"Krasse Negativ-Entwicklung"

Serap Güler bezieht auf Kolping-Sofa klar Stellung gegen politisierten Glauben

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Die Sofa-Gespräche der Kolpingsfamilie sind eine hochkarätige, beim Publikum beliebte Veranstaltungsreihe.

Algtena - Serap Güler ist gläubig und Politikerin, doch sie bezieht ganz klar Position gegen politisierten Glauben. Mit großem Interesse lauschte das Publikum am Sonntag den Gesprächen auf dem roten Sofa im Pfarrsaal St. Matthäus. Nicht nur die CDU-Politikerin aus dem Landtag nahm darauf Platz, sondern auch Pfarrer Jürgen Ruck. Beide Gesprächpartner sind interessante Glaubenswege gegangen in ihrem Leben.

Serap Güler ist nicht nur Muslima, sondern auch Mitglied der Kolpingsfamilie in Köln. „Das wird aber nur von Außen als Besonderheit betrachtet“, erklärte der Gast lachend. Bei Kolping habe ihre religiöse Herkunft nie eine Rolle gespielt. „Nur, dass wir gemeinsame Ziele verfolgen. Wir passen zusammen“, berichtete Serap Güler im Gespräch mit Stefan Kemper. 

Mit dem katholischen Glauben, der die Kolpingsfamilien international geprägt hat, wurde Serap Güler ohnehin früh konfrontiert. „Im katholischen Kindergarten, in der katholischen Grundschule. Meiner Mutter war wichtig, dass ich dort auch religiöse Erfahrungen machen konnte. Das fand ich schön!“

Serap Güler, Jahrgang 1980, wuchs in einem Umfeld auf, in dem es noch üblich war, dass sich Nachbarn den türkischstämmigen Kindern in ihrem Umfeld annahmen und sie ganz selbstverständlich in die regionale Lebenskultur mitnahmen. „Das ist heute nicht mehr die Norm“, was Serap Güler sehr bedauert. „Es wäre undenkbar gewesen, dass eine Familie ohne ein Wort deutsch zu sprechen jahrelang in einer Nachbarschaft leben kann. Heute geht das. In Deutschland gibt es Rückzugsräume, wo ein Leben ohne Sprachkenntnisse stattfinden kann. Das ist ein großer Fehler der Integrationspolitik.“

Jener Mangel an Sprach- und Kulturkenntnissen habe zu bedenkenlichen Entwicklungen geführt. „Unter jungen Muslimen gibt es eine krasse Negativ-Entwicklung. Ich höre von Schulleitern, die mir berichten, dass sich junge Muslime weigern, auf Klassenfahrten eine christliche Kirche zu betreten, weil sie den Glauben der anderen schlichtweg ablehnen“, so Serap Güler. „Sie kennen auch keine Gemeinsamkeiten im Glauben, oft nicht mal, dass es derselbe Gott ist, an den sich Christen und Muslime wenden. Dieser Denkweise kann nur entgegengewirkt werden, wenn das Verbindende des Christentums und des Islams hervorgehoben wird. Am besten mit gemeinsamen, religionsübergreifenden Projekten.“

Vielleicht ist es in diesem Zusammenhang gut, mal einen Schritt zurückzutreten und Kirche auch von Außen zu betrachten. Jürgen Ruck, Altenas evangelischer Pfarrer im Entsendungsdienst, macht das immer mal wieder. Er war schon als Kind nicht mitten drin im Geschehen, sein Vater hatte ein „recht finsteres Bild“ von Kirche, berichtete Ruck im Gespräch mit Christiane Frebel. Der Papa habe sich entsprechend schwer damit getan, dass sein Sohn Pfarrer werden wollte, nachdem ihn die Friedensbewegung der 80er Jahre mitgerissen hatte.

„Glaubensvorbilder“ hatte Jürgen Ruck nicht, Protestanten sehen die Heiligenanbetung ohnehin kritisch. „Obwohl es mir im aktuellen Luther-Hype manchmal so vorkommt, als ob der gerade zu einem neuen protestantischen Heiligen hochstilisiert wird...“

Für das bevorstehende Reformationsjubiläum wünscht sich Jürgen Ruck, dass es eine ökumenische Ausrichtung bekommt. „Ich bin mir nämlich gar nicht so sicher, dass Martin Luther wollte, dass zwei stark unterschiedliche Konfessionen aus seinem Reformationsprozess hervortreten. Da ist etwas getrennt worden, das eigentlich zusammengehört hat...“

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