS-Regime und die nachfolgenden Schwierigkeiten im Nachkriegsdeutschland. Er könne mit dem Begriff „Gnade der späten Geburt“ nichts anfangen, halte diese Formulierung auch nicht für gut. „Ich falte mit Scham die Hände und bitte einen Größeren um Versöhnung und Vergebung.“

Für Michael Scheffler, sind die Altenaer Stolpersteine „eine Erinnerungarbeit, die man gar nicht hoch genug schätzen kann“. Bürgermeister Dr. Andreas Hollstein unterstrich noch einmal die fraktionsübergreifende Unterstützung dieser Aktion, für die er sich bedanke. Er sehe in den Stolpersteinen durchaus eine Brücke zum Heute. Angesichts der Hilfe für Flüchtlinge gäbe es sehr wohl wieder Hetze gegen Menschen, was ihn sogar oft in der Sprache an die NS-Zeit erinnere. „Stolpersteine, 70 Jahre nach dem Krieg? Macht das überhaupt Sinn?“, fragte er eher rhetorisch um anzufügen: „Ja, gerade jetzt macht so etwas Sinn. Ich persönlich ziehe meinen Hut vor den Akteuren“. Angesichts der Flüchtlingssituation sei dies so etwas wie eine geschichtliche Lektion für die Jetztzeit und gut für Altena.

Die Aktion soll im kommenden Jahr fortgesetzt werden. Ulrich Weispfennig: „Die Nazis haben auch Kommunisten, Sinti, Roma und Homosexuelle ermordert.“ Auch ihnen gebühre ein ehrendes Gedenken.

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