Plantage hätte 180 000 Euro Jahres-Ertrag abgeworfen / Verhandlung wird noch fortgesetzt

In Rathaus-Sichtweite Marihuana angebaut

Noch ist nicht zu Ende verhandelt: Weitere Zeugen sollen vor Gericht erscheinen.

Altena - In einem Haus an der Bismarckstraße in Altena, in Sichtweite des Rathauses, richtete mindestens ein Gartenfreund ab Oktober 2013 eine Marihuana-Plantage von erheblichen Ausmaßen ein.

Die Polizei stellte in der 150-Quadratmeter-Wohnung alles sicher, was zum Gedeihen der Hanfpflanzen gebraucht wird: Beleuchtungskörper, eine Bewässerungsanlage, Filteranlagen und nicht zuletzt 255 Pflanzen in verschiedenen Wachstumsstufen. Die Beamten rechneten und kamen auf einen möglichen Ertrag von 18 Kilogramm Marihuana jährlich. Bei einem Verkaufspreis für Kleinstmengen von zehn Euro pro Gramm ergibt sich so ein möglicher Jahresumsatz von 180000 Euro. Der oder die Täter hatten dafür auch ordentlich investiert: Etwa zehntausend Euro habe die gesamte Anlage gekostet, rechnete der längst verurteilte Haupttäter gestern im Amtsgericht Lüdenscheid vor. Dort sollte er als Zeuge die Frage klären, ob er all das tatsächlich auf eigene Rechnung und ohne die Unterstützung weiterer Mittäter gestemmt hatte.

Auf der Anklagebank saß ein mutmaßlicher Komplize, der zu der ganzen Geschichte hartnäckig schwieg: Der 32-jährige Neuenrader soll tatkräftig bei der Pflege der Plantage geholfen haben. Der längst verurteilte Zeuge und Mieter der Wohnung (33) gab alles, um die Beteiligung des 32-Jährigen zu bestreiten. Dieser habe ihm lediglich beim Einzug in die Wohnung geholfen. Das in diversen Kisten verpackte Zubehör für die Plantage habe der Angeklagte nie zu Gesicht bekommen, behauptete der Zeuge. „Nach dem Umzug ist er nicht mehr in der Wohnung gewesen.“

Um ihn nachhaltig fernzuhalten, habe er sich eine Geschichte ausgedacht: Seine neue Freundin sei mit zwei Kindern die Hauptmieterin der Wohnung, und auf dieser Grundlage habe es viele Gründe gegeben, den Angeklagten nicht hereinzulassen – von „Die Wohnung ist nicht aufgeräumt“ bis „Eines der Kinder ist krank“. „Warum haben Sie das vor ihm geheim gehalten?“, wollte Richter Jürgen Leichter mit Blick auf eine einschlägige Vorstrafe des Angeklagten wissen. „Weil das eine illegale Sache war“, entgegnete der Zeuge. „Es sollte ein Geheimnis sein – nichts, was man unter Freunden herumerzählt.“

Aussagen weiterer Zeugen machten allerdings deutlich, dass die Plantage wohl nicht nur einen Gärtner hatte. Ob es aber der Angeklagte war, der in der begrünten und stark duftenden Wohnung aus und ein ging, blieb am ersten Verhandlungstag offen. Zur Fortsetzung sollen weitere Zeugen geladen werden. - von Thomas Krumm

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