Ein Raunen, als Foto Hess zu Boden geht:

Historischer Bildervortrag mit Ulrich Biroth

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Ulrich Biroth wusste sein Publikum zu verblüffen.

Altena - Den emotionalsten Moment, den hatte Ulrich Biroth sich bis zum Schluss aufgehoben bei seinem historischen Bildervortrag über das alte Altena.

Die Aufnahme zeigt das stadtbildprägende Foto Hess-Gebäude in jenem Moment, wo das Obergeschoss des Hauses zu Boden fällt. „Damit ist uns ein Universum an Stadtmotiven verloren gegangen...“ In dem meisten Altenaer Haushalten dürften sich noch Bilder mit der Hess-Signatur finden. Als das Gebäude fiel, hatte es niemand leergeräumt. Nicht nur Kreisarchivar Ulrich Biroth blutet das Herz beim Anblick des Abbruchbilds, sondern jedem Bürger, der das architektonisch einzigartige Bauwerk kannte. Alles vom historischen Altena ist allerdings nicht verloren gegangen, wie der Vortragsabend am Donnerstag in der Burg Holtzbrinck eindrucksvoll beweisen konnte. 40 Gäste waren gekommen, um Ulrich Biroth zu lauschen.

40 Gäste dabei

Das 40-köpfige Publikum folgte interessiert den Ausführungen.

 Der hatte Aufnahmen von Altena mitgebracht, die es auch Ureinwohnern der fünften Generation schwer macht, manchen Ort zu erkennen: Das Mühlendorf: In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein einziger Kleingartenverein ohne nennenswerte Bebauung. Die Altenaer zog es in die Nette, von der man heute noch annimmt, sie sei eng bebaut. „Ist sie gar nicht!“ bekam jener Silberschmied, der den Holländer gebaut hatte, zu hören, als er das Gebäude bei der Stadt gegen ein komfortabler gelegenes Objekt eintauschen wollte. Noch heute flucht mancher Autofahrer über die Engstelle am Apollo-Kino. Und würde ausrasten, wenn er auch noch über die Kleinbahnschienen rattern müsste... Platz für einen kleinen Park, wie sich ihn fast jeder Fabrikant auf seinem Werksgelände gönnte, gab’s in der Nette kaum. Am Werk Basse & Selve am Linscheid wurde gar Fußball gespielt.

Fußball gespielt

 „Und Altenas Image wurde auf Briefköpfen und Postkarten massiv geschönt!“ weiß Ulrich Biroth. Die schönen Ecken eines jeden Ortsteils wurden gerafft und aufgehübscht, Schlichtbauten als Paläste dargestellt. „Manches ist im Laufe der Zeit aber auch massiv zum Verkommen verdammt worden“, findet Ulrich Biroth. Bis heute wird viel gemotzt, dass der alte Bungern abgerissen wurde. „Aber sehen Sie sich die Bilder an: Hätten Sie dort noch wohnen wollen?“ Auch Altenas Innenstadt hat gelitten innerhalb eines Jahrhunderts. Dass es lange Zeit keine Gestaltungsvorschriften für Neubauten in den Baulücken gab, ist ihr bis heute anzusehen. Wie mit unattraktiv gewordenen Nutzbauten umgehen kann, zeigt heute die Baugesellschaft am Breitenhagen: Sie trennt sich aktuell von den in den 60er Jahren billig hochgezogenen Wohnungen für Flüchtlinge und reißt diese Häuser ab. So kahl, wie das Wohngebiet einst war, wird es trotzdem nie mehr werden im Stadtteil. Ulrich Biroth hat in den letzten drei Jahren tausende Fotos und Glasplatten digitalisiert, vieles ist noch nicht identifiziert.

Online-Datenbank

Deshalb wirbt er auch fleißig für die neue Online-Datenbank auf der Homepage des Märkischen Kreises: „Helfen Sie mit. Und werfen sie Ihre Nachlässe bitte nicht weg!“

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