Dr. Rüdiger Balbach nicht mehr ärztlicher Direktor

Berater des St.-Vinzenz-Krankenhauses ziehen sich zurück

Das St.-Vinzenz-Krankenhaus soll Haus der Grundversorgung bleiben. Darin sind sich alle einig. Unterschiedliche Auffassungen gibt es darüber, wie das gelingen kann.

Altena - Dr. Rüdiger Balbach gibt das Amt des ärztlichen Direktors ab. Thomas Diedrich, Einhard Pflüger, Heinz Jürgen Schwermer und Thomas Steinigeweg stehen dem St.-Vinzenz-Krankenhaus mit sofortiger Wirkung nicht mehr als Berater zur Verfügung. Das gaben sie am Donnerstag bekannt.

Nachdem die schweizerische Palanx AG das Haus erworben und Michael Kaufmann die Geschäftsführung übertragen hatte, holte der alte Bekannte ins Boot: Der längst pensionierte Arzt Balbach kennt das Haus wie kein zweiter und sollte sich um die medizinischen Belange kümmern, was er auch mit vollem Engagement tat. Pflüger und Co. bildeten über Jahre den Aufsichtsrat, als das St. Vinzenz noch der katholischen Kirche gehörte. 

Kaufmann holte sie ins Boot, um Verbundenheit mit der Stadt zu demonstrieren. Mit vollem Einsatz hätten er und seine Mitstreiter sich in den Wochen nach der Übernahme für das Krankenhaus engagiert, schilderte Pflüger am Donnerstag. Dass sie sich jetzt zurückzögen, liege an „unterschiedlichen Ansätzen bei der Beurteilung der Zukunft des St.-Vinzenz-Krankenhauses und bei dessen Fortführung im Verbund mit dem Krankenhaus Plettenberg“.

Fortführung im Verbund

Dabei geht es vor allem um die Ärzteversorgung: Wie berichtet, nehmen Anästhesisten und Chirurgen des Plettenberger Hauses neuerdings auch Aufgaben in Altena wahr. Welche finanziellen Folgen das für die beiden Häuser hat, schilderte Michael Kaufmann unlängst dem Plettenberger Rat: Dem dortigen Krankenhaus entstünden durch diese Regelung Mehrkosten in Höhe von 60.000 Euro. Berechnet würden dem Haus in Altena dafür allerdings 220.000 Euro.

Momentan sind im Krankenhaus mehrere Arztstellen nicht besetzt. Jens Linderhaus kündigte bereits vor dem Eigentümerwechsel von sich aus. Ein neuer Chefarzt für die innere Abteilung ist bis heute ebenso wenig gefunden wie ein Geriater. Dem Chefarzt der Chirurgie, Dr. Dirk Ernst, wurde von der neuen Geschäftsführung gekündigt, auch diese Stelle ist vakant. Zum Monatsende verlässt auch Dr. Matthias Richter das Krankenhaus. Ausgeschrieben ist keine einzige der offenen Stellen: Die alte Homepage des Krankenhauses ist abgeschaltet, ihre Besucher werden auf die Seite der Lennekliniken, der neuen geschäftsführenden Gesellschaft, weitergeleitet.

Eigentümerwechsel

Dort heißt es, wegen des laufenden Eigentümerwechsels würden derzeit keine Stellen ausgeschrieben. Gleichwohl würden „nach Vollzug des Eigentümerwechsels fleißige und motivierte Mitarbeiter“ gesucht. Dass es am Krankenhaus zu wenig Ärzte gibt, dementierte Kaufmann am Donnerstag energisch. Es seien im St. Vinzenz heute doppelt so viele Fachärzte tätig wie 2009, als die Kirche die Trägerschaft abgab. 

Und: Es würden nur noch halb so viele Patienten behandelt wie damals. Gerade angesichts der wirtschaftlichen Schwierigkeiten des Hauses müsse klar sein, dass die Personalkosten im Auge behalten werden müssten. Kaufmann berichtete aber auch, dass er zurzeit vielversprechende Personalgespräche führe und in Kürze neue Ärzte vorstellen werde.

Meinungsverschiedenheiten

Kaufmann räumte ein, dass es zwischen ihm und den Beratern Meinungsverschiedenheiten gegeben habe. Er sprach in diesem Zusammenhang von „Befindlichkeiten“. Unter anderem sei es um Kompetenzfragen gegangen. Außerdem sei erwartet worden, dass es innerhalb kürzester Zeit zu gravierenden Verbesserungen komme. „Ich bin aber keiner, der weiße Kaninchen aus dem Hut zaubern kann“, sagte Kaufmann. 

„Zeit und Ruhe“ seien notwendig, um das Krankenhaus in sicheres Fahrwasser zu bringen. Mit Kaufmann sei man sich darin einig, dass alles nur Mögliche versucht werden müsse, das Krankenhaus als Haus der Grundversorgung zu erhalten, sagte Pflüger. Er schließe auch nicht aus, dabei erneut eine Rolle zu übernehmen, wenn sich bestimmte Rahmenbedingungen verändert hätten.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare