Schmerzvolle Personaleinschnitte / Neue Ärzte / Investitionen

Licht und Schatten über dem St. Vinzenz Krankenhaus

St. Vinzenz: Das Haus habe viel Potential - sagt der neue Geschäftsführer über die Einrichtung.

Altena - Für Michael Kaufmann ist „aufräumen“ angesagt. Damit umschreibt der neue Chef des St. Vinzenz Krankenhauses sein derzeitiges Wirken im Haus.

Dass er in der Stadt deshalb mit „Gerüchten, Unterstellungen und unwahren Behauptungen“ überzogen und konfrontiert wird – „ich kann damit leben!“ Seit dem 24. Februar hat er als Geschäftsführer der Lenne-Kliniken GmbH offiziell „das Ruder“ an der Bornstraße in der Hand. Alle nötigen Genehmigungen des Landes lägen für das Krankenhaus vor, die so genannten Feststellungsbescheide für das Pflegeheim und Gesundheitszentrum würden kurzfristig erwartet. Es sei richtig, dass es schmerzvolle Personaleinschnitte gegeben habe, sagt Kaufmann. 

Michael Kaufmann ist neuer Geschäftsführer des St. Vinzenz Krankenhauses Altena.

Stichworte dazu: Die vom Haus ausgesprochene fristlose Kündigung eines Chefarztes, die Beurlaubung der Pflegedienstleiterin und des Pflegedirektors. Aber auch der Weggang der beiden Haustechniker, der ersten Buchhaltungskraft, das Ausscheiden der langjährigen Chefsekretärin – nur auf diese Personalien geht Kaufmann kurz ein. Vehement widerspricht er aber, der ehemalige Vinzenz-Geschäftsführer Dirk Wiese, der noch die Insolvenz abwickeln muss, habe von ihm Hausverbot erteilt bekommen.

Insolvenz abwickeln

„Wir haben Herrn Wiese ein Büro im Haus zur Verfügung stellt“, sagt er. Kaufmann stellt fest, das sowohl der neue Kooperationspartner des Hauses, Plettenberg, als eben auch Altena, „nervös sind. Wir müssen Ruhe hineinbringen. Aufarbeiten. Spätestens Ende 2017 möchte ich wieder allen Mitarbeitern die ihnen zustehenden Tarifgehälter zahlen, alles wieder in einen vertrauensvollen Zustand zurückversetzt haben.“ 

Offener Umgang soll helfen

Helfen soll dabei ein offener Umgang mit dem Personal, aber ganz besonders auch mit ehemaligen Spitzenkräften. Dr. Rüdiger Balbach wurde bekanntlich sofort nach dem Wechsel als ärztlicher Direktor mit ins Boot geholt und ist seitdem fast täglich im Haus. Jetzt soll Dr. Baumeister dabei helfen, einen neuen Chefarzt für die Chirurgie zu finden. Andere, Ärzte wie Dr. Richter sollen möglichst noch etwas Arbeitszeit anhängen oder ebenfalls zeitweise mitarbeiten. „Wir wollen das Krankenhaus weiterführen, setzen auf Zusammenarbeit“. 

Kassenarztsitze am Ort erhalten

Dass in der Stadt anderslautende Gerüchte kursieren, weiß Kaufmann wohl und dementiert energisch: „Es bewusst vor die Wand zu fahren macht doch gar keinen Sinn. Dann hätte ich doch einfach gar nichts tun müssen“. Ein wichtiges Instrument zur Konsolidierung ist dabei für ihn, Kassenarztsitze am Ort zu erhalten. So bemühe er sich beispielsweise, den frei gewordenen Platz von Kinderarzt Marcus Bock in das Gesundheitszentrum Altena (GZA) zu übernehmen. 

Viele Ärzte scheuten sich heute vor dem Betreiben einer eigenen Praxis. Man könne sie anstellen, kooperieren und sie dann in die Selbständigkeit entlassen, wenn sie das wollten, meint Kaufmann Auf breitere Beine gestellt habe man die Untersuchungsmethoden mit dem CT.

Untersuchungsmethoden

 Die Auswertung der Aufnahmen erfolgt seit heute nicht mehr in Iserlohn, sondern durch einen Verbund von 44 Medizinern. „Das erhöht die Kompetenz der Diagnostik.“ Vom Medizinischen Dienst des Kreises möchte sich Kaufmann in Kürze den Stand der medizinischen Versorgung im Haus und in der Pflegeeinrichtung amtlich attestieren lassen. Denn, auch das verhehlt er nicht, in Altena seien viele, zu viele Fehler passiert. „Ich möchte einen Betondeckel über die Vergangenheit machen, nach vorne schauen.“ Dabei sollen ihm Personen wie Dr. André Scholz aus Altena helfen. Vorrang hätten die Ambulanzen, das ständige Vorhalten eines Notarztes, die Zusammenarbeit mit Plettenberg und weiteren Häusern der Region wo immer sie möglich sei und Sinn mache und eben die Stärkung des Gesundheitszentrums.

Viel Potential

 „Das St. Vinzenz Krankenhaus hat Potential. Wir wollen wieder Zug drin haben. Jeder Patient, der zu uns kommt, hat Anspruch auf eine gute Versorgung, zumindest aber Diagnose. Auch wenn wir nicht alles machen können oder werden, wir weisen Wege.“ Sichtbares Zeichen des neuen Aufbruchs: Das Anlegen von vier neuen Patientenzimmern und die Erhöhung der Platzzahl im Pflegeheim. „Ich setze auf das Personal, von dem ich viele noch von meiner ersten Tätigkeit hier am Ort kenne. Ich verspreche: Wir bringen wieder Ruhe rein, Strukturen, Know How und werben dabei auch gezielt um neue Fachärzte.“

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