Patenschaft für das Marine-Schnellboot „Frettchen“ läuft aus

Schnellboot 76 meldet sich ab: Mit der Entscheidung der Bundesmarine, diese Bootsklasse außer Dienst zu stellen, endet die Ära der „leichten Kavallerie auf See“, wie die Boote auch beschrieben werden.

Altena -  Die Patenschaft der Stadt mit dem Schnellboot Frettchen der Bundesmarine steht vor dem Ende. Eine ähnliche Beziehung dürfte es nicht wieder geben. Damit geht ein Kapitel zu Ende, das 1966 aufgeschlagen wurde. „Das tut mir natürlich leid“, sagt dazu Bürgermeister Dr. Andreas Hollstein. Er erinnert daran, dass sich zahlreiche Altenaer seit Jahrzehnten in diese Patenschaft eingebracht hatten, dass vielfältige Freundschaften und Kontakte entstanden seien.

Es habe seit geraumer Zeit auch Bemühungen gegeben, Verbindungen zu einem andere Boot herzustellen, doch scheiterten diese Initiativen an den Vorstellungen der Bundeswehr, berichtet der Ratsvorsitzende. Patenschaften würde heute nur an Bundesländer oder Großstädte vergeben, was sicherlich auch damit zu tun habe, dass die Schiffseinheiten größer geworden sein.

Die vergleichsweise kleinen Schnellbote sind eine aussterbende Gattung. Er habe bis hinauf auf Ministeriumsebene geschrieben, doch letztlich die Erfahrung machen müssen, „dass da nichts zu machen ist.“ Dieser Abschnitt der jüngeren Stadtgeschichte geht also dem Ende zu. Es wird allerdings vom 30. September bis 2. Oktober eine letzte größere Veranstaltung in der Burgstadt geben, die sich dem 50-jährigen Bestehen der Patenschaft widmet.

Zu denen Vereinen, die die Patenschaft zuletzt getragen haben, zählen neben der Marinekameradschaft die Friedrich Wilhelms-Gesellschaft und das Technische Hilfswerk (THW). Urheber und treibende Kraft des Vorhabens sei aber damals die Marinekameradschaft gewesen, weiß Eckhard Kittendorf. Kittendorf baute nach 1973 die Frettchen-Kommission der Friedrich-Wilhelms-Gesellschaft auf. Er war damals gerade König geworden. Schützen-Hauptmann Otto Lüling sei ein Freund des Frettchens gewesen. „Sieh mal zu, dass wir da ein Bein reinbekommen“, habe ihm Lüling gesagt. Kittendorf, der auch aktiver THW-Mann war, holte letztlich auch das Hilfswerk mit ins Boot. „So ist es gelungen, die Patenschaft auf eine viel breitere Basis zu stellen. 

Ein Blick zurück: Die Vorläufer des heutigen Bootes waren das Schnellboot S76 (1942 bis 1945) und das erste Schnellboot Frettchen (1962 bis 1983) vom 7. Schnellbootgeschwader. Das letzte Boot stammte von der Werft Lürssen. Im Januar 1983 wurde es von Anna-Katharina Topmann, Frau des damaligen Bürgermeisters, getauft und elf Monate später in Dienst gestellt. 1999 wechselte das Boot zum 2. Schnellbootgeschwader und kehrte nach dessen Auflösung am im Juni 2006 wieder zum 7. Schnellbootgeschwader zurück. 

Beim UNIFIL Einsatz vor dem Libanon im April 2007 ereignete sich eine schwere Havarie mit dem Schnellboot Gephard. Eine erste Reparatur erfolgte vor Ort, dann erfolgte die Rückkehr in die Heimat und die Instandsetzung in der Peene-Werft Wolgast. Im Juli 2016 endet die Ära der Schnellboote bei der Bundesmarine und das Frettchen wurde außer Dienst gesetzt. Es handelte sich ein Schnellboot der Gepard-Klasse. Es gab natürlich weitere Patenschaften, bei denen einige der Städte in Nordrhein-Westfalen liegen. Insgesamt acht Verbindungen listet die Bundesmarine auf: Schnellboot „Ozelot“ Duisburg (NRW), „Wiesel“ Ratingen (NRW), „Hyäne“ (Verden, Niedersachsen) „Gepard“ (Röthenbach, Bayern), „Puma“ Uelzen (Niedersachsen) „Hermelin“, (Pirmasens, Rheinland-Pfalz), und „Zobel“ mit Bad Hersfeld in Hessen.

Der Umstand der Frettchen-Havarie sei es im Übrigen gewesen, der der Patenschaft eine gewisse Schonfrist beschert habe, erinnern sich sowohl Dr. Andreas Hollstein als auch Eckhard Kittendorf. Denn auf den Unfall folgte eine umfangreiche Wieder-Instandsetzung. „Da wurde das Schiff noch einmal auf den neuesten Stand gebracht“, sagt Kittendorf.

Das Boot ist am 30. Juni aus dem Fahrbetrieb genommen worden und liegt jetzt in Warnemünde. Die Mannschaft befindet sich nach Auskunft der Frettchen-Kommission derzeit noch an Bord. Kommandant ist Korvetten-Käpitän Arne Pfingst. Zum Ende des Jahres soll es noch eine Zeremonie zur offiziellen Außerdienststellung geben, weiß Kittendorf. „Das ist aber ein trauriger Akt.“

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