Abkehr vom Kupfergeld ist in Altena keine Option

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Mancher Einzelhändler kommt um Centbeträge nicht herum: In der Metzgerei Ulrich Hücking zum Beispiel werden Fleisch- und Wurstwaren centgenau abgewogen. Die Kunden lassen ihr Kleingeld aber gern im inhabergeführten Einzelhandel.

Altena -  Kleve am Niederrhein will dem Kleingeld abschwören. Ein- und Zwei-Cent-Stücke sollen bei den Einzelhändlern im Klever Citynetzwerk durch Auf- und Abrunden dauerhaft verbannt werden. Eine Option, die im Altenaer Einzelhandel generell denkbar wäre? Metzger Ulrich Hücking muss am Kupfer festhalten. „Unsere Waagen sind ja auf Centbeträge geeicht. Runden würde zu Diskussionen führen.“

Rainer Grüger würde als erster die Hand heben, wenn Altenas Einzelhandel dem Klever Modell folgen würde. „Ich habe Unmengen Kleingeld im Umlauf“, berichtet der Weinhändler. Das Zählen raubt nach Dienstschluss viel Zeit - trotz Kleingeldschablone. Hinzu kommt die regelmäßige Einzahlung des „schweren“ Gelds. „Und neue Münzrollen brauche ich ja auch zum Wechseln.“

Davon könnte Rolf Petersmann als stellvertretender Marktleiter in der Sparkassenhauptstelle ein Lied singen: Jene Kleingeld-Einzahlungen und die Ausgabe von Münzrollen machen der Sparkasse nicht nur viel Arbeit - „diese Serviceleistung für unsere Kunden kostet uns Geld.“

Das Bereitstellen eines Kleingeldzählautomats, der personelle Aufwand zur Leerung („das ist schwere körperliche Arbeit“), das maschinelle Rollen neuer Wechselgeldpäckchen und nicht zuletzt der Transport überschüssigen Kleingelds zur Europäischen Zentralbank sind hohe Kostenfaktoren für Banken. „Generell würde der Handel nicht nur von der Abschaffung des Kleingelds, sondern des Bargelds überhaupt profitieren. Zwar zahlt der Einzelhandel für jede Abbuchung von der EC-Karte, doch auf der anderen Seite hat der Händler das Geld sofort auf dem Konto. Und größere Geschäfte wie Discounter müssten auch keine Geldtransporte mehr bezahlen, um große Summen von geschultem Sicherheitspersonal abholen zu lassen“, erklärt Petersmann.

Dass die Altenaer am Bar- und auch am Kleingeld hängen, ist allerdings offensichtlich. Barabhebungen sind gefragt. Und besonders im inhabergeführten Einzelhandel werden die Cents auch gern ausgegeben: „Meine Kunden lassen ihr Kleingeld gern bei uns“, berichtet Metzger Ulrich Hücking. „Keiner kramt gern an der Supermarktkasse danach, wenn dahinter eine Schlange steht. Unsere Kunden wissen, dass Kleingeld willkommen ist. Das bringe ich einmal im Monat weg.“

Friederike Haar, Inhaberin von Zetzmann & Bröer, stört sich auch nicht dran. „Wir haben aber auch weniger 99-Cent-Beträge. Eher 95er. Deshalb haben wir mehr mit Fünf-Cent-Stücken zu tun. Generell können wir mit dem Kleingeld gut leben. Aber auch ohne.“

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