Internationales Chorprojekt: Flüchtlinge singen „Kein schöner Land“

Noch hat die Gruppe syrischer Musiker keinen Namen, aber langfristig wollen sie noch viel mehr Sänger in ihren Reihen begrüßen. Alexander Schmitz hatte ihnen für ihren Auftritt am Sonntag auch Mikrofone installiert.

Altena - Es war ein bewegender Moment, als die sieben Frauen und Männer, die eben noch Heimatlieder aus Syrien gesungen hatten, ihre Stimme erhoben und „Kein schöner Land“ in die Burg Holtzbrinck trugen. Diese Szene im Café International wird die deutsch-syrische Völkerverständigung nachhaltig geprägt haben. Pianist Johannes Köstlin will mit einem internationalen Chorprojekt künftig noch mehr dieser Gänsehaut-Momente schaffen. Der Auftakt ist geglückt.

Um Anton Wilhelm Zuccalmaglio kommt man als Altenaer nicht herum. Seine liebevolle Ode an die Heimat, in Altena und Nachrodt-Wiblingwerde komponiert und täglich durch die Innenstadt schallend, hat bundesweite Berühmtheit erlangt. Auch in Syrien gibt es ähnlich bekannte Melodien, die das Heimatgefühl so mitreißend transportieren. Johannes Köstlin hat sie mit der musikalisch ambitionierten Flüchtlingsgruppe am Klavier einstudiert und am Sonntag im Rahmen des Cafés International vorgestellt.

„Wir haben es geschafft, mit Musik auch die Sprachbarriere zu überwinden“, erklärte der Kirchenmusiker. Wie, das veranschaulichte er dem großen Publikum deutlich, indem er alle zu einer lautmalerischen Vokalise verführte, die in einem vierstimmigen Kanon gipfelte.

Talente einbringen

Aktuell probt die noch namenlose internationale Musikgruppe im kleinen Kreis. „Langfristig wollen wir ein Chorprojekt gründen, in das sich jeder mit seinem gesanglichen und instrumentalen Talent einbringen kann“, so Köstlin. Damit stößt er etwas an, das von Kümmerern und Flüchtlingen als dringend notwendig erachtet wird: „Teilhabe am öffentlichen Leben!“, erklären Kümmerer wie Aurelia Greco und Dr. Mechthild Linden, die gemeinschaftlich die fünfköpfige Familie Al Issa betreuen. „Wir haben zusammen viel geschafft. Behördengänge, die Anmeldung der Kinder im Kindergarten... Die Wohnung ist mittlerweile ausgestattet, die Eltern im Deutschkurs untergebracht. Jetzt müssen wir sehen, dass der Familienvater, ein Maler, einen Job findet“, erklären die ehrenamtlichen Helferinnen. Den Menschen dürfe nicht daheim die Decke auf den Kopf fallen.

Grundgesetz in mehreren Sprachen

Solche Anliegen konnten am Sonntag auch der CDU-Bundestagsabgeordneten Christel Voßbeck-Kayser vorgetragen werden, die in die Burg Holtzbrinck gekommen war. Sie hatte Exemplare eines Buches dabei, in dem das Grundgesetz in mehreren Sprachen abgedruckt ist. „Es wird manchem leichter fallen, sich zunächst in seiner Muttersprache über Deutschland zu informieren“, so Christel Voßbeck-Kayser. Den Kindern überbrachte sie Malbücher und Stifte und informierte sich im Gespräch, wo die Flüchtlingsinitiative noch Hilfe benötigt. Ihr Eindruck: „In Altena geht es mit der Integration besser voran, als in anderen Kommunen. Das gilt insbesondere für die Willkommensklassen.“

Für junge Flüchtlinge bis 25 Jahre hat die Bundesregierung ein gesondertes Programm zur Arbeitsmarktsintegration gestartet, das Christel Voßbeck-Kayser am Sonntag im Gespräch mit den Stellwerkern erörterte. Die werden weiterhin zum Café International einladen. Denn eine größere Plattform zum Austausch gibt es in Altena nicht. „Viele Sorgen lassen sich lösen, wenn man darüber spricht!“, erklären viele Teilnehmer.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare