1840 Altenaer auf staatliche Unterstützung angewiesen

816 Bedarfsgemeinschaften gibt es in Altena. Darin leben auch Kinder und Jugendlichen. Das Foto wurde übrigens nicht am Nettenscheid aufgenommen – aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes haben wir uns für ein Symbolbild einer Agentur entschieden.  Foto: dpa

Altena - Eine neuerdings wieder zunehmende Zahl der Altenaer kommt ohne Hilfe des Staates nicht aus. Das erfuhren am Mittwochabend die Mitglieder des Sozial- und des Jugendhilfeausschusses bei einer gemeinsamen Sitzung im Rathaus.

Volker Riecke, der Geschäftsführer des Jobcenter MK, und Axel Freund von der Stadtverwaltung versorgten die Kommunalpolitiker mit verschiedenen Zahlen. Unterm Strich kam dabei heraus, dass im Moment 1840 Burgstädter staatliche Leistungen beziehen. Das entspricht etwa zehn Prozent der Gesamtbevölkerung.

1443 Personen beziehen SGB II

1443 Personen sind im so genannten SGB II-Bezug, bekommen also das, was früher Sozialhilfe hieß. Für eine Familie mit zwei kleinen Kindern bedeutet das ein monatliches Einkommen von weniger als 1100 Euro, zusätzlich wird die Warmmiete übernommen. Eine Einzelperson bekommt etwa 610 Euro.

Zahl der Kinder liegt im dreistelligen Bereich

Riecke machte zwar keine Angaben darüber, wie viele Kinder betroffen sind. Aus seinen Ausführungen ergab sich aber, dass ihre Zahl im dreistelligen Bereich liegen muss. Denn: 1059 der Hilfeempfänger gelten als „erwerbsfähige Leistungsempfänger“. Für Menschen im Rentenalter und solche, die längerfristig erwerbsunfähig sind, kommt das Jobcenter nicht auf. Daraus ergibt sich, dass in den 816 Bedarfsgemeinschaften eine ganze Reihe von Kindern leben muss.

Stärkerer Anstieg als im Kreis- und Landesdurchschnitt

 Rieckes Statistiken zeigten auch, dass die Zahl der Hilfsbedürftigen in den letzten 12 Monaten in Altena stärker gestiegen ist als im Kreis- und Landesdurchschnitt. „Es besteht aber kein Grund zur Sorge“, beruhigte er – es handele sich um eine statistische Besonderheit, weil bestimmte Zyklen in der Vergangenheit in Altena anders verlaufen seien als anderswo.

Aktuell auf dem Niveau von 2008

Lohnend deshalb ein Blick auf den langfristigen Vergleich: Als das SGB II 2006 eingeführt wurde, gab es in Altena 1838 Menschen im Leistungsbezug. Im November 2008 – dem Monat, bevor die Krise der heimischen Industrie einsetzte – waren es 1419. Dann habe sich die Situation in der Burgstadt schneller erholt als in anderen Kommunen, erklärte der Geschäftsführer des Jobcenters. Der absolute Tiefstand sei im Juli 2014 mit 1362 Leistungsempfängern verzeichnet worden. Seitdem stiegen die Zahlen wieder, jetzt sei etwa das Niveau von 2008 erreicht worden – und damit sei die Altenas Situation in der langfristigen Betrachtung nicht anders zu bewerten als die anderer Städte.

Bedarf der Grundsicherung im Alter werde steigen

Rentnern, die nur eine geringe Rente beziehen, und erwerbsunfähigen Menschen greift die Stadt unter die Arme. Knapp 400 Fälle seien zurzeit im Sozialamt anhängig, erklärte Axel Freund den beiden Ausschüssen. Vor allem bei der Grundsicherung im Alter rechne er für die Zukunft mit einem stetigen Anstieg – „das ist erschreckend“, entfuhr es daraufhin dem Ausschussvorsitzenden Reiner Kemmerling. - ben.-

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