36 Flüchtlingskinder lernen zunächst Deutsch / Große bürokratische Hindernisse

36 Flüchtlinge besuchen das Burggymnasium

BGA-Lehrer Marcel Weber-Helms, Oberstudiendirektor Hans-Ulrich Holtkemper und Nicole Möhling (Stellwerk) (v.l.) helfen mit den BGA-Schülern Monique Worf und Huma Cheema (r.) jungen Flüchtlingen bei den Hausaufgaben-Übungen. Foto: Bonnekoh

Altena - „Wir schaffen das!“ – Dieser legendäre Satz von Kanzlerin Dr. Angela Merkel im Angesicht der Flüchtlingsströme wird bereits seit dem Ende der Sommerferien vor Ort gelebt. Zum Schuljahresbeginn 2015/16 wurden dem Burggymnasium (BGA) drei Flüchtlinge mit eritreischen Wurzeln und sechs aus Albanien zugewiesen.

In Kürze werden weitere junge Leute aus Syrien und Afghanistan an der Bismarckstraße eintreffen. Dann hat die Schule insgesamt 36 Flüchtlingskinder, die in zwei Integrations-Klassen á 18 Personen beschult werden. Darunter auch zwei Personen, die zum Kontingent der 100 Menschen gehören, die Altena zusätzlich aufgenommen hat.

„Eine Mammutaufgabe, sie zu integrieren“, sagt Schulleiter Hans-Ulrich Holtkemper. Doch das klingt kein bisschen resignierend, auch wenn sich der Oberstudiendirektor manchmal vorkommt, wie in einem Labor. „Es gibt halt noch keine oder nur ganz wenige Strukturen im schulischen Umgang mit Flüchtlingen, wir sagen Migranten“, so der Altenaer.

Dabei ist „seine Europaschule“ schon lange „kunterbunt.“ Unter den heute exakt 870 Burggymnasiasten befinden sich bereits seit Jahren Kinder aus England, der Türkei, Spanien, Italien, Polen und Russland, die das Abitur anstreben. Warum muss das BGA die Flüchtlingskinder aufnehmen? Holtkemper: „Am Ort gibt es die Aufteilung, dass wir uns um die Integration kümmern, die anderen weiterführenden Schulformen vornehmlich um die Inklusion.“

Wenn der Pädagoge auf seine „ersten“ Flüchtlinge zu sprechen kommt, klingt Betroffenheit durch. Die drei aus Eritrea hätten Schreckliches durchgemacht. Nur der Junge, heute 17 Jahre alt, sei in Eritrea geboren. Seine beiden Schwestern, 14 und 16, kamen der Flucht zur Welt.

Flüchtlingskinder werden nach einer Beratung im Integrationszentrum des Märkischen Kreises und einer obligatorischen Untersuchung, ob sie überhaupt schultauglich sind, dem BGA zugewiesen. „Wir legen den absoluten Schwerpunkt darauf, dass sie schnell Deutsch lernen. Das BGA könne gewährleisten, dass mindestens 12 Wochenstunden intensiv Deutsch vermittelt werde. Das bewerkstelligen Kollegen, die mehr tun, als sie müssen. Da helfen auch Schüler der Oberstufe den „Neuen“ sowie Ehrenamtler vom Stellwerk. Bereits nach drei, spätestens nach sechs Monaten, sei Sprache kaum noch ein Problem. Holtkemper wird in Kürze über die Stadt einen Bufdi-Mitarbeiter (Bundesfreiwilligen-Dienst) als Unterstützung erhalten und eine neue Lehrkraft, die auch über die so genannten DaF- beziehungsweise DaZ-Zertifikate verfügt. Die Kürzel stehen für „Deutsch als Fremdsprache“ und „Deutsch als Zweitsprache“. Geht alles nach Plan, soll die Lehrerin bereits am 16. November ihren Dienst beginnen. Es sei schwierig, ankommende Kinder leistungsmäßig einzuordnen. Man müsse sich auf ihre Aussagen beziehungsweise die der Eltern verlassen. Gewöhnlich stufe man sie zum Wohl des Kindes um eine Klasse zurück.

Nach den beiden Integrationsklassen á je 18 Kindern werden die Mädchen und Jungen, wenn sie halbwegs deutsch sprechen und verstehen, in den Regelunterricht wechseln. Bei Fächern wie Musik, Kunst oder Sport sei das kein Problem. Probleme gibt es eher mit den wissensvermittelnden Fächern. Denn der Intensiv-Deutsch-Unterricht geht weiter. Weil fast alle Jahrgänge am BGA vier- oder fünfzügig laufen, ist geplant, jeweils nur ein oder zwei Flüchtlingskinder gemeinsam in eine Regelklasse zu integrieren. Alle Flüchtlingskinder, die bisher an der Schule sind, beschreibt Holtkemper als „aufgeschlossen und sehr lernbereit“. Es gebe aber auch Fälle – offenbar mentalitätsbedingt – die noch „normale“ deutsche Tugenden erlernen müssten. Schmunzelnd nennt Holtkemper beispielsweise das Einhalten der Pünktlichkeit.

Froh und dankbar ist der BGA-Chef über den Rückhalt im Kollegium, der Elternschaft und vieler Kümmerer aus der Stadt. „Besonders die Schüler aus der Unterstufe fragten häufig, ,dürfen wir die Flüchtlinge auch mal nach Hause einladen?’ Das finde ich einfach klasse.“

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