Schwere Aufgabe für Gerd Stehlgens

Männergesangverein Dahle löst sich auf

Chorfahrten wie diese im Jahr 1996 nach Speyer und Heidelberg gehörten stets zu den Vereinshöhepunkten innerhalb des MGV Dahle.

Altena - Die Statuten gibt es noch. In heute fast unleserlicher Sütterlin-Schrift mit schwarzer Tinte verfasst hütet sie Gerd Stehlgens wie einen kleinen Schatz.

Der heute 74-Jährige war bis zum 31. Dezember 2015 Vorsitzender des MGV Dahle von 1881. Der letzte in diesem Amt, der Verein hat sich aufgelöst. „Wir waren zuletzt nur noch vielleicht 12 aktive Sänger. Wenn bei unseren Auftritten dann drei, vier Stimmen fehlten, waren wir schon ein wenig in der Bredouille“, sagt Stehlgens. 43 Jahre hat er selbst dem Chor als 1. Bass die Treue gehalten: Seit 1996 war er Vorsitzender. „Es waren schöne Jahre“, resümiert er und das klingt kein bisschen bitter. Denn, so fügt er an: „Es hat sich so viel geändert: In der Gesellschaft. Im Dorfleben. Und eben auch im Vereinsgeschehen.“ Wenn er zurückblickt, ziehen viele schöne Erinnerungen vor seinem geistigen Auge auf. Das Veranstalten von Konzerten im Dorf und weit darüberhinaus.

Konzert im Dorf

Möchte die Zeit als aktiver Sänger nicht missen: Gerd Stehlgens, der jetzt die Aufgabe hatte, den Verein aufzulösen.

Das Vereinsleben selbst, die Probeabende, das anschließende Zusammensitzen, die gemeinsamen Ausflüge und natürlich die mehrtägigen Chorfahrten. „Das waren alles Dinge, die auch Kraft gegeben haben für den Alltag“, sagt er und blättert in mitgebrachten Unterlagen. Dazu gehört unter anderem ein Protokollbuch aus dem Jahr 1932, das damals Schriftführer Heinrich Ossenberg-Franzes anlegte. Er schrieb die Aktivitäten des Chores erstmals unter dem Datum des 16. Februar 1932 nieder. Bis dahin gab es nur ein Kassabuch. Das hatten seine Vorgänger mit dem Datum 1. Mai 1882 versehen. „Der genaue Zeitpunkt der Gründung des Vereins liegt deshalb im Dunkeln“, sagt Stehlgens. Seine Vorgänger forschten immer wieder nach, befragte unter anderem einen Sangesbruder mit Namen Edward Keiser, der auch den ersten Kassenabschluss unterzeichnete hatte. Von dem ist überliefert, dass sich im Herbst 1881 junge Leute in einem Holzschuppen neben der Gastwirtschaft Winkhaus zusammengefunden hatten und den MGV Dahle aus der Taufe hoben. In dem erwähnten Holzschuppen hatte der Wirt Winkhaus notdürftig seine Gastwirtschaft untergebracht, weil sein Wohnhaus, das bei dem großen Brande am 28. August 1880 auch niedergebrannt war, noch nicht wieder aufgebaut war.

Ganz Dahle brannte nieder

 In diesem Jahr wurden 90 Prozent aller Dahler Häuser ein Raub der Flammen. Stehlgens hat sich intensiv mit der Historie „seines Vereins“ auseinandergesetzt, kann viel und humorig erzählen. Etwa von den verschiedenen Dirigenten des Vereins, die fast allesamt Lehrer im Ort waren. „Ein Novum war sicherlich auch, dass uns Werner Fleite aus Letmathe bis zuletzt als Chorleiter begleitet hat. Er stand unserem Chor immerhin 53 Jahre ununterbrochen als Chorleiter vor.“ Namen sind Nachrichten: Und so nennt Stehlgens Hans Ludwig Knipp (30 Jahre Vorsitzender der Sänger) ebenso wie die Fabrikanten Wilhelm Grefe und seinen Sohn Wilhelm Grefe jr., die viele Jahre als Schirmherrn und aktive Förderer des MGV Dahle aktiv waren. „Wir haben ihnen viel zu verdanken.“

Dank an Fabrikantenfamilie Grefe

Dass 1981, zum 100. Geburtstag, NRW-Kultusminister Jürgen Girgensohn dem Chor die Zelterplakette verlieh, dass es einen eigenen Damen-Wanderclub im Männergesangverein gab und vieles mehr: Gerd Stehlgens lässt kaum etwas aus. Wichtig ist ihm nur noch festzustellen, alles habe eben seine Zeit. „Da muss man schon ehrlich bleiben und auch so handeln.“

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare