Leben jetzt intensiver

Schwerer Unfall hat Leben der Familie Menz komplett verändert

+
Alle Kinder der Familie Menz können wieder lachen und sehen dem kommenden Jahr fröhlich entgegen.

Altena - Noch immer steht die geschmückte Weihnachtstanne im Wohnzimmer der Familie Menz an der Lüdenscheider Straße 8. Der Baum ist dieses Jahr ganz in rot gehalten. „Die Farbe Rot verbinden wir alle mit Wärme, Liebe, Gefühlen eben“, erzählt Kerstin Menz (46). Und doch, dieses Weihnachten war bei der siebenköpfigen Familie anders. Ganz anders sogar.

Rückblende: Am Morgen des 25. August waren Christin (11), Robin (8), David (6) und Bruder Daniel (9) auf dem Weg zu ihren Schulen. Ein ganz normaler Sommertag, doch es war der schlimmste Tag, den die Familie bisher erlebt hat. In der Kurve der Fritz-Berg-Brücke, vielleicht 200 Meter vom Elternhaus entfernt, erfasste gegen 7.20 Uhr ein Auto die Geschwister auf dem Gehweg. Das Mädchen und ihre beiden acht und sechs Jahre alten Brüder wurden frontal getroffen, teils durch die Luft geschleudert, aufgespießt und dabei alle drei schwer verletzt. Der neunjährige Daniel kam mit dem Schrecken davon, wurde aber unmittelbar Zeuge. Er war es auch, der sofort „schaltete“, nach Hause lief und Mama Kerstin holte. „Mama, Mama, es ist etwas Furchtbares passiert!“ – Diese Worte, so sagt die Frau heute und ihre Augen gehen Richtung Boden, werde sie ihr ganzes Leben nicht mehr vergessen. „Schrecklich ist gar kein Ausdruck dafür“, sagt sie und ihre Stimme klingt sofort belegt. Es war der erste Tag, an dem die „Kleinen“ alleine – zwar in Begleitung der großen Schwester – zur Schule gingen. „Wir hatten alles so oft geübt. Alle unsere Kinder können auf dem Weg zu ihren Schulen stets den Gehweg benutzen. Sie haben alles richtig gemacht. Dieser Tag hat unser Leben, eigentlich alles verändert“, sagt sie: Die Einstellung zum Leben, den Umgang in der Familie, „alles eben“. Sie überlege sich heute zwei Mal, ob sie mit ihren Kindern schimpfe und kann dann doch lächeln. „Was soll man als Mama auch sagen, wenn es dann salopp zurück kommt: ,Sei froh, dass ich noch da lebe!’“

Während das Mädchen, Schülerin der sechsten Klasse am Burggymnasium, schwerste Kopfverletzungen davon trug und wochenlang im Krankenhaus lag, traf es auch die beiden Brüder hart. Die Grundschüler, die den Schulstandort Mühlendorf besuchen, mussten im Anschluss an den Unfall ebenfalls tagelang das Bett im Krankenhaus hüten.

„So schlimm alles war und ist“, sagt Kerstin Menz. „Eines ist mir ganz wichtig: Ich möchte mich, auch im Namen meines Mannes Daniel, bei allen bedanken, die noch an der Unfallstelle und später geholfen haben.“ Da sei ein Mann auf dem Weg zur Arbeit gewesen, habe sofort gestoppt, geholfen, noch ehe die Sanitäter und der Arzt am Ort waren. „Er hat mir gesagt: Die Kinder gehen vor, mein Arbeitgeber weiß Bescheid.“ Den Namen Michael Sonntag spricht sie mit höchstem Respekt aus. Der Mitarbeiter des Ordnungsamtes, habe sie am Unfalltag und weiter darüberhinaus immer wieder begleitet, Hilfe angeboten und auch geleistet. Dass sowohl Oberstudiendirektor Hans-Ulrich Holtkemper (Burggymnasium) und Rektor Wolfgang Wilbers (Grundschule Altena im Mühlendorf) in ihren Häusern eine Welle der Hilfsbereitschaft in Gang setzten, als sie die Elternschaft informierten, „damit hatten wir nicht gerechnet.“

Auch den Rettungskräften, allen voran Feuerwehr, Rettungssanitätern, Ärzten und „einfach allen, die uns geholfen haben oder Hilfe anboten, möchten wir noch einmal danken. Ganz, ganz, ganz lieben Dank dafür. Mögen die Rettungskräfte einen ruhigen Jahreswechsel haben.“

Familie Menz hatte nach dem Unfall ein großes Problem: „Wir besitzen kein eigenes Auto. Und die Kinder wurden in Lüdenscheid-Hellersen versorgt.“ Da sprang der Arbeitgeber des Ehemannes ein, stellte ihm ein Firmen-Fahrzeug, auch Michael Sonntag fuhr die ersten Tage, wann immer die Mama ihre Kinder sehen wollte.

Weihnachten 2015: Das war ein besonderes Fest im Hause Menz. Gemeinsam hat die Familie zunächst am Nachmittag im Open-Air-Chor der evangelischen Kirche Altena beim Gottesdienst an Heilig-Abend auf dem Kirchplatz der Lutherkirche mitgesungen. Weil die Menzes bei einem Radio MK-Gewinnspiel einige Preise gewonnen hatten, freuten sich die Jungs über technisches Spielzeug. Christin erhielt Kleinigkeiten wie Bücher und Kosmetika. „Ein Mädchen halt.“ Daniel und Kerstin Menz selbst haben Weihnachten im Wohnzimmer den Drei-Meter-Tannenbaum mit den Kerzen entzündet und dann haben alle zusammen gesessen.

Und heute, an der Schwelle zum neuen Jahr 2016? Alle werden noch ärztlich betreut, nehmen psychologische Hilfe in Anspruch. „Die Kinder, besonders Unfallzeuge Daniel, haben Albträume. Wenn wir über den Bürgersteig gehen und ein Auto fährt vorbei oder die Bremsen quietschen, zucken sie oft noch zusammen. Das hat niemand wirklich abgelegt, auch wenn die äußerlichen Wunden der Jungs langsam verheilen.“

Dem Mädchen stehen noch ein Krankenhausaufenthalt und Operationen bevor. „Davor habe ich richtig Angst“, sagt Kerstin Menz und Tränen treten ihr in die Augen. „Unser Mädchen...“ Trotzdem schaue man als ganze Familie jetzt voller Zuversicht nach vorne, ins neue Jahr 2016. „Wir sind einfach froh, dass wir uns noch haben!“

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare