Rainer Merz zaubert mit der Säge Kunstwerke

Rainer Merz in seinem Bastelzimmer. Dort verbringt er manchmal mehrere Stunden am Tag. Foto: Hornemann

Altena - Das Kreative, das hat ihm gefehlt im Ruhestand. Daraus macht Rainer Merz, der 50 Jahre als Konditor an der Bahnhofstraße gearbeitet hat, keinen Hehl. Die gleiche Kreativität, die er einst in die Herstellung von Hexenhäuschen aus Schokolade gelegt hat, findet nun Anwendung an der Laubsäge, mit deren Hilfe in der Vorweihnachtszeit viele Krippen entstanden sind.

Mancher Gast war im Laufe der Jahre sichtlich gerührt, wenn Rainer Merz eine kreative Leckerei mit persönlicher Note aus seiner Backstube heraus trug. Jetzt sind es Werke der Dekupiersäge, die im Familien- und Bekanntenkreis solche Glücksmomente hervorrufen.

Letztens war es ein befreundeter Afrika-Tourist, dem Rainer Merz eine Safari-Szene mit individueller Lodge zum Geburtstag schenkte. Und auch die selbstgebaute Arche mit Laderampe und 16 Tierpaaren für die Enkelkinder kam bei Hannah und Jule hervorragend an.

,,Jetzt produziere ich Dinge, die bleiben!“ freut sich Rainer Merz. Natürlich hat er sich bei manchem Cafégast durch seine Konditortätigkeit im Geschmacksgedächtnis verewigt, doch die süßen Kreationen hatten nun mal keinen bleibenden Charakter, wenn man mal vom Hüftgold absieht.

Heute ist es meist Ehefrau Doris, die in der heimischen Küche backt. Sie sieht ihren Mann in intensiven Schaffensphasen kaum noch. Bis zu acht Stunden verbringt Rainer Merz in seiner Werkstatt im Obergeschoss des Hauses. „Jetzt ist mein Materiallager erstmal fast leer und ich lege eine Pause ein“, erklärt er lachend.

Angeeignet hat er sich das Sägen in kürzester Zeit. Linda Papenfuß unterstützte ihn mit Rat, Tat und ihrer guten Säge, die sie Rainer Merz während einer Urlaubsreise überließ. Das war zu Jahresbeginn – und seither konnte der Unruheständler nicht mehr aufhören.

Entstanden sind zwischenzeitlich schmückende Thermometerhalterungen für die Außenwand, Lichterbögen in vielen Variationen, eine goldige Elchparade, zahlreiche Kleinfiguren und noch vieles mehr. Das Sägen erfordert Geduld und Präzision - ,,beides habe ich ja im Berufsleben auch gebraucht“, so Merz.

Sperrholz, Leimholz, Pappel, Fiche, Tanne und Buche sind seine liebsten Werkstoffe. Nur für winzige Korrekturen benutzt er das Schnitzwerkzeug. Persönlich mag er die naturbelassenen Arbeiten am liebsten. „So, wie man sie im Erzgebirge in jedem Haushalt finden kann. Das habe ich mir 2014 mit meiner Frau auch vor Ort angesehen.“

Mittlerweile experimentiert der Hobbykünstler auch mit Lichterketten und LED-Schläuchen, um direkte und indirekte Leuchteffekte in seine Kunstwerke zu zaubern. Manchen Auftrag aus dem Bekanntenkreis hat er schon verwirklicht, jüngst war Weihnachtsmarktpremiere in Nachrodt. Das soll aber die Ausnahme bleiben:

„Wer sich meine Arbeiten ansehen möchte, der kann mich anrufen und mich besuchen“, erklärt Rainer Merz. Denn bei Kaffee und Plätzchen mit Leuten ins Gespräch zu kommen, das schätzt der Konditormeister im Ruhestand noch immer sehr.

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