Rechnen gegen Überraschungen

Die Grafik zeigt, welche Faktoren in die Modellrechnungen des Fraunhofer-Instituts einfließen.

Altena - In einem Modellprojekt, an dem neben Lünen und Porta Westfalica auch die Burgstadt beteiligt ist, sollen Zukunftsfragen beantwortet werden. Fragen, die es in ihrer Komplexität in sich haben. Das Projekt unter Führung des Fraunhofer-Institutes ISI in Karlsruhe hat allein schon einen komplexen Namen: „Zukunftsoptionen kommunaler Wasserinfrastrukturen in NRW“, kurz Zukowis.

Marc Bunse, Geschäftsführer der Stadtwerke, versucht eines der Ziele der Studie mit einer Fragestellung zu erklären: „Wenn wir heute eine große Investition in einen Kanalbau tätigen, würde man dann im Jahr 2040 rückschauend sagen, dass es eine sinnvolle Investition war? Oder hätte es bessere Möglichkeiten gegeben?“

Um solche und andere Fragen einmal durch Modellrechnungen beantworten zu können, braucht es einen ganz ordentlichen Vorlauf: Auftaktsitzung und Projektvorstellung waren im Februar 2014 – Resultate gibt es noch nicht, auch keine Zwischenergebnisse. Die erwartet Bunse zum Ende des Jahres oder Anfang 2016. Das werde aber nicht bedeuten, dass es dann schon zu konkreten, auch politischen, Entscheidungen komme.

Es müssen in äußerst komplexen Rechenmodellen Szenarien für bestimmte Gebiete (Cluster) errechnet werden. „Es geht dabei um unglaubliche Mengen an Daten“, weiß Marc Bunse.

Wichtige Faktoren sind Klimawandel, veränderte ökologische Anforderungen, demografischer Wandel, technischer Fortschritt und Flächenverbrauch.

So arbeiten die Planer mit Gebieten, wo vorwiegend Einfamilienhäuser stehen, andere Gebiete werden von Mehrfamilienhäusern oder Industriebauten dominiert. Für all diese Nutzertypen gibt es individuelle Szenarien. Anschaulich formuliert: Breitenhagen und Rosmart werden sich unterschiedlich entwickeln.

Der Stadtwerke-Geschäftsführer macht an einem weiteren Beispiel klar, worum es geht: „Wenn wir heute Leitungen verlegen, dann halten die wesentlich länger als die Rahmenbedingungen, die zur Entscheidung über die Baumaßnahme geführt haben.“ Mit anderen Worten: „Wenn wir alles so lassen, wie es ist, kriegen wir dann in 20 Jahren ein Problem? Ja, kriegen wir!“ Ein Stichwort: Explodierende Gebühren. „Sofern wir nichts verändern, müssen die Kosten von immer weniger Menschen getragen werden. Denn eine simple Verkleinerung der Leitungsquerschnitte ist aufgrund der Rahmenbedingungen Löschwasser und Starkregen nicht beliebig machbar.“

Er sei deshalb froh, dass die Stadtwerke als Ver- und Entsorger die Möglichkeit bekommen haben, an diesem Projekt beteiligt zu sein. „Das ist ein richtiger strategischer Ansatz, und er ist interdisziplinär.“ Auch die Stadtplanung sei mit im Boot. „Wir denken als Stadt“. Für ein vergleichsweise kleines Unternehmen wie die Stadtwerke sei die Teilnahme an einem solchen Projekt sehr innovativ.

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