Systemwechsel beim Wasserpreis

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Marc Bunse (rechts) und Vertriebsleiter Hendrik Siebecke stellten gestern das neue Tarifsystem vor.

Altena -   Seit zehn Jahren ist der Wasserpreis in Altena unverändert, ebensolange schreibt das Wasserwerk Verluste - zuletzt in sechsstelliger Höhe. Das gehe so nicht mehr weiter, beschlossen Geschäftsführung und Aufsichtsrat gerade auch vor dem Hintergrund der ausbleibenden Enervie-Dividenden. Zum 1. Januar anstehende Preisveränderungen werden das Tarifsystem völlig verändern.

Bisher setzt sich der Wasserpreis aus einer (festen) Grundgebühr und dem mengenabhängigen Kubikmeterpreis zusammen – ein Modell, das dazu führt, dass Mieter in Mehrfamilienhäusern sich die Grundgebühr mit ihren Nachbarn teilen und somit tendenziell weniger bezahlen als die Eigentümer (oder Mieter) von Einfamilienhäusern.

Einerseits wünsche man sich mehr Gerechtigkeit, begründete Stadtwerke-Geschäftsführer Marc Bunse die anstehenden Veränderungen. Andererseits werde damit auch versucht, mehr Logik in das Preisgefüge zu bringen.

Etwa 80 Prozent der Kosten des Wasserwerks seien nämlich Fixkosten, erklärte Bunse am Beispiel der Fuelbecke: Versicherung, Finanzierung, Abschreibung, Untersuchungen der Wasserqualität – das seien lauter Kosten, die völlig unabhängig davon seien, ob aus der Sperre 1000 oder 100 000 Kubikmeter Wasser verkauft würden.

Dem tragen die Stadtwerke dadurch Rechnung, dass sie durch einen neuen „Systempreis“ ihre fixen Einnahmen erhöhen. Bis auf den letzten Cent belastbare Zahlen konnte der Stadtwerke-Chef noch nicht nennen: Sie können erst ermittelt werden, wenn eine Abfrage unter allen Altenaer Hausbesitzern abgeschlossen ist, die heute anläuft. Nach deren Auswertung wird der Aufsichtsrat im Dezember den genauen Tarife festlegen.

Die Richtung wurde aber schon festgelegt: Zukünftig wird es für jede Wohnung in einem Haus einen so genannten „Systempreis“ geben. Für die erste Wohnung wird er etwas über der Höhe der bisherigen Grundgebühr liegen. Für die weiteren Wohnungen wird er dann gestaffelt sein – Wohnung zwei kostet mehr als Wohnung zehn.

Diese vom Kartellamt übrigens schon abgesegnete Änderung sorgt dafür, dass die Einnahmen der Stadtwerke aus der Versorgung von Mehrfamilienhäusern deutlich steigen wird – so sehr, dass im Gegenzug sogar eine Senkung des Kubikmeterpreises angedacht ist. Dadurch relativiert sich die Mehrbelastung – Bunse rechnet damit, dass „bei üblichen Verbrauchsfällen eine Mehrbelastung von maximal 3,50 Euro pro Monat entsteht“. Er ergänzte diese Schätzung durch den Hinweis darauf, dass 2016 eine Senkung der Abwassergebühren zu erwarten sei, die diese Mehrbelastung im Regelfall mehr als auffangen werde.

Am liebsten hätten es die Stadtwerke, wenn die entsprechenden Fragebögen Online ausgefüllt werden. Man kann sie aber im Kundenbüro am Markaner vorbeibringen oder per Post verschicken. Große Vermieter wie zum Beispiel die Baugesellschaft wurden vorab persönlich informiert.

Die Stadtwerke brauchen Angaben darüber, ob die Gebäude ausschließlich zu Wohnzwecken oder (auch) gewerblich genutzt werden. Außerdem müssen die Eigentümer angeben, wie viele Wohnungen es gibt.

Aufpassen müssen dabei Eigentümer von Häusern mit Einliegerwohnungen: Auch dann, wenn die schon lange nicht mehr vermietet sind, gelten sie als abgeschlossene Wohnung und das Gebäude damit als Zweifamilienhaus.

Die Stadtwerke kopieren mit ihrem neuen Tarifmodell Ansätze größerer Anbieter wie der zu RWE gehörenden RWW. Dass die Wasserwirtschaft mit den bisherigen Ansätzen nicht mehr klar kommt, liegt am stark rückläufigen Trinkwasserverbrauch. Er ist in Altena seit 1970 um über 60 Prozent gesunken. 2014 verkauften sie erstmals weniger als eine Mio. Kubikmeter Wasser.

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