Altenaer Nachkriegszeit und die D-Mark - Peter Pranges neuer Roman

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Autor Dr. Peter Prange kommt wieder in seine Heimatstadt. In der Burg Holtzbrinck wird er lesen.

Altena - „Noch nie wurde so von Deutschland erzählt. Es ist der Roman der Bundesrepublik. Es ist unsere Geschichte“, heißt es in dem Pressetext, mit dem der Fischer-Verlag Peter Pranges Neuerscheinung „Unsere wunderbaren Jahre“ ankündigt.

Gerade auch für Altenaer trifft das zu: Prange macht die Burgstadt („Furz im Universum und Nabel der Welt“, spöttelt er) zum Zentrum seiner Geschichte. Als er zum ersten Mal mit Euro-Münzen bezahlte, sei – damals noch ganz abstrakt – die Idee zu diesem Buch geboren worden, berichtet Prange in einem Interview mit Sonja Praxl. Er wollte die Geschichte des Nachkriegs-Deutschland an der Geschichte der Währungen aufhängen. Es sollte allerdings noch Jahre dauern, bis dieser Plan in die Tat umgesetzt werden konnte: Die Liebesbriefe seiner Eltern, die Prange im Nachlass seiner im Jahr 2013 verstorbenen Mutter fand, schilderten viele Facetten der Altenaer Nachkriegsjahre – beim Studium dieser Briefe sei ihm klar geworden, dass sein Werk in Altena angesiedelt werden müsse, weil hier gewissermaßen die Wiege der D-Mark gestanden habe, sagt der Autor in einem Interview. 

Synonyme und Klarnamen

Damit spielt Prange auf die Münze im ehemaligen VDM-Werk am Schwarzenstein an - VAM heißt Altenas einst größter Arbeitgeber in seinem Roman. Manchmal ist es für Ortskundige etwas verwirrend, dass Prange mal Klarnamen wie Heinz Scholl oder Herward Krasemann verwendet und mal Synonyme. Eine große Rolle spielt zum Beispiel Walter Böcker. Dieser Name steht für Fritz Berg, den ehemaligen Arbeitgeber-Präsidenten. Prange legt ihm den Ausspruch „An Altenas Wesen soll Deutschland genesen“ in den Mund und lässt ihn im Italien-Urlaub auf Mussolinis Spuren wandeln – bei aller Authentizität von Orten, Personen und Ereignissen muss der geneigte Leser sich stets vergegenwärtigen, dass es sich um einen Roman handelt und damit auch um Fiktion oder – um mit den Worten des Autors zu sprechen – „eine wundervolle Illusion“. 

Was haben die Menschen aus dem „Kopfgeld“, also jene 40 D-Mark, die jeder Bundesbürger im Juni 1948 erhielt, gemacht? Dieser Frage geht Prange auf den Grund. Er erzählt die Lebensgeschichte(n) einer ganzen Clique junger Altenaer, die im Laufe der Jahrzehnte ganz unterschiedliche Wege einschlagen: Der eine verkauft Schuhe an der Kö. in Düsseldorf, ein anderer siedelt in die DDR über – schließlich musste auch der andere deutsche Staat in dem Epos untergebracht werden. Und selbst „von drüben“ reist ein echter Altenaer natürlich alle drei Jahre zurück an die Lenne, um mit der FWG Schützenfest zu feiern. Also doch nur gehobene Heimatkunde? Eher nicht: Auch diesmal hat Prange einen historischen Roman geschrieben – er schildert das Nachkriegsdeutschland zum einen aus der provinziell-kleinbürgerlichen, zum anderen aus der von Metropolen wie Berlin und Düsseldorf geprägten Sicht. 

Prange geht auf Lesereise


Der seit Jahrzehnten in Tübingen lebende 61-Jährige bleibt seiner Linie treu und garniert auch diese Geschichte mit Sex, Liebe und Beziehungsdramen. Pranges Buch kommt am kommenden Donnerstag in den Handel und kostet 22,99 Euro. Es ist auch als e-Book erhältlich, ein Hörbuch ist in Vorbereitung. Auch in diesem Jahr geht Prange mit seinem Buch auf Reisen – die ersten Lesungen überhaupt sind für den 24. Oktober in Altena geplant. Weitere Informationen und Karten gibt es beim Kulturring und in der Buchhandlung Katerlöh.

Noch Karten für Lesung erhältlich

Die Lesungen in Altena finden am 24. Oktober um 20 und um 18 Uhr statt.  Während die 20-Uhr-Lesung in der Burg Holtzbrinck schon ausverkauft ist, gibt es noch Karten für die weitere Veranstaltung um 18 Uhr. Erhältlich sind Tickets in der Buchhandlung Katerlöh oder über den Kulturring. Kontakt: Tel. 0 23 52 / 20 93 46. Die Karten kosten 10, ermäßigt 8 Euro.

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