Ein Kleinod wird saniert

Eine Orgel ist wie ein Haus – Orgelbaumeister Thomas Wiggering benötigte nur wenige Stunden, um sich vollständig in der von Alfred Führer gebauten Luther-Orgel auszukennen. Zurzeit ist er dabei, das Instrument in seine Einzelteile zu zerlegen.  Fotos: Bonnekoh

Altena - Für Orgelbaumeister Thomas Wiggering aus Schmallenberg ist die Orgel der Lutherkirche „eine Kostbarkeit.“ Hinter dem prächtigen Barock-Prospekt, also der Ansicht vom Kirchenraum aus, verbirgt sich ein Instrument, das aus der Werkstatt des renommierten Orgelbauers Alfred Führer stammt.

Auf den Kopf genau 1872 Pfeifen hat der Orgelbauer aus Wilhelmshaven einst in Altena verbaut. Und keine der Pfeifen, auch nicht die meterhohen gut sichtbaren Tonröhren in der Außenansicht, sind dabei „blinde Pfeifen. Jede ist eine so genannte sprechende Pfeife“, sagt Thomas Wiggering und kann sich ein Lächeln ob dieses Fach-Chinesisch nicht verkneifen.

Nach dem verheerenden Feuer in der Lutherkirche ist die „Königin der Instrumente“, wie Orgeln immer wieder aufgrund ihres Klangvolumens genannt werden, tief beschädigt. „Der Gutachter spricht von ,korrosivem Ausschlag’“, erklärt der Fachmann aus dem Hochsauerland. „Wenn wir jetzt nicht tätig werden, ist das Instrument in ein paar Jahren unweigerlich zerstört.“ Doch vor Wiggering und seinem Team liegt viel, viel Arbeit. Etwa ein halbes Jahr, vielleicht sogar etwas länger, haben sie eingeplant. „Es gibt kein System, wie man vorgehen kann. Alles muss händisch geschehen. Orgeln sind immer Individualstücke.“ Dabei zeigt der Meister zum Beispiel auf Filz- und Lederstücke, die sichtbar vom aggressiven Brandrauch „angefressen“ sind. 

Renovierung der Orgel in der Lutherkirche angelaufen

Bereits bei der Demontage der Orgel trägt Wiggering wollene Handschuhe als Schutz gegen schädlichen Handschweiß. Die Pfeifen seien eben sehr, sehr empfindlich. Was genau die Versicherung für die Komplettsanierung aufwenden muss, das lässt Wiggering offen. Erst auf Nachfrage verneint er nicht, dass es sich schon um einen „namhaften sechsstelligen Euro-Betrag“ handelt.

Am Mittwoch waren Fachleute vom Denkmalamt aus Münster in Altena. Die hatte der Orgelbauer angefordert, weil er im Kirchenschiff Maschinenhilfe benötigt. So sind etwa die vier zu demontierenden Windläden je 200 Kilogramm schwer. „Das geht nicht ohne Kran oder Gerüsteinsatz“, sagt er. Die in ihre Einzelteile zerlegte Orgel wird Wiggering übrigens mit nach Schmallenberg nehmen. „In unserer Werkstatt wird vor Ort alles gereinigt und überarbeitet.“ Neu intoniert wird die Führer-Lutherorgel dann wahrscheinlich im Spätsommer im Kirchenschiff.

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