Sommernachtsführung bietet Geschichte und Geschichten

Trotz wechselhaften Wetters stieß die Sommernachtsführung auf Interesse: Zwölf Frauen und Männer machten den unterhaltsamen Stadtspaziergang mit.

Altena -  Richard Schirrmann als der Leibhaftige. Die Anekdote vom Altenaer Jugendherbergsstifter, der einst eine Altenaerin fürchterlich erschreckte bei seinen Versuchen, auf Skiern die Hügel Altenas zu erklimmen, amüsiert auch Jahre nach seinem Tod noch. Das erfährt aber niemand, der einfach so vorm Schirrmann-Denkmal rastet. Dafür muss man schon eine Sommernachtsführung in Altena mitmachen.

Sigrid Hohmann kennt sie, die schönen, ersten und lustigen Geschichten, die sich hinter den Gebäuden und wenig beachteten Orten der Innenstadt verbergen. Einen davon sucht die Gruppe gleich zu Beginn der Stadtführung auf: Ein unscheinbares Gässchen in der Freiheitstraße, einst Tallenbrink genannt, wo die jüdischen Kinder einst die Tora gelehrt bekamen. 

Das Jiddische, das Hebräische, das war den Altenaern so fremd, dass sie vom plattdeutschen „tellen“ (reden, erzählen) das Wort Tallenbrink für das kleine jüdische Viertel etablierten. Von der Synagoge und der gesamten alten Bebauung ist heute nichts mehr übrig. Aber die Legenden der unbeliebten und dort untergebrachten Großfamilien, die einst über die Salatbrücke spazierten, um die dahinterliegenden Gärten zu plündern, die existieren noch heute.

Dass viele Häuser zu den Geschichten heute fehlen, ist den großen Stadtbränden geschuldet. Mitte des 18. Jahrhunderts musste in Altena viel neugebaut werden, weil viele Gebäude vom Feuer dahingerafft worden waren. Andere mussten den großen Umbau-Initiativen weichen. Vom alten Bungern mit dem schönen Marktplatz und dem angrenzenden markanten Gebäude von Foto Hess existieren nur noch Fotos. Sigrid Hohmann hat ein Album dabei, um den Vorher-Nachher-Vergleich am Stapel besser veranschaulichen zu können. Den älteren Altenaern ist das noch gut präsent, die Auswärtigen schütteln verständnislos den Kopf.

Es gibt aber auch noch alte Schätze zu entdecken. Allein als Karsten Wolfewicz die Nase aus der Burg Holtzbrinck heraussteckt und die Gruppe durch diesen kleinen Zufall einen Blick auf das alte Treppenhaus werfen kann, ist die Freude groß. Zum Gebäude gibt’s diesmal nur eine Kurzgeschichte. Mehr präsentiert Sigrid Hohmann beim Mittelaltermarkt: An zwei Tagen geht’s dann mit ihr von Burg zu Burg.

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