Zwangsarbeiter: Pinsker arbeiten Geschichte auf

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Monika und Ulrich Biroth unterstützten die Pinsker Austauschschüler und die Burggymnasiasten bei der Arbeit mit Originaldokumenten aus den Archiven.

Altena - Mit der Geschichte Pinsker Zwangsarbeiter in Altena befassten sich am Mittwoch, 18. März, die 22 Austauschschüler, die seit Samstag, 14. März, in der Stadt sind. Zusammen mit ihren Gastgebern vom Burggymnasium studierten sie Originalquellen aus Stadt- und Kreisarchiv.

Am Nachmittag begrüßte Hanna Freissler, stellvertretende Bürgermeisterin, die Weißrussen schließlich von offizieller Seite vor dem Burgaufzug.

Im Quellenworkshop zeigte sich: Echte Dokumente wirken viel eindrucksvoller als Sachtexte aus dem Geschichtsbuch. Unter Anleitung von Monika Biroth (Stadtarchiv), Ulrich Biroth (Kreisarchiv) sowie Lehrer Gregor Kertelge behandelten die Schüler aus den Klassen 9 und 10 die Situation der Zwangsarbeiter in Altena in den Jahren 1942 bis 1945.

Seit ihrem dritten Schuljahr lernen die meisten der Austauschschüler Deutsch, deshalb klappte es mit der Kommunikation in den Arbeitsgruppen reibungslos. Zwischendurch fielen ein paar Sätze auf Englisch oder Pinsker mit besonders guten Deutschkenntnissen übersetzten für ihre Klassenkameraden vom Weißrussischen ins Deutsche und umgekehrt – immer um Teamarbeit im Sinne des geschichtlichen Austausches bemüht. Im Ratssaal, in dem sich alle für die gemeinsame Arbeit getroffen hatten, herrschte ein geschäftiges, aber konzentriertes Arbeitsklima.

Fragen über Fragen: Wie kam es, dass auch Pinsker in Altena als Zwangsarbeiter eingesetzt wurden? Wie wurden sie untergebracht und ernährt? Was mussten sie durchmachen? Ulrich Biroth sagte dazu: „Es ist ein mittlerer Kulturschock für viele Schüler, zu sehen, was damals passiert ist. Vor allem, weil viele der Zwangsarbeiter damals gerade einmal 16, 17 Jahre alt waren – also in dem Alter, in dem die Schüler selbst gerade sind.“ Originaltexte von ehemaligen Zwangsarbeitern in beiden Sprachen berührten die Schüler sichtlich.

Die Archivare erklärten, was Stadtarchiv und Kreisarchiv leisten, und auch, dass bei vielen Quellen Vorsicht geboten ist: Jede Arbeit mit Dokumenten erfordere die kritische Frage, ob die jeweilige Quelle vertrauenswürdig ist.

Und ganz besondere Dokumente werden wohl den Grundstein für weitere deutsch-weißrussische Vernetzung und geschichtliche Aufarbeitung gelegt haben: Karteikarten mit Daten von Zwangsarbeitern. Die Austauschschüler haben sich vorgenommen, zurück in Pinsk mit Hilfe der Informationen Kontakt mit noch lebenden ehemaligen Zwangsarbeitern oder deren Angehörigen aufzunehmen.

Wie freundschaftlich das Miteinander zwischen Pinskern und Altenaern ist, betonten Hanna Freissler, stellvertretende Bürgermeisterin, sowie Lehrer und Schüler aus Weißrussland am Nachmittag beim Treffen vor dem Erlebnisaufzug. Begleitet von Ulla Klüppel vom Förderverein Altena-Pinsk, fuhren die Schüler mit dem Aufzug auf die Burg und sammelten dort viele Eindrücke.

Von Kristina Köller

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