Prozess vor dem Hagener Schwurgericht

Brandanschlag in Altena: Initiative sei von Dirk D. ausgegangen

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Der 25-jährige angeklagte Feuerwehrmann sitzt am Dienstag in Hagen im Landgericht mit einem Aktenordner vor dem Gesicht im Gerichtssaal neben seinem Anwalt Andreas Trode.

[Update, 18.20 Uhr] Hagen/Altena - Schwere Brandstiftung oder versuchter Mord? Das ist die Frage, die das Schwurgericht in Hagen zu klären hat. Es verhandelt seit Dienstag gegen die beiden Altenaer Marcel N. und Dirk D.  Zum Prozessauftakt hat sich zunächst der Hauptangeklagte Dirk D. vor dem Hagener Schwurgericht geäußert - und die Tat gestanden. Anschließend äußerte sich Marcel N.

Gut eine Stunde lang sagte der 25-jährige Feuerwehrmann Dirk D. am Dienstagvormittag vor der Kammer des Schwurgerichts Hagen aus. Dabei gab er zu, dass Feuer im Dachstuhl Mehrfamilienhauses an der Brandstraße im Stadtteil Buchholz gelegt zu haben. 

Die Tat habe er am 2. Oktober bei einem Treffen in der Innenstadt mit Marcel N. vereinbart. Abends füllten sie an einer Tankstelle einen Benzinkanister, anschließend zockten sie gemeinsam mit Bekannten an der Playstation. Gegen 23 Uhr drangen beide dann in das Haus ein, schlichen auf den Dachboden und legten dort Feuer.

Die Folge war ein Schwelbrand, der erst Stunden später entdeckt wurde – von Nachbarn, die umgehend Ds. Vater, einen aktiven Feuerwehrmann, informierten. Der habe ihn dann angerufen, schilderte D. gestern vor Gericht. Er sei umgehend zu dem Haus geeilt und habe sich vergewissert, dass alle Bewohner in Sicherheit gewesen seien. Anschließend habe er den Notruf gewählt. 

Anschließend folgte bis zum Mittag die Einvernahme des zwei Jahre jüngeren Mitangeklagten Marcel N. Seine Aussage zur Tat deckte sich im Großen und Ganzen mit den Ausführungen von Dirk D. Die Initiative zur Tat sei laut Marcel N. von Dirk D. ausgegangen. Er habe mitgemacht.

Ziel war es, das Haus unbewohnbar zu machen

Die Familie D. wohnt in unmittelbarer Nähe der Brandstraße, N. ist einige Kilometer entfernt zuhause. „Wir wolltem keinem Menschen schaden“, betonten beide Angeklagten, deren Aussagen bis auf einige Nuancen übereinstimmten. Ihr Ziel sei es gewesen, das Haus unbewohnbar zu machen – aus Angst vor Flüchtlingen. In den Medien und im Internet sei so viel von Übergriffen durch Flüchtlinge zu lesen gewesen, dass sie Angst um ihre Freundinnen und um ihr Eigentum gehabt hätten. 

Hier hakte die Vorsitzende Richterin Heike Hartmann-Garschhagen nach: Ob es dann nicht naheliegender gewesen wäre, das Haus schon vor dem erst am Vortag erfolgten Einzug von zwei Flüchtlingsfamilien anzustecken, wollte sie von den Angeklagten wissen. Beide hatten angegeben, schon länger gewusst zu haben, dass das Objekt für Asylbewerber hergerichtet werde. Eine Antwort auf die Frage der Richterin blieben sie schuldig.

Opfer leiden bis heute unter Angstzuständen

Angehörige einer der beiden Familien, die zur Tatzeit in dem Haus lebten, treten als Nebenkläger auf und werden unter anderem vom NSU-Opferanwalt Dr. Mehmet Daimagüler vertreten. Der nannte Dirk Ds. Einlassung „grotesk“. Der Angeklagte versuche, sich als Opfer darzustellen. Wer in einem alten Haus zündele, nehme den Tod der Bewohner bewilligend in Kauf. Die drei Mitglieder der Familie schilderten, dass sie bis heute unter Angstzuständen litten. 

Untersuchungshaft

Die Staatsanwaltschaft wirft Dirk D. und seinem zwei Jahre jüngeren Freund Marcel N. schwere Brandstiftung vor. Das Schwurgericht vertritt die Auffassung, dass auch eine Verurteilung wegen versuchten Mordes in Frage kommt und nahm die beiden Männer deshalb im Februar in Untersuchungshaft. Vor Prozessbeginn demonstrierten Aktivisten am Dienstagmorgen vor dem Gerichtsgebäude in Hagen gegen Rassismus.

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Dirk D. wird vom Iserlohner Rechtsanwalt Andreas Trode verteidigt. Lutz Mollenkott aus Hagen vertritt Marcel N. Drei Mitglieder einer von dem Brandanschlag betroffene Flüchtlingsfamilie sind als Nebenkläger zugelassen. Ihre Anwälte sind Jost von Wistinghausen (Swisttal) und Dr. Mehmet Daimagüler aus Berlin, der auch im derzeit laufenden NSU-Prozess als Opferanwalt tätig ist.

Das Gericht hat insgesamt zwölf Verhandlungstermine anberaumt. Nächste Woche wird am Dienstag und am Donnerstag verhandelt, weiter geht es dann erst am 20. Juni. Im Juli wird an fünf Tagen verhandelt, weiter geht es dann am 15. August. Die Urteilsverkündung ist für den 19. August geplant. 

Wir berichten weiter.

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