Villa Borbet wird aufgegeben

Neubau neben dem Kohlberghaus

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Michael Voß, Claudia Bialas und Martin Ihde vor dem Grundstück, auf dem der Neubau errichtet werden soll.

Altena - Martin Ihde will investieren oder besser: Er muss investieren lassen. Noch in diesem Jahr möchte ein Investor damit beginnen, einen drei Millionen Euro teuren Neubau neben das Kohlberghaus zu setzen. 33 Zimmer sollen dort entstehen – Ihdes Kohlberghaus GmbH wird sie anmieten, um neuen gesetzlichen Bestimmungen Folge zu leisten.

80 Prozent Einzelzimmer – das ist Bestandteil eines Gesetzes, das gerade vielen Betreibern von Alten- und Pflegeeinrichtungen zu schaffen macht. Bisher sind in den Heimen Mehrbettzimmer die Regel, auch bei Ihde. „Bei uns sind bis jetzt nur 20 Prozent Einzelzimmer“, sagt der Geschäftsführer der Einrichtung für psychisch kranke Menschen.

Trotz des Neubaus wird die Bettenzahl der Einrichtung von jetzt 93 auf 80 verringert. Das liegt vor allem daran, dass die Villa Borbet, eine Art Dependance im Altenaer Stadtzentrum, aufgegeben werden muss – dort ließen sich die neuen Vorgaben des Landes beim besten Willen nicht umsetzen, berichtet Ihde. Wohl auch aus nostalgischen Gründen fällt ihm dieser Schritt schwer: Mit der Übernahme der Villa Borbet wagte er 1992 den Schritt in die Selbstständigkeit. Vier Jahre später erfolgten Kauf und Erweiterung des Kohlberghauses.

Michael Voß, der Einrichtungsleiter des Kohlberghauses, und Pflegedienstleiterin Claudia Bialas sehen die Aufgabe der Zweigstelle pragmatischer: Ein Einrichtung mit zwei Standort, die zudem auch noch zehn Kilometer auseinander lägen, erfordere einen hohen logistischen Aufwand, sagen sie. Vieles werde einfacher, wenn alle Bewohner und alle Mitarbeiter am Kohlberg konzentriert würden.

Dass mit der Investition ein Abbau der Plätze einhergehe, sei politisch gewollt, sagt Ihde. Das Land setze sich für den Abbau stationärer Plätze ab, will stattdessen mehr ambulante Betreuung – Vorgaben, denen Ihde durch die Gründung des gemeinnützigen „Netzwerk Lebensraum“ gerecht zu werden versucht. Diese Gesellschaft betreibt eine Wohngruppe in Balve, eine zweite in Iserlohn soll folgen.

Eigentlich habe er nicht vorgehabt, mit beinahe 60 Jahren noch solche Projekte zu stemmen, sagt Ihde, für den allerdings eines überhaupt nicht in Frage kommt: „Hier wird es keine betriebsbedingten Kündigungen geben“. Und genau das wäre notwendig, wenn er die Einzelzimmer-Quote im vorhandenen Raumprogramm erfüllen würde. „Alles, was hier ist, ist den Mitarbeitern zu verdanken“ – darin ist sich Ihde mit Voß und Bialas völlig einig. Sie bezeichnen die rund 100 Mitarbeiter als „Heldenschar“ mit hoher Identifikation für das Haus und seine Bewohner. Dass die Fluktuation gegen Null tendiert, ist für sie der Beweis dafür, dass Arbeitsklima und Motivation stimmen.

Ihde und der Investor – der nicht namentlich genannt werden möchte – haben das Mendener Planungsbüro Vedderplan mit der Konzeption des Neubaus beauftragt. Er soll etwas unterhalb des denkmalgeschützten Kohlberghauses errichtet werden. Im Moment laufen die ersten Abstimmungsgespräche: Die Heimaufsicht habe bereits grünes Licht gegeben, berichtet der Geschäftsführer. Auch die Stadt Altena stehe den Planungen wohlwollend gegenüber. Was noch fehlt, ist die Zustimmung der Landschaftssschützer: Das Kohlberghaus liegt nicht nur im Außenbereich, sondern auch im besonders geschützten Naturpark Homert.

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