Konditorenmeister a. D. für Geschäftsnachfolge

Rainer Merz: „Es gibt keine Denkverbote“

Rainer Merz im Jahr 2012 kurz vor der Übergabe der Kontidorei: Über 30 Jahre hat er in der Backstube gestanden.

Altena - „Meine Frau Doris und ich sehen im sanierten Bahnhof, seinem Umfeld und dem bald kommenden Lennepark vielversprechende Veränderungen im Stadtbild. Das birgt für uns die Hoffnung, das der Standort des Café-Konditorei Merz deutlich aufgewertet wird.“ Das sagt Rainer Merz, Konditormeister im Ruhestand.

Deshalb sieht er – wie seine Ehefrau – auch relativ gelassen in die Zukunft. Auch, wenn der Pachtvertrag mit seiner Nachfolgerin, Konditorenmeisterin Silvia Cleemann, bekanntlich zum 30. Juni ausläuft.

Die Betroffenheit über diesen Schritt sei allgemein groß, diese Erfahrung habe er in zahlreichen Gesprächen gemacht, sagt der fast 70-Jährige. „Aber“, so fügt er in bekannt kämpferischer Manier an: „Wenn eine Tür geschlossen wird, geht eine andere Tür auf!“ Er könne sich nicht vorstellen und werde sich auch nicht damit abfinden, die Schaufenster im Sommer mit Zeitungspapier zu bekleben und dann mit einem Leerstand leben zu müssen. „Das wäre für uns wie für alle zufriedenen Kunden und Gäste die Höchststrafe.“

Rainer Merz setzt zurzeit alles daran, die Nachfolge im Geschäft zu regeln. Warum er sich jetzt zu Wort meldet? Ihm und seiner Frau habe die Initiative von Maria Ana Sypli sehr imponiert, die bekanntlich zum 1. Februar die verwaiste Kantine im Finanzamt am Winkelsen neu übernommen hat. „Vielleicht“, so orakelt der Konditormeister a.D., „hat eine junge Frau, ein Team, schon lange den Traum, ein eigenes Café zu betreiben und ist auf der Suche nach Möglichkeiten?“

Er selbst schaltet wieder Inserate in Fachzeitungen, sucht den Kontakt zur Betriebsbörse der Handwerkskammer und führt Gespräche, wo immer die Möglichkeit dazu besteht.

Es sei schwierig, althergebrachtes und Tradition zu erhalten, sagt der ehemalige Geschäftsmann. Und die Kündigung, die ihn und seine Frau erreicht habe, sei für sie beide, aber auch für Silvia Cleemann, alles andere als leicht. „Glauben Sie uns: Für beide Teile ist es schwierig, mit dieser Situation fertig zu werden.“

Mit der scheidenden Pächterin habe er vor vier Jahren eine Vereinbarung getroffen und deshalb stelle er auch im Namen seiner Frau fest: „Wir werden das Begonnene mit Anstand zu Ende bringen.“

Silvia Cleemann habe mit ihrem Team eine gute Leistung erbracht, die geprägt gewesen sei von Fleiß und Willensstärke. „Schade ist, dass sie mithin über Gebühr kritisiert wurde und wird.“ Und Rainer Merz fügt traurig an: „Manchmal auch deutlich unter der Gürtellinie. Das gehört sich nicht.“ Als Handwerksmeister mit jahrzehntelanger Erfahrung könne er feststellen: „Ihre fachlichen Fähigkeiten und Fertigkeiten liegen deutlich über dem Durchschnitt.“

Was soll denn nun aus dem Café Merz werden? „Meine Frau und ich wollen und müssen zeitnah eine andere Lösung finden. Dabei gibt es für uns beide keine Denkverbote. Wir planen in mehrere Richtungen.“

Rainer Merz: „Wir gehen mit viel Zuversicht, aber auch Gelassenheit in die Zukunft. Nur eines stelle ich klar: Eine Rückkehr unter unserer Regie kann es auf Grund unseres Alters nicht geben“. Merz wird in diesem Jahr 70, seine Frau ist fünf Jahre jünger.

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